Paris soll autofrei werden
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Paris en Commun
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Verkehrswende in Paris

Autos raus, Parks statt Parkplätze

Anne Hidalgo will 2020 als Bürgermeisterin von Paris wiedergewählt werden und setzt dabei auf einen radikalen Umbau der Stadt: Fußgänger und Radfahrer haben grundsätzliche Vorfahrt. Platz für Autos gibt es praktisch nicht mehr.

Anne Hidalgo will 2020 als Bürgermeisterin von Paris wiedergewählt werden und setzt dabei auf einen radikalen Umbau der Stadt: Fußgänger und Radfahrer haben grundsätzliche Vorfahrt. Platz für Autos gibt es praktisch nicht mehr.

Während wir in Deutschland mit dem Thema Verkehrswende noch nachhaltig fremdeln, nimmt die Sache global langsam konkrete Formen an. Nicht nur in China werden „neue“ Megacities von Beginn an mehr oder weniger autofrei geplant, auch in Europa versuchen mehr und mehr Städte, den knappen Straßenraum für ihre Bürger zurückzuerobern. Und eigentlich immer geht das zu Lasten der Autos. Das ist auch in Paris nicht anders, wo Bürgermeisterin Anne Hidalgo seit 2014 alles daran setzt, den Verkehr aus der Hauptstadt zu bekommen.

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Die Fahrrad-Stadt: Bis 2024 sollen alle Straßen in Paris mit Radwegen ausgestattet sein, jede Brücke bekommt gesicherte Radstreifen.

Hidalgo hat ein Ufer der Seine für Autos sperren lassen und gleichzeitig dem Ausbau von Fahrradwegen höchste Priorität eingeräumt. Mit bereits jetzt spürbaren Folgen für den Verkehr: Laut dem französischen Wirtschaftsmagazin L’Usine Nouvelle ist die Nutzung des Autos in Paris erstmals seit 1940 zurückgegangen, obwohl die Radwege-Infrastruktur noch große Lücken aufweist. In einem nächsten Schritt soll deshalb bis 2024 jede Straße in der französischen Hauptstadt einen Radweg bekommen und alle Brücken über geschützte Radwege verfügen.

Parks statt Parkplätze

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Lebensraum statt Kreuzung: Im Konzept Hidalgos steht die Lebensqualität der Bürger im Mittelpunkt.

Das ist aber nur der Anfang. Zentrales Motiv der Hidalgo-Kampagne: Paris soll die „Stadt der 15 Minuten werden“, eine „Ville Du Quart D’Heure“. Heißt: Alle Bürger sollen innerhalb von 15 Minuten alles erreichen können, was man im Alltag braucht – ohne Auto, versteht sich. Die Pläne basieren auf dem Konzept der „segmentierten Stadt“ von Professor Carlos Moreno, der an der Sorbonne-Universität unterrichtet. Dafür sollen die größten Verkehrswege weitgehend für Kraftfahrzeuge gesperrt werden.

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Die "Stadt der 15 Minuten": Alles, was man als Paris braucht, soll innerhalb von 15 Minuten erreichbar sein. Ohne Auto, versteht sich!

Die so freiwerdenden Flächen werden dann für die Bürger umgestaltet. Abwechslungsreich gestaltete Fußgängerzonen sollen entstehen, mit Grünflächen, Gemüsegärten und Spielplätzen. Geht es nach den Plänen Hidalgos, dann werden dabei auch 72 Prozent der öffentlichen Parkplätze in Paris unter die Räder kommen, das wären 60.000 Stück. Ein Zusammenbrechen der innerstädtischen Versorgung befürchtet in Hidalgos Wahlkampfteam niemand: Kleine elektrischen Lastkarren und elektrisch unterstützte Lastenräder sollen die Hauptarbeit machen. Ein Szenario, das sich in Asien bewährt habe.

Auch E-Autos müssen raus

Elektroautos sind für Hidalgo übrigens kein Teil der Verkehrswende. Sie benötigen den gleichen Platz wie Kraftfahrzeuge mit Verbrennungsmotoren und werden im Paris der Zukunft nicht bevorzugt behandelt. Es gilt: Egal welcher Antrieb, das Auto soll in Paris das langsamste Verkehrsmittel werden.

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Fazit

Wer mag, kann Anne Hidalgos Pläne gerne radikal nennen. Wahrscheinlich sind sie aber vor allem alternativlos. Wie praktisch alle großen Metropolen hat auch Paris ein Platzproblem. Der Siegeszug des Autos im 20. Jahrhundert hat das Gleichgewicht im öffentlichen Raum in Richtung Kraftfahrzeug verschoben. Das versuchen die Stadtplaner nicht nur in Paris zu korrigieren. Wobei es nicht einseitig darum geht, den Verkehr zu reduzieren, sondern gleichzeitig die Stadt als Lebensraum für alle aufzuwerten. Spannend: Natürlich ist Anne Hidalgo in Paris nicht unumstritten. Allerdings plant keiner ihrer Mitbewerber ums Amt der Bürgermeisterin ernsthaft, die bereits getroffenen Maßnahmen rückgängig zu machen.

Ganz egal, wie man zu den tiefgreifenden Plänen der aktuellen Bürgermeisterin von Paris steht: Genau so eine Diskussion fehlt uns in Deutschland. Weil sie den Menschen in den Mittelpunkt der Verkehrswende stellt und Raum schafft, für kreative Lösungen.