Motoren-Bauer „greift“ sich Rüstungskonzern: Darf Deutz jetzt FFG übernehmen?

Motoren-Bauer „greift“ sich Rüstungskonzern
Darf Deutz jetzt FFG übernehmen?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 31.07.2026
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FFG beschäftigt mehr als 1.100 Mitarbeiter und entwickelt, produziert, modernisiert sowie wartet militärische Ketten- und Radfahrzeuge. Zu den Kunden gehören die Bundeswehr, zahlreiche NATO-Staaten und inzwischen auch die Ukraine. Neben eigenen Fahrzeugentwicklungen zählt vor allem die Modernisierung bestehender Panzer und Spezialfahrzeuge zu den wichtigsten Geschäftsfeldern.

Diese Fahrzeuge baut FFG

PMMC G5

Der PMMC G5 (Protected Mission Module Carrier) ist die wichtigste Eigenentwicklung von FFG. Das gepanzerte Kettenfahrzeug wurde modular aufgebaut und kann als Mannschaftstransporter, Sanitätsfahrzeug, Führungsfahrzeug oder Logistikfahrzeug eingesetzt werden. Durch den hohen Schutz gegen Minen und Sprengfallen eignet sich die Plattform insbesondere für Einsätze in gefährlichen Einsatzgebieten.

Nutzer: Grundlage für das norwegische ACSV-Programm; Erprobung bei weiteren NATO-Staaten.

ACSV G5

Das ACSV G5 (Armoured Combat Support Vehicle) basiert auf dem PMMC G5 und wird in Serie für die norwegischen Streitkräfte gebaut. Die Plattform ist in mehr als 40 Varianten verfügbar, darunter als Sanitätsfahrzeug, Pionierfahrzeug, Führungsfahrzeug oder Mörserträger.

Nutzer: Norwegen, Schweden.

Wisent 2

Der Wisent 2 ist ein Berge- und Pionierpanzer auf Basis des Leopard 2. Er kann beschädigte Kampfpanzer bergen, Minen räumen, Hindernisse beseitigen oder Erdarbeiten durchführen. Das Fahrzeug lässt sich innerhalb kurzer Zeit zwischen Berge- und Pionierversion umrüsten.

Nutzer: Kanada, Norwegen, Ungarn, Dänemark sowie weitere NATO-Staaten.

Wisent 1

Der Wisent 1 ist der Vorgänger des Wisent 2 und basiert auf dem Leopard 1. Er übernimmt ebenfalls Berge- und Pionieraufgaben und wird vor allem von Staaten genutzt, die den Leopard 1 weiterhin im Bestand haben.

Nutzer: Belgien, Chile, Indonesien sowie weitere Leopard-1-Betreiber.

Genesis
FFG

M113 G4

Mit dem M113 G4 bietet FFG ein umfangreiches Modernisierungspaket für den weltweit verbreiteten Mannschaftstransportpanzer M113 an. Dazu gehören ein neuer Motor, ein verbessertes Fahrwerk sowie Anpassungen beim Schutz und an der Nutzlast. Ziel ist es, die Lebensdauer der Fahrzeuge deutlich zu verlängern.

Nutzer: Modernisierungslösungen für M113-Betreiber in Europa, Südamerika und Asien.

Genesis

Der Genesis ist kein Serienfahrzeug, sondern ein Technologieträger. Mit ihm erprobt FFG neue Fahrwerks- und Fahrzeugkonzepte für künftige militärische Kettenfahrzeuge.

Nutzer: Keine militärischen Betreiber, Demonstratorfahrzeug.

Modernisierung bestehender Panzer gehört zum Kerngeschäft

Neben eigenen Fahrzeugen erwirtschaftet FFG einen großen Teil seines Umsatzes mit der Modernisierung bestehender Militärfahrzeuge.

Dazu zählen unter anderem Kampfwertsteigerungen für Leopard-1- und Leopard-2-Panzer, Modernisierungspakete für den M113 sowie Wartung, Instandsetzung und Flottenmanagement für zahlreiche Fahrzeuge der Bundeswehr und internationaler Streitkräfte. Darüber hinaus fertigt das Unternehmen Komponenten für multinationale Rüstungsprogramme der NATO.

Entscheidung des Bundeskartellamtes (neu)

Deutz zahlt rund 1,6 Milliarden Euro für FFG. Ein Teil des Kaufpreises wird über neu ausgegebene Aktien finanziert. Die bisherigen Eigentümerfamilien der FFG sollen dadurch bis zu 29,9 Prozent an Deutz halten und künftig als Ankeraktionär auftreten.

Mit dem Zukauf will Deutz seine Defense-Sparte deutlich ausbauen. Nach Angaben des Unternehmens soll FFG operativ eigenständig bleiben und künftig den Kern des Verteidigungsgeschäfts bilden. Gemeinsam sollen militärische Fahrzeuge, Antriebssysteme und Energielösungen aus einer Hand angeboten werden.

Bisher stand noch die Zustimmung der Kartellbehörde aus, die liegt seit Freitag (31.7.2026) vor. Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes:

Die Übernahme von FFG durch Deutz ist wettbewerblich unproblematisch. Zwar stärkt Deutz damit seine Rüstungssparte, die Tätigkeitsbereiche beider Unternehmen überschneiden sich aber nicht. Außerdem spielt FFG als Abnehmer von Motoren bislang keine bedeutende Rolle, sodass für andere Motorenhersteller kein wesentlicher Abnehmer wegfällt.

Vom Motorenbauer zum Rüstungskonzern

Deutz wurde bereits 1864 gegründet und gilt als ältester Motorenhersteller der Welt. Das Unternehmen entwickelt und produziert Motoren für Bau- und Landmaschinen, Kräne, Hebebühnen, Gabelstapler, Schienenfahrzeuge sowie stationäre Stromerzeugungsanlagen. In den vergangenen Jahren kamen Generatoren, alternative Antriebssysteme und Energielösungen hinzu. Bereits vor der FFG-Übernahme war Deutz mit Motoren für militärische Fahrzeuge sowie durch den Kauf eines Drohnenzulieferers in den Verteidigungsmarkt eingestiegen.

Fazit