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Alles zur Debatte um den Namen des Jeep Cherokee

Debatte um Namen des Jeep Cherokee Konzernboss kann sich Umbenennung vorstellen

"Es ist an der Zeit": Das Oberhaupt der Cherokee Nation, Chuck Hoskin, Jr., forderte Jeep dazu auf, die Namen der SUV-Modelle zu ändern. Der Hersteller lehnt das ab, aber der Chef des Stellantis-Konzerns, Carlos Tavares, geht nun einen Schritt auf die Ureinwohner zu.

Seit mehr als 45 Jahren verwenden Jeep beziehungsweise das Vorgänger-Unternehmen AMC die Modellbezeichnung Cherokee. Das wird auch vorerst so bleiben. Wie Chuck Hoskin, Jr., das Oberhaupt der souveränen Stammesregierung Cherokee Nation, dem Branchenmagazin "Automotive News" bestätigte, lehnte es der Autohersteller zuletzt "höflich" ab, seiner Bitte nachzukommen und die SUV-Baureihen umzubenennen.

Tavares will "Problem lösen"

Allerdings ist inzwischen höchst fraglich, dass der Jeep Cherokee und Grand Cherokee noch lange so heißen. Denn nun hat sich der Konzernboss höchstpersönlich zu der Debatte geäußert. "Zu diesem Zeitpunkt weiß ich nicht, ob es ein wirkliches Problem gibt", wird Carlos Tavares, der Chef der Jeep-Konzernmutter Stellantis, vom "Wall Street Journal" zitiert. "Aber wenn es eines gibt, dann werden wir es natürlich lösen."

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Hans-Dieter Seufert
In die Debatte um die Modellbezeichnung Cherokee hat sich nun sogar Stellantis-Konzernchef Carlos Tavares eingeschaltet.

Damit geht Tavares einen Schritt auf die Cherokee Nation zu. Und agiert damit anders als die Jeep-Manager, welche die Modellbezeichnung zuvor stets verteidigt hatten. In einer zuvor beim US-Magazin "Car and Driver" veröffentlichten Stellungnahme der Geländewagen-Marke hieß es: "Unsere Fahrzeugnamen wurden über die Jahre sorgfältig ausgewählt und gepflegt, um die amerikanischen Ureinwohner für ihren Adel, ihre Fähigkeiten und ihren Stolz zu ehren und zu feiern."

Kultureller Kitsch – mindestens

Zuvor hatte "Car and Driver" die Diskussion über die Modellbezeichnung angestoßen. Die Website der Fachzeitschrift fragte Hoskin nach seiner Haltung zu diesem Autonamen und zitierte ihn mit den Worten: "Ich bin mir sicher, dass es gut gemeint ist, aber es ehrt uns nicht, wenn unser Name auf die Seite eines Autos geklebt wird." Es sei an der Zeit, dass Jeep den Namen nicht mehr verwende. Ergo: Jeep solle sich andere Modellbezeichnungen für die Baureihen Cherokee und Grand Cherokee suchen.

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Stellantis
Jeep führte die Modellbezeichnung Cherokee in den mittleren Siebzigerjahren ein.

Es geht dabei natürlich nicht nur um Autonamen; die Debatte muss in einem deutlich größeren Kontext gesehen werden. Im Windschatten der stetig erstarkenden "Black lives matter"-Bewegung geraten nicht nur die Belange der dunkelhäutigen US-Bevölkerung, sondern auch jene anderer Minderheiten stärker in den Fokus. Vor allem die systematische Diskriminierung dieser Bevölkerungsgruppen, als deren Ausdruck viele Menschen auch Bezeichnungen mit indianischer Abstammung sehen. Selbst wenn diese nicht rassistisch gemeint seien, dann sind sie in den Augen Vieler zumindest kultureller Kitsch, der nicht mehr in die Zeit passe, sagen Experten.

