Panzer-Farce um den M113 in der Schweiz: Erst Fahrverbote, jetzt Schrittgeschwindigkeit

Panzer-Farce um den M113 in der Schweiz
Erst Fahrverbote, jetzt Schrittgeschwindigkeit

ArtikeldatumVeröffentlicht am 11.07.2026
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M113 Schweiz
Foto: ullstein bild Dtl. via Getty Images

Nach einem ersten Fahrverbot Ende 2023 musste die Armee im Februar 2026 erneut die komplette Flotte stilllegen. Die Ursachen reichen von Verschleiß über Ersatzteilprobleme bis hin zu mutmaßlichen Fehlern bei Instandsetzungsarbeiten.

Die erneute Stilllegung trifft die Schweizer Streitkräfte erheblich. Betroffen sind sämtliche 238 noch eingesetzten M113. Während die Fahrzeuge nach dem ersten Grounding wegen Problemen an der Antriebswelle fast zwei Jahre lang überarbeitet wurden, folgte nur wenige Wochen nach ihrer Rückkehr in den Dienst bereits der nächste Rückschlag. Diesmal entdeckten Techniker bei Wartungsarbeiten Schäden am Seitenantrieb. Im schlimmsten Fall könnten die Fahrzeuge ihre Lenk- und Bremsfähigkeit verlieren. Die vollständige Instandsetzung der Flotte wird nach Angaben der Armee voraussichtlich bis zum dritten Quartal 2027 dauern.

Fahrten nur im Schritttempo und mit Begleitperson

Zwar wurden inzwischen wieder einige Dutzend Fahrzeuge für den Ausbildungsbetrieb freigegeben, viele davon dürfen jedoch nur unter erheblichen Einschränkungen bewegt werden. Teilweise ist lediglich Schrittgeschwindigkeit erlaubt, bei einzelnen Fahrten muss aus Sicherheitsgründen sogar eine Führungsperson vor dem Fahrzeug herlaufen. Andere M113 werden zu Übungen lediglich an ihren Einsatzort transportiert und dort nicht mehr bewegt.

Dass die Probleme inzwischen offenbar über den normalen Verschleiß eines mehr als 60 Jahre alten Fahrzeugs hinausgehen, zeigen die aktuellen Untersuchungen. Die Schweizer Armee erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur SDA, dass bei Instandhaltungsarbeiten Metallpartikel im Öl entdeckt worden seien. Als Ursache gelten nach bisherigem Stand unter anderem ein fehlerhaftes Zylinderrollenlager sowie nicht spezifikationskonforme Lagerdeckel aus einer vorherigen Revision. Zudem habe auch verwendete Dichtmasse zu den Schäden beigetragen. Die bundeseigene Ruag, die für Instandhaltungsarbeiten verantwortlich ist, weist einen fehlerhaften Einbau von Bauteilen jedoch zurück.

Was ist die Ruag?Die Ruag ist ein bundeseigener Schweizer Rüstungskonzern und einer der wichtigsten Industriepartner der Schweizer Armee. Das Unternehmen übernimmt unter anderem die Wartung und Instandsetzung von Panzern, Flugzeugen und weiterer militärischer Ausrüstung.

Ruag steht ursprünglich für RüstungsUnternehmen AktienGesellschaft. Der Name entstand bei der Gründung des bundeseigenen Schweizer Rüstungskonzerns im Jahr 1998 durch die Zusammenführung mehrerer Rüstungsbetriebe des Bundes. Heute wird die Abkürzung als Eigenname verwendet und nicht mehr ausgeschrieben.

Warum der Seitenantrieb so kritisch ist

Bei Kettenfahrzeugen erfolgt die Lenkung nicht über einschlagende Räder, sondern über die Antriebskraft der beiden Ketten. Der Seitenantrieb zählt deshalb zu den sicherheitsrelevanten Baugruppen des M113. Er überträgt die Kraft auf die Ketten und ermöglicht durch unterschiedliche Drehzahlen das Lenken des Fahrzeugs.

Schäden in diesem Bereich wirken sich unmittelbar auf die Fahrkontrolle aus. Treten Lager- oder Getriebeschäden auf, können sich diese innerhalb des Antriebssystems ausbreiten und im Extremfall die sichere Steuerung des Fahrzeugs beeinträchtigen. Aus diesem Grund reagierte die Schweizer Armee auf die entdeckten Schäden mit einem vorsorglichen Fahrverbot für die gesamte Flotte.

Der M113 – ein legendärer Oldtimer

Der M113 zählt zu den erfolgreichsten gepanzerten Transportfahrzeugen der Nachkriegszeit. Entwickelt wurde das Fahrzeug Ende der 1950er-Jahre in den USA, die Serienfertigung begann 1960. Die Schweiz beschaffte ihre ersten Fahrzeuge bereits 1963 und nutzt den Typ bis heute in zahlreichen Varianten, unter anderem als Mannschaftstransporter, Führungsfahrzeug sowie als Trägerfahrzeug für verschiedene Waffensysteme.

Ersatz kommt erst schrittweise

Ein Nachfolger für den M113 ist zwar vorgesehen, die Einführung neuer Fahrzeuge erfolgt jedoch schrittweise über mehrere Rüstungsprogramme. Bis diese vollständig verfügbar sind, bleibt der Schützenpanzer trotz seines Alters ein unverzichtbarer Bestandteil der Schweizer Bodentruppen.

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