Eines muss man ihm lassen: Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) hat sich bei der Neuauflage einer Förderprämie für Elektroautos und Plug-in-Hybride intensive Gedanken gemacht. Er hat sich dafür eingesetzt, sie durch eine Staffelung nach Einkommensgruppen sozialer zu gestalten als in der Vergangenheit. Und er hat auch, wie von den Herstellern gefordert, die Plug-in-Hybride berücksichtigt. Und das ist gut so.
Kommen wirklich Neuwagen infrage?
Es muss allerdings die Frage gestattet sein, welche Familie mit einem Jahreseinkommen von 45.000 Euro und weniger sich auf dem Neuwagenmarkt nach einem Elektroauto oder Plug-in-Hybrid umschaut, selbst bei einer Förderung von bis zu 6.000 Euro. Und wer sich in der Einkommensgruppe von 80.000 bis 90.000 Euro sowie zwei oder mehr Kindern erstmalig zu einem Kauf eines Stromers hinreißen lässt, wenn ihm der Staat jetzt noch einmal 4.000 Euro dazu gibt.
Drei Schwachpunkte hat das insgesamt rund drei Milliarden umfassende Förderprogramm, das für Neuzulassungen ab 1. Januar 2026 gilt.
1. Schwachpunkt:
Es umfasst keine Gebrauchtwagen. Dabei hätte man damit so viel Gutes für einkommensschwache Familien bewirken können, für die die Elektromobilität mit Modellen aus zweiter Hand erst attraktiv werden kann. Und auch der Klimaschutz hätte profitiert: Denn wir kommen auf diesem Gebiet nur dann wirklich voran, wenn wir den CO₂‑Ausstoß auch im Bestand reduzieren.
2. Schwachpunkt:
Es gilt nur für Privatzulassungen: Die Dienstwagenquote in Deutschland ist sehr hoch, sie entspricht fast zwei Dritteln der Gesamt-Neuzulassungen. Diese gewerblichen Zulassungen sind entscheidend für die Förderung der Elektromobilität, da sie oft schneller auf neue Modelle umsteigen und damit auch einen großen Einfluss auf den Markt haben. Modelle wie der VW ID.7 sind deshalb so erfolgreich, weil sie sich so gut im Flottengeschäft verkaufen. Auch wenn es steuerliche Vorteile gibt: Dieses Segment hätte man vor allem mit Blick auf die deutsche Autoindustrie nicht außen vor lassen sollen.
3. Schwachpunkt
Es fehlt eine staatliche Förderung, um die Strompreise an den Ladesäulen zu reduzieren – vor allem, wenn man öffentlich lädt. Für Wallbox-Besitzer mit PV-Anlage auf dem Dach ist Strom günstig. Wer aber an einer der insgesamt 6.000 öffentlichen Schnellladesäulen laden muss, wird mitunter richtig abgezockt. Die Tarife pro Kilowattstunde variieren stark zwischen rund 40 und 90 Cent. Diesem intransparenten Wildwuchs muss ein Ende gesetzt werden. Es ist die Aufgabe der Politik, Strompreise, die Ladeinfrastruktur und die Rahmenbedingungen der Elektromobilität im Auge zu behalten und entsprechende Programme dafür aufzulegen.
auto motor und sport setzt sich konsequent für bezahlbare Mobilität ein. Familien mit niedrigem Einkommen stärker zu berücksichtigen, ist ein guter Ansatz der neuen Förderprämie für E-Autos. Gebrauchtwagen von der Regelung auszuschließen, ist aber falsch. Denn so können sich viele Menschen wieder keinen Stromer leisten! Wichtig wäre auch gewesen, die Rahmenbedingungen für E-Mobilität zu verbessern und den hohen Ladekosten politisch entgegenzutreten.












