Die Betreiber der Anlage im Outagamie County haben diese Zahl bewusst gewählt – und das aus einem simplen Grund: Sie soll auffallen.
Auf dem Gelände ist täglich viel los. Pkw, Lkw und schwere Nutzfahrzeuge teilen sich die Zufahrtswege. Die Betreiber wollen, dass alle Fahrer das Schild wirklich wahrnehmen – und nicht gedankenlos daran vorbeifahren. Eine runde Zahl wie 15 oder 20 mph würde das Gehirn kaum beschäftigen. 17,3 zwingt zum Innehalten. "Wir wollen, dass jeder sicher nach Hause kommt", erklären die Verantwortlichen.
Was die Verkehrspsychologie dazu sagt
Hinter dem Trick steckt ein bekanntes Phänomen: Gewöhnung. Wer täglich an denselben Schildern vorbeifährt, nimmt sie irgendwann kaum noch wahr. Das Gehirn stuft die Information als unwichtig ein und blendet sie aus. Studien aus der Verkehrspsychologie, unter anderem vom Transportation Research Board, bestätigen diesen Effekt.
Ungewohnte Reize können das durchbrechen. Eine krumme Zahl fällt aus dem gewohnten Raster – und erzwingt kurz echte Aufmerksamkeit. Auch die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA hat sich mit diesem Zusammenhang beschäftigt: Unerwartete Informationen erhöhen die Wahrnehmung, zumindest vorübergehend.
Schilder allein reichen selten
Verkehrsexperten sind trotzdem skeptisch. Bauliche Maßnahmen wie Bodenschwellen, Fahrbahnverengungen oder Kreisverkehre gelten als deutlich wirksamer. Sie zwingen Fahrer physisch zum Bremsen – ein Schild appelliert nur an den freien Willen. Dezimalwerte können die Aufmerksamkeit kurz schärfen, ersetzen aber keine durchdachte Verkehrsplanung.
Die Beispiele aus Wisconsin und Colorado sind damit das, nachdem sie aussehen: kreative Einzellösungen für konkrete Situationen. Kein neuer Trend, kein regulatorischer Wandel – aber ein kleiner psychologischer Kniff, der zumindest einen zweiten Blick garantiert.
Kein Einzelfall, aber eine absolute Ausnahme
Ähnliches gibt es auch anderswo in den USA. In einem Einkaufszentrum in Colorado Springs gilt seit Jahren ein Tempolimit von 8,2 mph (13,2 km/h). Beide Fälle haben eines gemeinsam: Die Schilder stehen nicht auf öffentlichen Straßen. Dezimalwerte bei Tempolimits kommen ausschließlich auf Privatgelände oder halböffentlichen Flächen wie Betriebshöfen vor, wo Betreiber eigene Regeln aufstellen dürfen.
Im regulären Straßenverkehr sind solche Zahlen nicht vorgesehen. Die US-Bundesbehörde für Straßenverkehr schreibt im MUTCD (Manual on Uniform Traffic Control Devices – auf Deutsch in etwa: Handbuch für einheitliche Verkehrszeichen und Straßenmarkierungen.) vor, dass Tempolimits in festen Schritten – üblicherweise je fünf mph – angegeben werden. Klar, eindeutig, sofort lesbar.





