Der Ford F-150 steht wie kaum ein anderes Modell für den US-Automarkt – und gerade deshalb zeigt er die aktuellen Probleme in der Lieferkette besonders deutlich. Händler berichten von dünneren Beständen, Ford kalkuliert deutlich höhere Rohstoffkosten, und ein zentraler Zulieferer fährt seine Produktion nur langsam wieder hoch. Gleichzeitig treiben geopolitische Risiken und Handelspolitik den Aluminiumpreis in den USA nach oben.
Drei Faktoren setzen den Markt unter Druck
1) Krieg treibt Preise und stört Lieferwege
Der Iran-Krieg verteuert Aluminium, weil er Lieferungen aus der Golfregion erschwert. Laut Wall Street Journal (WSJ) kommt rund ein Fünftel des in den USA verbrauchten Aluminiums aus Ländern am Persischen Golf. Wenn dieser Zufluss stockt, reagiert der Markt sofort – über Preise und über Verfügbarkeit.
2) 50-Prozent-Zoll verteuert Aluminium in den USA massiv
Der zweite Preistreiber kommt aus der Handelspolitik: ein US-Zoll von 50 Prozent auf Aluminium. Laut WSJ zahlen Käufer den Tarif unabhängig vom Ursprung des Metalls, auch bei Importen aus Kanada. S&P Global Energy beziffert den Effekt drastisch: Bei einem globalen Aluminiumpreis von rund 3.500 Dollar pro Tonne steigen die US-Kosten inklusive Zoll und lieferbezogener Aufschläge auf etwa 6.100 Dollar (aktuell umgerechnet zirka 5.190 Euro) – nach 3.220 Dollar (2.740 Euro) ein Jahr zuvor.
3) Lieferantenausfall: Brände bei Novelis treffen Ford
Ford hängt beim Materialfluss stark am Aluminumkonzern Novelis (gegründet in den USA, heute Aditya Birla Group/Indien). Mehrere Brände im Herbst legten den Betrieb im Werk Oswego (New York) zeitweise lahm und drückten Fords Ergebnis laut WSJ um 2 Milliarden Dollar (1,7 Milliarden Euro) beim "adjusted profit" (bereinigter Gewinn). Ford erwartet den Neustart einer Walzlinie im Mai; Novelis hatte zuvor Ende Juni angepeilt. Der Hochlauf erfolgt schrittweise und füllt Lager nicht über Nacht.
Warum es Ford besonders trifft
Ford stellte den F-150 bereits 2014 von Stahl auf eine Aluminium-Außenhaut um. Damals zielte die Umstellung vor allem auf Gewicht und Verbrauch; Ford wuchs damit zum größten Aluminiumkäufer der Branche. In Zeiten heftig schwankender Aluminiumpreise ist diese Abhängigkeit ein Hebel, der Preissprünge und Engpässe besonders hart in die Bilanz drückt. Auf der Kostenseite hat Ford die Erwartungen bereits nach oben korrigiert: Das Unternehmen verdoppelte seine Prognose für Rohstoffkosten von 1 auf 2 Milliarden Dollar (0,85 auf 1,7 Milliarden Euro) – laut WSJ vor allem wegen Aluminium.
Was Händler schon merken
Beim Materialproblem bleibt es nicht in der Bilanz. Ein Ford-Händler aus Texas berichtet im WSJ von einem F-150-Bestand, der für etwa 42 Tage reichen dürfte – üblich seien 60 Tage. Für ihn zählt vor allem der Sommer, weil dann Pick-ups besonders gut laufen; die nächsten 90 Tage bewertet er als kritisch.

Der Ford F-150, hier ein F-150 Raptor, gehört seit Jahrzehnten zu den bestverkauften Autos in den USA. Jetzt hat Ford aufgrund von Aluminiummangel große Schwierigkeiten, den Bestseller herzustellen.
Ford sucht Entlastung – in Lieferkette und Politik
Ford verweist auf zusätzliche Bezugsquellen und Notfallpläne, damit Werke weiterlaufen. Gleichzeitig versucht der Hersteller, an der Zollschraube zu drehen: Laut WSJ bat Ford die Trump-Administration um eine Aussetzung des 50-Prozent-Zolls, bis das Novelis-Werk wieder voll produziert. Eine Zusage liegt demnach bisher nicht vor.
Trifft es nur Ford? Nein – Aluminium ist ein Branchenthema
Auch andere Hersteller nennen Aluminiumkosten inzwischen offen als Thema, etwa Rivian-Chef RJ Scaringe in einer Telefonkonferenz. Die Branche verbrauchte in Nordamerika laut der Rohstoff- und Metallmarkt-Analysefirma CRU im vergangenen Jahr 3,7 Millionen Tonnen Aluminium – fast 30 Prozent mehr als 2020. Wenn Preis, Zoll und Ausfälle gleichzeitig wirken, trifft es deshalb weit mehr als nur einen Pick-up.
Kommt die Rückkehr zu Stahl?
Stahlhersteller Cleveland-Cliffs sieht laut WSJ den richtigen Zeitpunkt, Aluminium durch Stahl zu ersetzen. Andere widersprechen: Steel Dynamics sieht keinen breiten Wechsel, weil Umkonstruktion und Umrüstung teuer sind und langsam laufen. Für Ford gilt das besonders stark, weil die F-150-Struktur auf Aluminium ausgelegt ist und ein Materialwechsel tief in die Konstruktion greift.





