Kommentar zur Umweltprämie von Chefredakteur Jochen Knecht auto motor und sport 77 Bilder

Kommentar zur Umweltprämie

Warum die E-Auto-Förderung unnötig ist

6000 Euro Kaufanreiz für ein Elektroauto? Kann man machen. Ist inzwischen aber rausgeschmissenes Geld, weil die CO2-Strafen der EU viel wirkungsvoller sind, findet Digital-Chefredakteur Jochen Knecht.

Vor 14 Tagen habe ich mich an dieser Stelle noch darüber beschwert, dass es zum Thema Elektroauto-Förderung bislang zwar imposantes Politik-Wortgeklingel gibt, aber eben noch keine praktische Umsetzung. Peinliches Politikversagen eben. Daran hat sich bis jetzt nichts geändert. An den Rahmenbedingungen für Elektroauto-Käufer aber schon. Denn die bekommen inzwischen sogar bis zu 8000 Euro abgezogen, wenn sie sich fürs richtige Elektroauto entscheiden, also 2000 Euro mehr als im Rahmen der Umweltprämie vereinbart.

4,5 Milliarden für VW: So irre sind die CO2-Strafen

Wie das geht? Dafür reicht eigentlich ein Blick auf die drohenden CO2-Strafen der EU. Die orientieren sich am Flottenverbrauch. Überschreitet ein Autohersteller den CO2-Flottenwert, werden Strafzahlungen an die EU fällig. Und zwar 95 Euro pro Gramm Überschreitung multipliziert mit der Stückzahl an Fahrzeugen, die der Hersteller im betreffenden Jahr (2020) in der EU verkauft hat. Für Volkswagen kommen so 4,5 Milliarden Euro zusammen, die an die EU abgeführt werden müssten. Hyundai/Kia wäre mit knapp 800 Millionen dabei, Ford mit knapp 1,5 Milliarden und Daimler mit rund einer Milliarde Euro.

Studie: Emittieren E-Autos mehr CO2 als Verbrenner?

95 Euro pro Gramm CO2 klingen nicht nur teuer, sie sind es auch. Umgerechnet auf die Lebensdauer eines Autos (200.000 Kilometer) kostet die Tonne zusätzlich ausgestoßenen CO2s 475 Euro. Zum Vergleich: Im Klimapaket der Bundesregierung beginnt der Preis für eine Tonne CO2 für das Jahr 2020 mit 10 Euro, soll bis 2025 auf 35 Euro steigen und seine Spitze bei 60 Euro erreichen. Erhoben werden die übrigens unter anderem auf den Verkauf von Treibstoff – für Verbrenner zahlt man also nicht nur beim Kauf, sondern zusätzlich für den Betrieb. Es geht aber gar nicht darum, CO2-Tarife gegeneinander aufzuwiegen. Viel wichtiger ist, dass die sich andeutenden Strafzahlungen bereits jetzt eine beeindruckende Lenkungswirkung auf den Markt haben.

Umfrage

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Ist es okay, dass der Steuerzahler den Verkauf von Elektroautos finanziell unterstützt?
Ja, so erreichen wir schneller einen umweltfreundlicheren Verkehr.
Nein, wer das Geld für ein Elektroauto hat, soll das bitteschön allein bezahlen.

Weil: Jedes Elektroauto, das in diesen Wochen nicht verkauft wird, treibt im Zweifel die Strafzahlungen weiter in die Höhe. Und genau deshalb versuchen aktuell alle Hersteller, ihre E-Fahrzeuge auf die Straße zu bekommen. Wenn es sein muss, mit kräftigen Preisnachlässen. Hätte es dafür eine Umweltprämie gebraucht, die bis heute nicht funktioniert? Natürlich nicht. Die Strafzahlungen sind völlig ausreichend.

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Wer zu spät kommt, zahlt

Im Regen stehen alle Hersteller, die beim Thema Elektromobilität nicht schnell genug waren. Die können erst mit dem Verkauf starten, wenn die entsprechenden Fahrzeuge bei den Händlern stehen. Und das wird in vielen Fällen erst im zweiten Halbjahr 2020 der Fall sein. Heißt: Es müssen dann sehr schnell sehr viele Elektroautos unters Volk gebracht werden. Das wird nur mit weiteren Zugeständnissen beim Preis funktionieren. Wer also keinen Druck hat, sich kurzfristig ein neues Auto kaufen zu müssen, tut in Sachen Elektroauto gut daran, bis Ende 2020 zu warten. Der Rabatte wegen.

Fazit

Macht es das einfacher für Hersteller wie BMW, Mercedes, Audi oder Volkswagen? Sicher nicht. Mit dem Finger auf eine vermeintlich industriefeindliche Politik zu zeigen, springt aber zu kurz: Im Kern geht es vielmehr um das zu lange Festhalten an alten Technologien. Denn das EU-Limit zumindest für 2020 ist seit 2009 bekannt.

Ab welchem Preis werden Elektroautos interessant für Sie? Achten Sie auf den Kaufpreis, oder sind Ihnen die Kilometerkosten wichtiger? Schreiben Sie mir. Sie erreichen mich unter jknecht@motorpresse.de

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