Michael Leiters ist erst seit sieben Wochen offiziell der Vorstandsvorsitzende der Porsche AG. Und der Manager, der zuvor bei den namhaften Sportwagenbauern McLaren und Ferrari gearbeitet hatte und zu Wendelin Wiedekings Zeiten bereits bei 13 Jahre bei Porsche tätig war, verliert keine Zeit. Er hat von den Eigentümerfamilien Porsche und Piëch schließlich einen klaren Auftrag erhalten: Den schlingernden Edelhersteller schnellstmöglich wieder auf Kurs zu bringen. Dabei greift er teils zu ungewöhnlichen Maßnahmen, wie das "Manager Magazin" in einem großen Report berichtet.
Wer Probleme aufzeigt, erhält Amnestie
Dem Bericht zufolge führte Leiters kurz nach Amtsantritt eine Art "Whistleblower-System" ein. Er forderte die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Top-Management auf, ihm unverzüglich Probleme mitzuteilen, die zuvor nicht bekannt waren. Wer sich innerhalb von 20 Tagen meldete, sollte Amnestie erhalten – also auch dann keine Konsequenzen fürchten müssen, wenn er oder sie selbst Fehler gemacht hatte. Diese Frist ist inzwischen abgelaufen. Diese Maßnahme sollte Leiters helfen, das gesamte Ausmaß der Probleme und deren Zusammenhänge zu verstehen, um daraufhin die geeigneten Maßnahmen ergreifen zu können.
Tatsächlich haben sich laut "Manager Magazin" mehrere Abteilungen bei Leiters gemeldet. Beispielsweise der Vertrieb, der die Absatzvorgaben der vorherigen Porsche-Leitung unter Leiters Vorgänger Michael Blume als viel zu ambitioniert empfand. Blume richtete Porsche darauf aus, etwa 400.000 Autos im Jahr zu verkaufen, und erweiterte dafür die Werke und das Personal. Innerhalb von zehn Jahren wuchs die Belegschaft von gut 25.000 auf heute ungefähr 42.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – mit entsprechenden Auswirkungen auf die Kostenstruktur. Dabei hat Porsche 2025 weltweit nur knapp 280.000 Autos abgesetzt – kaum mehr als 2015 (etwa 225.000).
Pragmatismus statt "Wachstum um jeden Preis"
Anstelle des Mottos "Wachstum um jeden Preis" soll unter Leiters ein neuer Pragmatismus in Stuttgart-Zuffenhausen Einzug halten. Das bedeutet auch eine Abkehr von der konsequenten Elektrifizierungsstrategie. Erstes Signal in dieser Hinsicht: das wahrscheinliche Aus der rein elektrischen Nachfolger des Porsche 718 – oder zumindest eine weitere Verzögerung auf 2027. Ein anderer Strategieschwenk wurde bereits unter Blume angestoßen: Der Macan, der eigentlich zu einer Baureihe mit rein elektrischen Antrieben mutieren sollte, erhält nun doch auch ein Verbrenner-Pendant. Blume hatte unlängst zugegeben, dass das Aus des Verbrenner-Macan ein Fehler war.
Einfacher macht das die Aufgabe für Leiters nicht. Er muss einen Antriebs-Dreiklang aus Verbrenner, Hybrid und Elektro orchestrieren, an die Bedürfnisse der einzelnen Märkte anpassen und parallel weiterentwickeln lassen. Um das bezahlen zu können, stellt er Projekte mit unsicherer Wirtschaftlichkeit auf den Prüfstand (Stichwort 718 Elektro), strafft Modellreihen, priorisiert Investitionen. Damit soll Porsche zurückkehren können zu eindeutig kalkulierbaren Stückzahlen und verlässlichen Margen, für die der Hersteller im VW-Universum über viele Jahre bekannt war und geschätzt wurde.
Leiters' Vorgänger ist jetzt sein Chef
Pikant dabei: Oliver Blume ist weiterhin Chef des VW-Konzerns, er gab zum Jahreswechsel ja nur die Doppelfunktion auf – und damit Leiters' Vorgesetzter. Obwohl die Porsche AG inzwischen als eigenständiges Unternehmen an der Börse notiert ist (und im September 2025 aus dem DAX flog), gehört sie als 75-Prozent-Tochter von Volkswagen dennoch zum Konzern-Konstrukt.
Laut "Manager Magazin" ist beiden CEOs sehr wohl bewusst, dass sie zusammenarbeiten müssen, um Porsche zu sanieren und wieder in die Erfolgsspur zu setzen. Das erwarten auch die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch von den beiden. Dennoch heißt es in dem Bericht: "Sie werden gegeneinander krachen." Nicht zuletzt, weil Blume in seiner Doppelfunktion als VW- und Porsche-Chef viele Top-Positionen in Stuttgart mit Vertrauten besetzt habe.
Die Personalwechsel haben schon begonnen
Doch auch hier gibt es die ersten Korrekturmaßnahmen seitens Leiters. So wechselt er den Design-Chef aus: Auf Michael Mauer, der mehr als zwei Jahrzehnte das Design von Porsche verantwortet hatte, folgt Tobias Sühlmann. Der kommt von McLaren, Leiters' vorherigem Arbeitgeber. Es dürfte nicht der letzte Wechsel auf einem zentralen Posten gewesen sein. Und er macht einen anderen Satz aus dem Report des "Manager Magazins" greifbar: "Der Kampf um Porsche beginnt."












