Nach Angaben der US-Armee gehört die mobile Stromversorgung inzwischen zu den größten Fähigkeitslücken moderner Brigadeverbände. Die Laser-Lkw sollen nicht nur Soldaten transportieren, sondern gleichzeitig Laserwaffen, Radarsysteme und weitere elektronische Systeme zur Kampfführung mit Strom versorgen.
Dabei verfolgen die US-Streitkräfte zwei unterschiedliche Programme. Für die US Army entsteht mit dem Infantry Squad Vehicle Heavy (ISV-H) ein neues Beschaffungsprogramm für eine mobile Energieplattform. Parallel entwickelt Oshkosh Defense mit dem eJLTV eine Hybridversion des Joint Light Tactical Vehicle (JLTV), die vor allem für das US Marine Corps vorgesehen ist.
ISV-H soll neue Fahrzeugklasse für die US Army werden
Mit dem ISV-H möchte die US Army erstmals ein leichtes taktisches Fahrzeug beschaffen, das speziell auf den Betrieb energieintensiver Systeme ausgelegt ist. Anders als klassische Transportfahrzeuge soll der ISV-H vor allem elektrische Energie für Laserwaffen, Radarsysteme, Führungs- und Kommunikationsanlagen sowie Einrichtungen der elektronischen Kampfführung bereitstellen. Gefordert sind mindestens 60 Kilowatt dauerhaft verfügbare elektrische Leistung. Nach Angaben der US-Armee zählt genau diese mobile Stromversorgung zu den größten Fähigkeitslücken moderner Brigadeverbände. Zunächst sollen 34 Fahrzeuge beschafft werden, langfristig sind insgesamt 606 Exemplare geplant.
Der ISV-H ist dabei kein Fahrzeug eines bestimmten Herstellers, sondern ein Beschaffungsprogramm der US Army. Einer der aussichtsreichen Bewerber ist GM Defense. Mit dem Next Generation Tactical Vehicle-Hybrid (NGTV-H) präsentierte das Unternehmen bereits einen Technologiedemonstrator, der als möglicher Kandidat für das ISV-H-Programm gilt und viele der geforderten Eigenschaften erfüllt.

Der ISV-H ist als mobile Energieplattform konzipiert und soll künftig Laserwaffen, Radarsysteme sowie weitere elektronische Ausrüstung auf dem Gefechtsfeld mit Strom versorgen.
Das Fahrzeug basiert auf dem Chevrolet Silverado HD 3500 ZR2 und kombiniert einen 2,8-Liter-Duramax-Turbodiesel mit einem 12-Modul-Hochvoltbatteriesystem sowie Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse. Dadurch sind sowohl nahezu lautloses Fahren ("Silent Drive") als auch der Betrieb sämtlicher elektrischer Systeme bei abgestelltem Motor ("Silent Watch") möglich. Gleichzeitig kann das Fahrzeug externe Verbraucher mit Strom versorgen und herkömmliche Generatoren ersetzen.
Der Hybridantrieb soll den Kraftstoffverbrauch senken, ohne dass dafür eine neue Versorgungsinfrastruktur erforderlich ist. Das Fahrzeug kann weiterhin mit dem bei vielen NATO-Streitkräften verwendeten Standardkraftstoff JP-8 betrieben werden. Zur Ausstattung gehören außerdem sperrbare Differenziale an Vorder- und Hinterachse, Multimatic-DSSV-Fahrwerksdämpfer für schwieriges Gelände sowie die Möglichkeit, Zusatzpanzerung nachzurüsten. Angeboten werden Varianten mit zwei, vier oder sechs Sitzplätzen sowie eine unbemannte Version. Als Einsatzgebiete nennt GM Defense unter anderem Führungsfahrzeuge, Drohnenabwehr, Verwundetentransport sowie Start- und Bergesysteme für Drohnen und Loitering Munition.
Sind 60 kW nicht wenig?Auf den ersten Blick wirken 60 Kilowatt vergleichsweise wenig, da moderne Schnellladesäulen für Elektroautos heute häufig 300 bis 400 kW leisten. Im militärischen Einsatz handelt es sich jedoch um eine dauerhaft verfügbare Leistung, mit der gleichzeitig Radar-, Kommunikations- und Führungssysteme betrieben werden können. Für den eigentlichen Laserschuss liefern Hochvoltbatterien zusätzlich die kurzfristig benötigten Leistungsspitzen. Deshalb erreicht das eJLTV kurzzeitig bis zu 250 kW, obwohl seine Dauerleistung bei 115 kW liegt.
eJLTV setzt auf den bestehenden JLTV
Während die US Army mit dem ISV-H ein neues Fahrzeug beschaffen möchte, verfolgt Oshkosh Defense einen anderen Ansatz. Das Unternehmen entwickelt mit dem eJLTV eine Hybridversion des bereits eingeführten Joint Light Tactical Vehicle, das unter anderem beim US Marine Corps im Einsatz ist.
Nach Herstellerangaben kann das eJLTV (siehe Aufmacherbild) dauerhaft bis zu 115 Kilowatt elektrische Leistung an externe Verbraucher liefern. Für kurze Zeit stehen sogar 250 Kilowatt zur Verfügung. Diese Leistungsspitzen gelten als entscheidend für den Betrieb moderner Hochenergielaser.
Hinzu kommen zwei Eigenschaften, die im militärischen Einsatz immer wichtiger werden. Im sogenannten Silent Drive kann sich das Fahrzeug kurze Strecken nahezu geräuschlos elektrisch bewegen. Im Silent Watch versorgt die Batterie sämtliche Sensoren, Funkgeräte oder Radarsysteme bei abgestelltem Dieselmotor mit Energie. Dadurch sinken sowohl die Geräuschentwicklung als auch die Wärmesignatur, was die Aufklärung durch gegnerische Drohnen erschweren soll.
Warum Hybrid plötzlich zur Schlüsseltechnologie wird
Der Hybridantrieb dient im militärischen Kontext nicht in erster Linie der Kraftstoffersparnis. Sein eigentlicher Vorteil liegt darin, große Mengen elektrischer Energie bereitzustellen.
Moderne Laserwaffen benötigen beim eigentlichen Schuss innerhalb weniger Sekunden enorme Leistungsspitzen. Ein konventioneller Generator müsste dafür permanent unter hoher Last laufen. Das würde den Kraftstoffverbrauch erhöhen und das Fahrzeug durch Motorgeräusche sowie Abwärme leichter ortbar machen. Hybridfahrzeuge lösen dieses Problem, indem der Generator die Batterie kontinuierlich lädt und diese beim Laserschuss die kurzfristig benötigte Zusatzleistung liefert.
Laser sollen zunächst Drohnen bekämpfen
Die neuen Fahrzeuge entstehen vor allem für die Abwehr kleiner und mittlerer Drohnen. Bereits getestet wurde das 20-Kilowatt-LOCUST-Lasersystem von AeroVironment auf dem Infantry Squad Vehicle und dem Joint Light Tactical Vehicle. Parallel arbeitet die US-Armee mit dem Programm Enduring High Energy Laser (E-HEL) an einem serienreifen Hochenergielaser für leichte taktische Fahrzeuge.
Laser gelten dabei als Ergänzung zu klassischen Flugabwehrsystemen. Statt teurer Lenkflugkörper sollen sie insbesondere kostengünstige Drohnen bekämpfen können. Solange ausreichend elektrische Energie vorhanden ist, benötigen sie keine herkömmliche Munition.