Profisport-Teams wurden umbenannt

Vor allem der US-Sport wurde in jüngerer Vergangenheit immer wieder mit dieser Bewegung konfrontiert. Die Kritik, ihre Teamnamen seien rassistisch, zielte auf traditionsreiche Mannschaften zweier Profiligen ab, und sie zeigte Wirkung: Das Baseball-Team der Cleveland Indians legte zuerst sein Logo ab und wird zur neuen Saison unter einem anderen Namen antreten. Auch die NFL-Truppe aus Washington verzichtet seit letztem Sommer auf ihren bisherigen Namen Redskins und trat in der vergangenen Saison als Washington Football Team an. Nach ihrem endgültigen Spitznamen fahndet die Mannschaft aus der US-Hauptstadt derzeit aber noch.

Jeep Cherokee 2018 Fahrbericht
Jeep
2013 kehrte der Jeep Cherokee nach Nordamerika zurück. Zuvor hieß die Baureihe dort Liberty.

"Ich denke, wir befinden uns in einer Zeit, in der es sowohl für Unternehmen als auch für den Mannschaftssport an der Zeit ist, die Verwendung von indianischen Namen, Bildern und Maskottchen aus ihren Produkten, Trikots und dem Sport im Allgemeinen zu verbannen", sagt Chuck Hoskin, Jr., in seiner Erklärung. Schon in einem früheren Gespräch mit dem "Wall Street Journal" hatte er die Hoffnung geäußert, dass "die Bewegung weg von der Verwendung von Stammesnamen und -darstellungen oder dem Verkauf von Produkten ohne unsere Zustimmung weitergeht".

Jeep Cherokee hieß zwischenzeitlich Liberty

Das Jeep-Vorgängerunternehmen American Motors Corporation (AMC) verwendete die Modellbezeichnung erstmals 1975 beim zweitürigen Cherokee SJ und führte sie in den Achtzigerjahren mit dem kantigen XJ weiter. 1993 – AMC wurde inzwischen vom Chrysler-Konzern geschluckt, der Jeep als seine Geländewagenmarke positionierte – kam zusätzlich der größere Grand Cherokee auf den Markt, der auf dem nordamerikanischen Markt seitdem kontinuierlich seinen Namen trägt. Anders als die etwas kleinere Baureihe, die dort zwischenzeitlich Liberty hieß, 2013 jedoch zu ihrem ursprünglichen Namen zurückfand. Dieser wird heute deutlich intensiver debattiert als damals. Seinerzeit hieß es, die Cherokee Nation sei vor der Wiedereinführung des Namens nicht von Jeep konsultiert worden, habe aber auch keine grundsätzliche Haltung dazu gehabt. Das hat sich offensichtlich geändert.

Nachdem Hoskin zufolge mehrere Jahre Funkstille herrschte, stehen die Cherokee Nation und Jeep seit vergangenem Sommer erneut im Dialog. Dies bestätigt auch Stellantis-Chef Carlos Tavares. Wie Hoskin anmerkt, sei Jeep damals zwar proaktiv auf die Ureinwohner zugekommen, habe aber dennoch am Autonamen festgehalten, obwohl die Cherokee Nation dafür nicht den Segen erteilt hatte. "Aber sie haben die Tür für weitere Diskussionen offen gelassen, und das haben wir auch", sagt Chuck Hoskin, Jr., bei "Automotive News".

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Fazit

In vielen Ecken der Welt, besonders aber in den USA, ist gesellschaftlich einiges in Bewegung geraten. Diese Entwicklung hat längst die Autoindustrie erreicht, wenn auch selten so offensichtlich, wie sich nun an der Diskussion um den Namen der Jeep-Modelle zeigt. Dass sich die Marke mit einer Umbenennung schwertut, ist verständlich, schließlich handelt es sich beim Cherokee und Grand Cherokee um zwei der absatzstärksten Baureihen des Herstellers. Zudem steht mit dem Grand Cherokee L eine neuer, als besonders gewinnbringend eingestufter Jeep in den Startlöchern. Am Ende könnte ein Machtwort des Konzernchefs Carlos Tavares dafür sorgen, dass die Modelle trotz allem neue Namen erhalten.

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