Mehr-Tanken-Analyse: Spritpreise illegal hochgedreht - kurz vor dem Tankrabatt

Enthüllung des mehr-tanken-Analyseteams
Tankrabatt in Sicht – und plötzlich wurde es teurer!

ArtikeldatumVeröffentlicht am 08.05.2026
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Tankstellen Spritpreise Tankrabatt Regel 30. April 1. Mai Auswertung
Foto: KI-generiert

Die Bundesregierung hat den Tankstellenbetreibern und Mineralölkonzernen zum 1. April per "Kraftstoffpreisanpassungsgesetz" verboten, die Kraftstoffpreise nach 12 Uhr mittags bis zum selben Zeitpunkt des Folgetages zu erhöhen. Seitdem hat es jedoch zahlreiche bestens dokumentierte Verstöße gegeben. Und zwar nicht nur anfangs, als die Regelung für alle Beteiligten noch neu war. Auch nach der Phase des "Zurechtruckelns" wurden an vielen Tankstellen weiterhin die Benzin- und Dieselpreise illegal erhöht. Das zeigen Daten des Analyseteams unserer App mehr-tanken aus dem Zeitraum vom 29. April bis 6. Mai 2026.

30. April mit besonders vielen und starken Preiserhöhungen

Was besonders auffällt: Am 30. April 2026 kam es an deutschen Tankstellen zu besonders vielen unzulässigen Preiserhöhungen außerhalb des erlaubten Zeitfensters. Allein an diesem Tag verzeichnete die mehr-tanken-App 513 Preissteigerungen im Zeitraum von 12:30 Uhr (wir haben den Tankstellen eine halbe Stunde Kulanzzeit eingeräumt, um Verfälschungen durch technische Ungenauigkeiten auszuschließen) bis 11:59 Uhr am nächsten Tag (1. Mai).

Dieses Datum ist entscheidend. Nicht nur, weil der Feiertag für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Chance auf ein verlängertes Wochenende mit entsprechenden Ausflugs- und Reisemöglichkeiten bot; bei einer solchen Gelegenheit steigen die Spritpreise traditionell besonders stark. Sondern vor allem deshalb, weil am 1. Mai der sogenannte "Tankrabatt" der Bundesregierung in Kraft getreten ist. Dabei handelt es sich um eine vorübergehende Senkung der Energiesteuern auf Benzin und Diesel, die einschließlich des darauf entfallenden Anteils an der Umsatzsteuer an der Tankstelle als Preissenkung von rund 17 Cent pro Liter bei den Autofahrerinnen und Autofahrern ankommen müsste.

Angesichts dieser zeitlichen Abfolge liegt die Vermutung nahe, dass viele Stationen den Nachmittag und Abend des Vortages genutzt haben, um Preise deutlich hochzuschrauben – unerlaubt, wohlgemerkt!

Besonders große Preissprünge in Berlin

Und diese Preissprünge hatten es in sich. Im Mittel lag die illegale Preiserhöhung bei 9,5 Cent pro Vorgang. Damit lag der Sprung deutlich höher als in der Vorwoche, für die das mehr-tanken-Analyseteam eine durchschnittliche Erhöhung von 7,7 Cent pro Liter ermittelt hatte. Doch hinter dem Durchschnitt verstecken sich starke regionale Unterschiede: In manchen Bundesländern und Regionen lag die durchschnittliche unzulässige Kraftstoffpreiserhöhung bei deutlich über 15 Cent – also weit jenseits dessen, was Autofahrer als "normale" Schwankung wahrnehmen. Hier die unrühmlichen Spitzenreiter:

  • Berlin: Ø 18,7 Cent pro illegaler Erhöhung (0,1867 €) – damit klarer Ausreißer nach oben.
  • Hessen: Ø 15,5 Cent (0,1552 €) – ebenfalls deutlich über dem Bundesschnitt.
  • Sachsen: Ø 13,5 Cent (0,1350 €).
  • Mecklenburg-Vorpommern: Ø 12,8 Cent (0,1283 €).
  • Nordrhein-Westfalen: Ø 11,6 Cent (0,1155 €).

Auf der Ebene unterhalb der Bundesländer traten ebenfalls einige Regionen hervor, in denen die illegalen Preisaufschläge extrem hoch ausfielen. Speziell der Regierungsbezirk Köln sticht heraus. Hier sind es nicht die Massenverstöße, sondern die ungewöhnlich großen Sprünge, die den Wert nach oben getrieben haben.

  • Regierungsbezirk Köln: Ø 29,3 Cent pro illegaler Erhöhung (0,2925 €) – der höchste Wert in dieser Ebene.
  • Regierungsbezirk Gießen: Ø 20,5 Cent (0,2053 €).
  • Regierungsbezirk Münster: Ø 14,2 Cent (0,1416 €).
  • Regierungsbezirk Kassel: Ø 14,2 Cent (0,1417 €).
  • Regierungsbezirk Darmstadt: Ø 13,1 Cent (0,1311 €).

Bayern wieder mit den meisten Verstößen

Bayern lag bei der durchschnittlichen Höhe der Preissteigerungen "nur" bei 9,1 Cent, also knapp unter dem deutschen Mittelwert. Doch wie auch in der regionalen Betrachtung über die Vorwoche lag Deutschlands größtes Bundesland am 30. April bei der Anzahl der Verstöße vorn – und zwar sowohl absolut als auch relativ. Insgesamt gab es in Bayern an diesem Tag 173 Verstöße, die an 64 der insgesamt 2.984 Tankstationen in Bayern gemeldet wurden. Damit wurden an 2,1 Prozent der bayerischen Tankstellen unzulässig an der Preisschraube gedreht.

Wie bereits in der Vorwoche folgt Baden-Württemberg mit 105 Verstößen. Zudem waren die Tankstellenbetreiber in Hessen in dieser Hinsicht sehr aktiv: 61 Verstöße an 1,7 Prozent aller Tankstellen bedeutet jeweils den dritten Platz. Mit einer durchschnittlichen Preiserhöhung um 15,5 Cent pro Liter ist Hessen jedoch das Flächenland mit der höchsten Steigerungsquote. Aus Nordrhein-Westfalen wurden zwar die viertmeisten Verstöße gemeldet (46), doch die verteilten sich nur auf 23 Stationen. Angesichts der hohen Tankstellendichte in NRW (3,417 Stationen) betraf das Problem demnach nur 0,7 Prozent.

Billige Spritpreise finden mit der mehr-tanken-App

Für die Autofahrerinnen und Autofahrer ist dieses unzulässige Verhalten der Tankstellenbetreiber und Mineralölkonzerne zumindest ärgerlich, schließlich stellt es einen direkten Eingriff in den eigenen Geldbeutel dar. Abhilfe schafft da die App mehr-tanken (im Google Play-Store oder Apple App-Store), mit der sich in Echtzeit die aktuellen Kraftstoffpreise vergleichen lassen. Darüber hinaus liefert die App eine Preis-Prognose und filtert für Sie die günstigsten Tankstellen in Ihrer Nähe heraus. Obendrein führt die mehr-tanken-App in Kürze eine neue, einzigartige Funktion ein: Sie können über die App selbst melden, wenn eine Tankstelle gegen die Regeln spielt und die Preise nach 12 Uhr mittags erhöht. Und Fahrerinnen und Fahrer von Elektroautos können sich dort zudem Ladepunkte und deren Preise anzeigen lassen.

Fazit