Sie soll künftig für die militärischen 4×4-, 6×6- und 8×8-Versionen (siehe Bildergalerie) des Herstellers erhältlich sein. Die eigentliche Neuerung ist dabei nicht die Panzerung selbst, sondern ihre Integration. Erstmals liefert Scania eine geschützte Kabine direkt ab Werk und macht sie zu einem festen Bestandteil seiner bestehenden Militär-Lkw.
Bisher wurden geschützte Fahrerhäuser häufig von Spezialfirmen entwickelt und nachträglich auf Serienfahrzeuge montiert, oder es kamen eigenständige Militärplattformen zum Einsatz. Scania verfolgt nun einen anderen Ansatz. Die Protected Cab wurde innerhalb des eigenen modularen Fahrzeugkonzepts entwickelt und wird in die reguläre Produktion integriert. Fahrgestell, Antrieb, Elektronik und große Teile der Fahrzeugtechnik bleiben dabei unverändert.
Was die neue Schutzkabine bietet
Die Protected Cab ist ausschließlich für Scania-Militärfahrzeuge mit den bekannten Reihensechszylinder und V8-Dieselmotoren vorgesehen. Je nach Fahrzeug reichen die Leistungen von rund 370 bis über 600 PS. Sie erfüllt den NATO-Standard STANAG 4569 in den Schutzstufen eins bis drei. Für besonders stark gepanzerte Minenschutzfahrzeuge oder Gefechtsfahrzeuge ist die Kabine dagegen nicht geeignet.
Was bedeutet STANAG 4569?STANAG 4569 ist ein NATO-Standard, der den Schutz militärischer Fahrzeuge gegen Beschuss, Splitter, Minen und Explosionen festlegt. Je höher die Schutzstufe, desto widerstandsfähiger ist das Fahrzeug. Level eins schützt unter anderem vor Standardgewehrmunition und Splittern, während Level drei zusätzlich Schutz gegen panzerbrechende 7,62-Millimeter-Hartkernmunition sowie stärkere Explosionen unter dem Fahrzeug bietet.
Die Schutzkabine wird in Schweden gefertigt und anschließend zusammen mit den übrigen Militär-Lkw des Herstellers montiert. Fahrerarbeitsplatz, Bedienelemente und zahlreiche technische Komponenten sind identisch mit den übrigen Fahrzeugen der Baureihe. Auch Wartung und Ersatzteilversorgung erfolgen über dieselben Strukturen. Geschützte und ungepanzerte Fahrzeuge können dadurch innerhalb einer Flotte auf derselben technischen Basis betrieben werden. Das vereinfacht die Ausbildung von Fahrern und Werkstattpersonal sowie die Bevorratung von Ersatzteilen.
Ein weiteres Detail betrifft die strategische Mobilität. So erfüllen die Fahrzeuge das europäische UIC-GA-Lichtraumprofil. Dadurch lassen sie sich einfacher auf Eisenbahnwagen verladen und über das europäische Schienennetz transportieren.
Für diese Einsätze wurde die Protected Cab entwickelt
Die neue Schutzkabine richtet sich an Fahrzeuge, die täglich Material und Personal transportieren. Dazu gehören unter anderem Nachschubfahrzeuge, Tankwagen, Werkstattfahrzeuge, Bergefahrzeuge, Containertransporter oder Pionierfahrzeuge.
Gerade diese Fahrzeugklasse hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Erfahrungen aus dem Krieg in der Ukraine zeigen, dass auch Logistikfahrzeuge zunehmend Ziel von Drohnen, Artillerie oder Hinterhalten werden. Viele Streitkräfte investieren deshalb verstärkt in geschützte Transportfahrzeuge, ohne auf die Nutzlast klassischer Militär-Lkw verzichten zu müssen.
Scania bietet deutlich mehr als Transport-Lkw
Scania ist vor allem als Hersteller schwerer Lastwagen für den Straßengüterverkehr bekannt. Weniger bekannt ist, dass das Unternehmen seit mehr als 110 Jahren Fahrzeuge und Motoren für militärische Anwendungen entwickelt und heute mehrere NATO-Staaten sowie weitere verbündete Länder beliefert.
Zum Militärprogramm gehören klassische Transportfahrzeuge ebenso wie Tankwagen, Werkstattfahrzeuge, Schwerlastzugmaschinen und Fahrgestelle für Spezialaufbauten. Darüber hinaus liefert Scania Motoren für gepanzerte Rad- und Kettenfahrzeuge sowie für Marineanwendungen. Nach Unternehmensangaben kommen Scania-Aggregate unter anderem im Schützenpanzer CV90, im Patria AMV und in Fahrzeugen der Mowag-Piranha-Familie zum Einsatz.
Mit der neuen Protected Cab erweitert Scania sein Angebot in einem Markt, der in Europa zunehmend an Bedeutung gewinnt. Zu den wichtigsten Wettbewerbern gehören Rheinmetall mit der HX-Familie, Mercedes-Benz Special Trucks mit dem Zetros und Arocs, Iveco Defence Vehicles sowie Tatra.





