Der Ersatzneubau soll die inzwischen stark sanierungsbedürftige bestehende Brücke ablösen, die täglich von rund 32.000 Fahrzeugen genutzt wird. Gleichzeitig soll das neue Bauwerk deutlich höher werden, um auch künftigen Generationen von Großcontainerschiffen die Durchfahrt zu ermöglichen.
Die Köhlbrandbrücke verbindet seit 1974 die Hafenbereiche auf beiden Seiten des Köhlbrands und gilt als eine der wichtigsten Verkehrsachsen des Hamburger Hafens. In den vergangenen Jahren haben jedoch zunehmende Schäden an Stahl- und Betonteilen zu immer höheren Instandhaltungskosten geführt. Seit Mai 2026 dürfen zudem Schwertransporte mit mehr als 44 Tonnen die Brücke nicht mehr nutzen.
Neubau wird deutlich größer als das heutige Bauwerk
Der nun ausgewählte Entwurf stammt von einer Arbeitsgemeinschaft der Ingenieur- und Architekturbüros sbp, Grassl, WTM Engineers, gmp und PPL. Optisch orientiert sich die neue Brücke an ihrem Vorgänger. Zwei markante Pylone und eine Schrägseilkonstruktion bleiben erhalten, allerdings in einer technisch und gestalterisch modernisierten Form.
Besonders auffällig ist die größere Höhe. Die Fahrbahn wird künftig 73,5 Meter über dem Köhlbrand liegen und damit rund 20 Meter höher als heute. Dadurch sollen auch künftig größere Container- und Spezialschiffe die dahinterliegenden Hafenbereiche erreichen können.
Die höhere Durchfahrtshöhe hat jedoch Auswirkungen auf die Dimensionen des Gesamtprojekts. Die Zufahrtsrampen auf beiden Seiten müssen länger ausfallen, wodurch die gesamte Brücke auf rund fünf Kilometer Länge anwächst.
Sensoren sollen Schäden frühzeitig erkennen
Anders als beim Bestandsbau soll die neue Brücke umfangreiche digitale Überwachungstechnik erhalten. Hunderte Sensoren sollen dauerhaft den Zustand wichtiger Bauteile überwachen und mögliche Schäden frühzeitig erkennen.
Nach Angaben der Planer soll das Bauwerk für eine Nutzungsdauer von rund 100 Jahren ausgelegt werden. Gleichzeitig wird ein geringerer Wartungsaufwand angestrebt als bei der bestehenden Brücke.
Hamburger Hafen soll für größere Schiffe gerüstet werden
Die steigenden Anforderungen der internationalen Schifffahrt gelten als einer der Hauptgründe für den Neubau. Die heutige Brücke wurde für deutlich kleinere Schiffe und geringere Verkehrsbelastungen geplant. Inzwischen passieren wesentlich größere Containerschiffe die Elbe, während gleichzeitig die Belastung durch den Hafenverkehr kontinuierlich gestiegen ist.
Nach Angaben des Senats soll die neue Brücke deshalb nicht nur den Straßenverkehr sichern, sondern auch die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Hamburger Hafens unterstützen. Die größere Durchfahrtshöhe orientiert sich an internationalen Hafenstandards.
Kosten bleiben bei 5,3 Milliarden Euro
Für das Projekt sind derzeit Kosten von rund 5,3 Milliarden Euro vorgesehen. Hamburg geht nach aktuellem Stand davon aus, diesen Kostenrahmen einhalten zu können. Der Bund soll etwa die Hälfte der Netto-Baukosten übernehmen.
Die Hamburgische Bürgerschaft hatte dem Neubau bereits im Juni 2024 grundsätzlich zugestimmt. Inzwischen wurde das Verfahren beschleunigt. Während frühere Planungen noch von einer Verkehrsfreigabe um das Jahr 2042 ausgingen, wird nun eine Fertigstellung bis Ende der 2030er-Jahre angestrebt. Bis spätestens 2030 soll der Planfeststellungsbeschluss beantragt werden. Anschließend könnte der eigentliche Bau beginnen.
Alte Brücke verursacht steigende Unterhaltskosten
Bis der Ersatzneubau fertiggestellt ist, muss die bestehende Köhlbrandbrücke weiter betrieben werden. Das wird zunehmend teuer. Nach Angaben des Hamburger Senats werden allein 2026 mehr als sieben Millionen Euro für die Instandhaltung erwartet. Bis 2029 könnten die jährlichen Kosten bereits auf rund elf Millionen Euro steigen.





