Minus 10 Prozent bei Porsche: Wie viel Absatz kostet das Verbrenner-Aus beim Macan?

Porsches Auslieferungen 2025
Was das Verbrenner-Aus beim Macan Absatz kostet

ArtikeldatumVeröffentlicht am 19.01.2026
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279.449 Fahrzeuge hat Porsche 2025 ausgeliefert. Im Vorjahreszeitraum waren es 310.718, ein Rückgang von zehn Prozent, wie der Sportwagenbauer gleich zu Beginn seiner Meldung einräumt.

Nach mehreren Rekordjahren liege man 2025 unter dem Vorjahresniveau. Gründe hat der Porsche auch gleich zur Hand: "Diese Entwicklung entspricht unseren Erwartungen und ist auf Angebotslücken beim 718 und Macan Verbrenner, die anhaltend schwächere Nachfrage nach exklusiven Produkten in China sowie unsere wertorientierte Angebotssteuerung zurückzuführen", so Matthias Becker, Vorstand für Vertrieb und Marketing von Porsche.

"Wertorientierte Angebotssteuerung" dürfte heißen, dass man lieber renditestarke Modelle verkauft, als besonders viele. Das darf man bei einem Sportwagenhersteller allerdings noch mehr als selbstverständliche Geschäftsstrategie voraussetzen als bei einem Volumenhersteller.

Problem China oder Porsche-Problem?

Ob für das Absatzminus von 26 Prozent in China wirklich die schwächere Nachfrage nach exklusiven Produkten oder die nach Porsche-Modellen (speziell elektrischen) entscheidend ist, lässt sich nicht ohne Weiteres belegen. Aber allein die Tatsache, dass der Taycan-Absatz insgesamt um 22 Prozent nachgab und er preislich in der Luxusliga spielt, legt nahe, dass vor allem das E-Auto-Angebot von Porsche nur bedingt konkurrenzfähig ist: Neuzulassungsanteil und das Angebot von E-Autos steigen stark, aber "Konkurrenten" des Taycan in China wie der Xiaomi SU7 etwa kosten nur ein Drittel. Passend dazu war der Absatz in Nordamerika trotz der Trump-Zölle stabil – dort gibt es nicht nur keine Autos aus China, sondern angesichts des lange erworbenen Nimbus der Marke auch insgesamt weniger Konkurrenz.

Bleibt noch Europa, zusammen mit Deutschland der größte Markt für Porsche. Dort konnten die Zuffenhausener 2024 noch 111.751 Autos an Kunden ausliefern, 2025 nur mehr 96.308. Das entspricht einem Minus von 14 Prozent. O-Ton Porsche: "Ursache für den Rückgang in beiden Regionen sind unter anderem Angebotslücken beim 718 und Macan Verbrenner aufgrund von EU-Vorschriften zur Cybersicherheit". Das stimmt und ist doch nicht richtig. Zwar hat Porsche selbst damit die Angebotslücken im Verbrenner-Portfolio als (nicht alleinige) Ursache für einen Absatzrückgang von rund 5 Prozent benannt. Das ist die Hälfte des Gesamtminus.

Verbrenner-Aus beim Macan – eine Porsche-Entscheidung

Aber die Ursache der Angebotslücke sind nur vordergründig die Vorschriften zur Cybersicherheit. Dass Porsche die Verbrenner-Pendant in den EU-Märkten bewusst hat sterben lassen, zeigt zumindest der technisch verwandte Audi Q5. Der Bestseller kam 2024 in neuer Generation auf den Markt und ist seitdem natürlich cybersicher. Schwer zu sagen, wie teuer die Ableitung eines Macan davon (wie beim Vorgänger) geworden wäre.

Auch der Effekt der Entscheidung ist schwer zu taxieren. Denn vom "Macan wurden 84.328 Fahrzeuge in Kundenhand übergeben (+2 Prozent)". Auf die vollelektrische Variante (siehe Bildergalerie) entfallen zwar mehr als die Hälfte davon (45.367 Fahrzeuge). Damit ist der Macan zwar die bestverkaufte Porsche-Baureihe.

Wie viele Kunden wollen einen Macan mit Benziner?

Aber in den meisten Märkten außerhalb der EU bietet Porsche weiterhin den Macan mit Verbrennungsmotor an – und lieferte von ihm 38.961 Stück aus. Preisfrage bleibt also: Wie viele EU-Kunden hätten den Verbrenner gekauft, wenn sie gekonnt hätten.

Hätte, hätte, Fahrradkette. Ex-Porsche-Chef Oliver Blume hat zum Abschied zugegeben, dass die Einstellung des Verbrenner-Macan ein Fehler war. Den will man zwar korrigieren, aber das dauert – womöglich so lang, bis die Verbrenner-Konjunktur endgültig entscheidend nachlässt: Im Herbst 2025 hat Oliver Blume offiziell bestätigt, dass Porsche nach dem Generationswechsel des Macan einen neuen SUV im Macan-Format mit Verbrennungsmotoren und Plug-in-Hybrid-Antrieben entwickeln wird. Die Modelle kommen aber wohl nicht vor 2030.

Auch Cayman und Boxster wieder mit Verbrenner

Beim 718 sind die Folgen der Angebotslücke leichter zu ermessen, denn die Produktion der Baureihe hat Porsche im Oktober ganz eingestellt – ohne den elektrischen Nachfolger zu präsentieren. Bis dahin lieferten die Schwaben 18.612 Boxster und Cayman aus. Das sind 21 Prozent bzw. knapp 5.000 Stück weniger als im Vorjahr. Auch hier hat Porsche reagiert: Den neuen 718 soll es entgegen ursprünglicher Planungen wieder mit soundstarken Verbrennungsmotoren geben. Wann, ist noch nicht so recht klar.

Dass Porsche die aktuelle Angebotslücke nicht wenigstens mit der seit Jahren als Erlkönig herumfahrenden E-Version schließt, könnte auf ein auch beim Macan aufgetretenes Problem hinweisen: Der Serienstart des elektrischen SUV verzögerte sich wegen Software-Problemen.

Fazit