Mercedes will den US-Markt nicht räumen. Konzernchef Ola Källenius kündigt an, Mercedes werde bei Bedarf Anpassungen vornehmen, um die Präsenz und das Geschäft in den Vereinigten Staaten zu schützen. Das sagte er im Rahmen der Zahlenvorlage zum zweiten Quartal, wie Reuters berichtet.
Källenius verweist dabei ausdrücklich auf das geopolitische Umfeld und den Wettbewerb zwischen den USA und China. Mercedes führt nach seinen Angaben Gespräche mit Verantwortlichen in den USA, um eine Lösung zu erreichen.
Warum Mercedes jetzt Druck spürt
Ein Gesetzentwurf in den USA zielt auf Autohersteller mit direkter oder indirekter Beteiligung aus Staaten, die die USA als Gegner einstufen. Als Schwelle nennt der Entwurf 15 Prozent. Wer darüber liegt, könnte in den USA keine Fahrzeuge mehr produzieren, importieren oder verkaufen.
Mercedes gerät wegen seiner Aktionärsstruktur in den Fokus. Die chinesische BAIC Group hält 9,98 Prozent, Geely-Gründer Li Shufu 9,69 Prozent. Zusammen betragen die chinesischen Beteiligungen an Mercedes damit 19,67 Prozent – das rangiert deutlich über der diskutierten Grenze.
USA als wichtigster und wachsender Markt
Mercedes erzielt in den USA derzeit besonders starke Ergebnisse. Im zweiten Quartal legten die Pkw-Verkäufe dort um zehn Prozent zu. Gleichzeitig verlor Mercedes in China deutlich an Tempo – ein harter Kontrast, der den Stellenwert des US-Marktes weiter erhöht.
Produktion als Trumpfkarte
Mercedes produziert seit 1997 in Tuscaloosa (Alabama) und machte das Werk zu einem zentralen Standort für SUV. Dort entstehen unter anderem GLE und GLS sowie die Elektro-Modelle EQE SUV und EQS SUV. In der Nähe betreibt Mercedes zudem ein Batteriewerk in Woodstock.
Der Konzern investierte in den vergangenen Jahren Milliarden in den Ausbau. Mercedes beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 11.000 Menschen in den USA. Diese industrielle Basis könnte Mercedes im politischen Ringen Argumente liefern: Der Hersteller schafft Wertschöpfung im Land und hängt nicht nur am Import.

Sein großes SUV GLS baut Mercedes beispielsweise in seinem Werk in Tuscaloosa im US-Bundesstaat Alabama.
Welche Anpassungen Mercedes prüfen dürfte
Källenius hält sich aktuell noch mit Details zurück, stellt aber bereits Anpassungen in Aussicht. Naheliegend wäre das Angebot, weitere Produktion in den USA ansiedeln oder bestehende Pläne zu erweitern und zu beschleunigen. Källenius nannte auch die Möglichkeit eines zusätzlichen Motorenwerks, knüpfte das aber an offene Verhandlungen rund um das US-Handelsabkommen (USMCA, Handelsabkommen zwischen USA, Mexiko und Kanada).
Parallel bleibt die Eigentümerfrage der politische Kern. Ein Abbau der chinesischen Anteile liegt nicht allein in Mercedes’ Hand, doch Mercedes kann Optionen ausloten, die die US-Seite akzeptiert – etwa Übergangsfristen oder Ausnahmen.
Mercedes-Benz Werk in Tuscaloosa (Alabama)Mercedes hat das Werk in Tuscaloosa (Alabama) 1995 gegründet. 1997 startete dort die Produktion der ersten M-Klasse. Heute ist der US-Standort das Stammwerk für die Fertigung der großen Mercedes-SUV, darunter GLE und GLS. Inzwischen laufen dort auch die vollelektrischen Varianten dieser SUV vom Band. Die hochmoderne Fabrik sichert tausende Arbeitsplätze und exportiert Fahrzeuge in fast alle Länder der Welt.
Möglicherweise sind Ausnahmen drin
Im US-Senat gewann der Entwurf zuletzt an Fahrt: Der Handelsausschuss stimmte zu, der Text geht nun in weitere Beratungen. Der republikanische US-Senator und Ausschusschef Ted Cruz nannte Mercedes als Beispiel, betonte aber zugleich, er wolle kein Verbot des deutschen Herstellers. Der ebenfalls republikanische US-Senator und Gesetzes-Mitinitiator Bernie Moreno stellte Ausnahmen in Aussicht und nannte 2030 als mögliches Zieljahr, bis zu dem Mercedes seine Struktur anpassen könnte.





