Mini-Panzer von Renk und Patria: Tonnen schwer, ohne Fahrer – und schwimmen kann er auch

Mini-Panzer von Renk und Patria
Tonnen schwer, ohne Fahrer – und schwimmen kann er auch

ArtikeldatumVeröffentlicht am 19.06.2026
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Patria Renk UGV
Foto: Patria

Das sogenannte Heavy Unmanned Ground Vehicle (UGV) soll langfristig Logistik-, Transport- und Unterstützungsaufgaben übernehmen und perspektivisch auch autonom operieren können. Im Mittelpunkt steht dabei die Kombination aus dem neuen Patria "Trackx"-Kettenfahrzeug und dem digitalen HSWL-076-Getriebe von Renk. Beide Unternehmen sehen darin einen Baustein für die nächste Generation unbemannter Landsysteme innerhalb der NATO.

Grundlage ist das neue Trackx-Kettenfahrzeug

Als Plattform dient das von Patria entwickelte Trackx. Das Fahrzeug entstand im Rahmen des europäischen Forschungsprogramms FAMOUS und richtet sich an Streitkräfte, die ein leichtes, hochbewegliches Kettenfahrzeug für schwieriges Gelände benötigen. Trackx wurde insbesondere für Regionen mit Schnee, Schlamm, Mooren oder dicht bewaldeten Gebieten entwickelt. Entsprechend wurde das Modell in den vergangenen Jahren unter anderem auf Schneefeldern, in Sümpfen, Sandgebieten und Waldregionen getestet.

Die Konstruktion setzt auf breite Gummiketten, eine hohe Bodenfreiheit und eine hydropneumatische Einzelradaufhängung. Dadurch soll das Fahrzeug auch in Geländearten beweglich bleiben, in denen klassische Radfahrzeuge an ihre Grenzen stoßen. Zudem ist die Plattform schwimmfähig und erreicht im Wasser Geschwindigkeiten von bis zu vier km/h.

Technische Daten Patria Trackx

Was ist STANAG ?
STANAG 4569 (Standardization Agreement zu deutsch: Standardisierungsabkommen) definiert den Schutz von Militärfahrzeugen gegen Beschuss und Minen. Stufe 1 bietet Schutz gegen Beschuss mit 7,62-mm-Gewehrmunition und gegen kleine Sprengladungen beziehungsweise Minen. Die höchsten Schutzstufen schützen auch gegen großkalibrige Munition, Artilleriesplitter und deutlich stärkere Minenexplosionen. Dadurch lassen sich Fahrzeuge unterschiedlicher Gewichtsklassen und Einsatzzwecke miteinander vergleichen.

Unbemannte Variante soll schwere Brigaden unterstützen

Während Trackx ursprünglich als bemanntes Kettenfahrzeug entwickelt wurde, dient es nun als Grundlage für das neue UGV-Konzept, das auf der Eurosatory in Paris gezeigt wurde. Es soll künftig vor allem schwere Brigaden unterstützen und dabei Transportaufgaben für Munition, Versorgungsgüter, Ersatzteile oder andere Ausrüstung übernehmen. Laut Patria-Chef Panu Routila kann das Fahrzeug Nutzlasten von knapp fünf Tonnen transportieren. Dadurch ließen sich gefährliche Nachschubfahrten teilweise ohne Besatzung durchführen.

Patria Trackx
Patria

Die Entwicklung folgt einem Trend, der seit Beginn des Ukraine-Krieges deutlich an Bedeutung gewonnen hat. Zahlreiche Streitkräfte arbeiten inzwischen an unbemannten Bodenfahrzeugen, um Soldaten aus besonders gefährlichen Bereichen herauszuhalten und gleichzeitig Transport- sowie Unterstützungsaufgaben aufrechtzuerhalten.

Digitales Getriebe bildet das technische Herzstück

Eine zentrale Rolle spielt das neue HSWL-076-Getriebe von Renk. Das System wurde speziell für leichte Kettenfahrzeuge zwischen zehn und 20 Tonnen entwickelt und wiegt selbst rund 700 Kilogramm.

Besonders ist die vollständig digitale Architektur. Lenkung, Bremsen und Antrieb werden elektronisch gesteuert und nicht mehr ausschließlich mechanisch miteinander verbunden. Diese sogenannte Drive-by-Wire-Technologie schafft die Voraussetzung für Fernsteuerung und spätere autonome Funktionen. Nach Angaben von Renk wurde das Getriebe innerhalb von weniger als zwei Jahren entwickelt und nach militärischen Standards erprobt.

Zu den vorgesehenen Fähigkeiten gehören:

  • Fernsteuerung des Fahrzeugs
  • Platooning mit mehreren Fahrzeugen
  • Crew-Sharing-Konzepte
  • Teilautonome und spätere autonome Fahrfunktionen
  • Einsatz in bemannten und unbemannten Plattformen

Ein wesentlicher Vorteil besteht darin, dass diese Funktionen ohne grundlegende Änderungen an der Fahrzeugplattform integriert werden können.

Fazit