Demnach mussten Arbeitnehmer in Deutschland im April 2026 durchschnittlich rund fünf Minuten arbeiten, um einen Liter Kraftstoff bezahlen zu können. Damit liegt die Belastung laut den Forschern innerhalb der üblichen Schwankungsbreite der vergangenen Jahrzehnte.
Die Wissenschaftler der ifo-Niederlassung Dresden haben dafür die Entwicklung der Kraftstoffpreise mit den Nettolöhnen und dem Arbeitsvolumen zwischen 1991 und 2025 verglichen. Für 2026 unterstellten sie einen Lohnanstieg von zwei Prozent, da offizielle Jahresdaten noch fehlen.
Löhne gleichen einen Teil der Preissteigerungen aus
Nach Angaben des Instituts bewegte sich der notwendige Arbeitsaufwand für einen Liter Kraftstoff in den vergangenen 35 Jahren meist zwischen drei und sechs Minuten. Trotz der zuletzt deutlich gestiegenen Preise liege Deutschland damit weiterhin innerhalb dieses Korridors.
Der Leiter der ifo-Niederlassung Dresden, Marcel Thum, erklärte dazu, die Belastung falle "im historischen Vergleich nicht ungewöhnlich hoch aus". Hintergrund seien vor allem die über Jahrzehnte gestiegenen Einkommen, die einen Teil der Preissteigerungen abfederten.
Auch der stellvertretende Leiter der Niederlassung, Joachim Ragnitz, verweist auf frühere Krisenzeiten. Selbst bei Preisen von 2,40 Euro pro Liter Super oder 2,50 Euro pro Liter Diesel liege die notwendige Arbeitszeit häufig noch unter den Werten aus den Jahren 2006 bis 2013.
Diesel laut Studie näher am oberen Bereich
Für Diesel sehen die Forscher zwar eine stärkere Belastung. Die notwendige Arbeitszeit liege dort eher am oberen Ende der historischen Spanne. Von einer völlig neuen Dimension könne aber auch dort nicht gesprochen werden.
Gleichzeitig betonen die Autoren, dass Durchschnittswerte die individuelle Situation vieler Haushalte nur begrenzt abbilden. Besonders Menschen mit niedrigem Einkommen und hoher Autoabhängigkeit würden die Preissteigerungen deutlich stärker spüren. Nach Angaben des Instituts entstehen bei einem monatlichen Verbrauch von 100 Litern durch die jüngsten Preissteigerungen zusätzliche Kosten von etwa 40 bis 60 Euro pro Monat.
Kritik an pauschalen Tankrabatten
Die Forscher äußern sich auch kritisch zu allgemeinen Entlastungsmaßnahmen wie dem aktuellen Tankrabatt der Bundesregierung. Dieser komme Haushalten mit hohem Verbrauch besonders stark zugute.
Was ist das ifo-Institut?Das ifo Institut zählt zu den bekanntesten Wirtschaftsforschungsinstituten in Deutschland und erstellt regelmäßig Studien zu Themen wie Konjunktur, Energie, Verkehr oder Arbeitsmarkt. Der Hauptsitz befindet sich in München, daneben gibt es mehrere Standorte in Deutschland. Die aktuelle Auswertung zu den Spritpreisen stammt von der ifo-Niederlassung in Dresden. Dort befassen sich die Forscher unter anderem mit wirtschaftlichen Entwicklungen, Energiefragen und Mobilitätsthemen.
Laut ifo zeigen Mobilitäts- und Steuerdaten zudem, dass ein höherer Kraftstoffverbrauch häufig mit höheren Einkommen zusammenhängt. Die Steuerausfälle müssten dagegen von der Allgemeinheit getragen werden. Parallel dazu verweisen die Forscher indirekt auf die Gewinne der Ölkonzerne. Hintergrund sind die zuletzt deutlich gestiegenen Ölpreise infolge des Konflikts rund um die Straße von Hormus.
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Um ein wenig die Kraftstoffkosten zu minimieren, sollten Autofahrer nach Möglichkeit die Schwankungen der Kraftstoffpreise im Tagesverlauf nutzen.
Für eine aktuelle Übersicht bietet sich unsere kostenlose Spritpreis-App "mehr tanken" (Google Play-Store oder Apple App-Store) an, die die aktuellen Kraftstoffpreise, eine Preis-Prognose und günstige Tankstellen in der Nähe anzeigt. Dort finden auch E-Auto-Fahrer Ladepunkte und deren Preise.





