Seit 1943 unverändert: Wissen Sie, was das Loch in der Zapfpistole kann?

Seit 1943 unverändert
Wissen Sie, was das Loch in der Zapfpistole kann?

ArtikeldatumZuletzt aktualisiert am 12.04.2026
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Zapfpistole
Foto: 04/2026, Zapfpistole

Die Antwort ist simpel und faszinierend, denn bei dem kleinen Loch handelt es sich um eines der zuverlässigsten Sicherheitssysteme - und das arbeitet nahezu unverändert seit über acht Jahrzehnten im Verborgenen.

Was wir Autofahrer davon mitbekommen? Das bekannte Klacken, wenn beim Tanken der Kraftstofffluss stoppt. Ohne Sensor, ohne Elektronik, nur mit reiner Physik.

Denn im Inneren der Zapfpistole wird der Kraftstoff durch eine Engstelle geführt. Dabei entsteht ein Unterdruck. Dieser Unterdruck wird über einen dünnen Kanal nach vorne zur kleinen Öffnung an der Spitze geleitet. Solange diese Öffnung frei ist, wird Luft angesaugt und der Kraftstoff fließt weiter.

Dann verändert sich etwas. Der Sprit-Pegel im Einfüllrohr des Autos steigt, erreicht die Spitze der Pistole, bedeckt das Loch. Keine Luft mehr. Das Gleichgewicht bricht zusammen. Eine kleine Membran im Inneren reagiert auf den Druckabfall und bewegt sich — um vielleicht einen Millimeter. Das Ventil schnappt zu. Klack.

Was wirklich gemessen wird

Ein Missverständnis gibt es noch, das System registriert nicht den Füllstand des Tanks selbst. Es erkennt, wann Kraftstoff den Pegel im Einfüllrohr erreicht hat — also jenem "Schlauch" zwischen Tankdeckel und eigentlichem Tank. Das kann früher passieren, als der Tank rechnerisch voll ist.

Schaumbildung, ein ungünstiger Winkel der Pistole oder ein besonders enger Einfüllstutzen können das System bereits auslösen, obwohl im Tank selbst noch Luft wäre.

Die Gefahr des zweiten Klicks

Nach dem ersten Abschalten weiterzutanken, ist darüber hinaus ein weit verbreiteter Reflex. Noch ein bisschen. Runde Summe. Voller Tank.

Aber moderne Fahrzeuge besitzen ein EVAP-System — einen Aktivkohlefilter, der Kraftstoffdämpfe aus dem Tank auffängt, bevor sie in die Atmosphäre entweichen. Dieser Filter ist für Dämpfe ausgelegt, nicht für Flüssigkeit. Gelangt Kraftstoff durch erzwungenes Weitertanken in dieses System, kann der Filter dauerhaft gesättigt werden — unter Umständen muss der Filter dann getauscht werden.

Fahrzeughersteller sind in diesem Punkt eindeutig: Nach dem ersten Klick ist der Tank voll.

Wer hat es entdeckt?

Das Prinzip dahinter geht auf das Jahr 1939 zurück. Richard C. Corson, Mitarbeiter an einem Verladekai im amerikanischen Bundesstaat New York, beobachtete, wie mühsam und riskant das manuelle Befüllen von Fässern mit Kraftstoff war. Die Lösung kam ihm — der Überlieferung nach — beim Geräusch einer Toilettenspülung: ein druckgesteuertes System, das selbstständig stoppt, sobald ein bestimmter Füllstand erreicht ist. 1943 ließ er es patentieren. Heute steckt eine Weiterentwicklung dieses Gedankens in jeder Zapfpistole der Welt.

Der eigentliche Mechanismus beruht auf dem Venturi-Effekt, benannt nach dem italienischen Physiker Giovanni Battista Venturi. Das Prinzip: Fließt eine Flüssigkeit durch eine Engstelle, steigt seine Geschwindigkeit — und der Druck sinkt. Diese Druckdifferenz ist messbar, reproduzierbar und lässt sich nutzen.

Fazit