Sensible Hände, gepolstert und ohne Tarif: Neue BMW-Werker in der X3-Produktion

Sensible Hände, gepolstert und ohne Tarif
Figure 03 hilft beim BMW X3

ArtikeldatumVeröffentlicht am 05.07.2026
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Mit dem humanoiden Roboter Figure 03 erweitert der Autobauer den Einsatz solcher Systeme in der Serienfertigung. Der neue Robotertyp folgt auf Figure 02, der bereits erste Erfahrungen im Produktionsalltag gesammelt hat. Im ersten Einsatzgebiet übernimmt der Roboter Aufgaben in der Intralogistik, einem Bereich, in dem Material rechtzeitig und in der richtigen Reihenfolge an die Montagelinie gelangen muss.

Figure 03 sortiert Bauteile

Sein erster Arbeitsplatz befindet sich in der Logistikhalle des BMW-Werks Spartanburg. Dort treffen Fahrzeugkomponenten zunächst unsortiert in großen Transportbehältern ein. Figure 03 entnimmt die einzelnen Teile selbstständig und sortiert sie in sogenannte Sequenzierungswagen.

Diese Wagen werden anschließend an definierte Übergabepunkte gebracht. Von dort übernehmen fahrerlose Routenzüge oder autonome Transportroboter den Weitertransport bis zur Montagelinie. Die Mitarbeiter erhalten die Bauteile dort exakt in der Reihenfolge, in der sie später in das Fahrzeug eingebaut werden. Dieses Verfahren gehört zu den wichtigsten Logistikprozessen moderner Automobilwerke, da Fehler und Wartezeiten unmittelbar den Produktionsablauf beeinflussen können.

Nach zehn Monaten Praxistest folgt jetzt der Nachfolger

Ganz neu ist der Einsatz humanoider Roboter bei BMW nicht. Bereits 2025 arbeitete Figure 02 rund zehn Monate im Werk Spartanburg. Während dieser Zeit unterstützte der Roboter nach Angaben des Herstellers die Produktion von mehr als 30.000 BMW X3.

Seine Aufgabe bestand darin, Blechteile für den Schweißprozess zu positionieren. Gerade bei diesen Arbeitsschritten sind hohe Wiederholgenauigkeit und dauerhaft gleichbleibende Bewegungen gefragt. Auf Grundlage der dabei gesammelten Erfahrungen folgt nun mit Figure 03 die nächste Entwicklungsstufe.

Neuer Robotertyp überarbeitet

Äußerlich ähnelt Figure 03 seinem Vorgänger, technisch hat Figure AI den Roboter jedoch an mehreren Stellen weiterentwickelt. Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem die Zusammenarbeit mit Menschen, längere Einsatzzeiten und eine präzisere Handhabung unterschiedlich geformter Bauteile.

Nach Angaben des Unternehmens besitzt Figure 03 weich ausgelegte Außenflächen. Sie sollen das Verletzungsrisiko verringern, wenn Roboter und Mitarbeiter im gleichen Arbeitsbereich tätig sind. Neu ist außerdem eine kabellose Ladefunktion, wodurch der Roboter seine Energieversorgung ohne manuelles Anschließen wieder aufnehmen kann.

Auch die Kommunikation wurde erweitert. Figure 03 verfügt über integrierte Audiofunktionen, die eine direkte Sprachkommunikation ermöglichen sollen. Besonders stark verändert wurden die Hände. Dort sitzen nun taktile Sensoren sowie Kameras in den Handflächen. Während die Kameras die Lage und Ausrichtung eines Bauteils erkennen, registrieren die Sensoren gleichzeitig den ausgeübten Greifdruck. Dadurch kann der Roboter empfindliche oder unterschiedlich geformte Komponenten sicher aufnehmen und präziser ablegen als bisher.

Humanoide Roboter arbeiten anders

Die meisten Roboter in Automobilwerken sind stationäre Spezialisten. Sie schweißen Karosserien, lackieren Bauteile oder montieren Komponenten und führen dabei über Jahre hinweg dieselbe Bewegung aus. Dafür arbeiten sie meist hinter Schutzgittern und benötigen exakt definierte Arbeitsbereiche.

Humanoide Roboter verfolgen einen anderen Ansatz. Sie sollen sich innerhalb bestehender Fabriken bewegen können, Werkzeuge und Transportwagen benutzen sowie Arbeitsplätze übernehmen, die ursprünglich für Menschen eingerichtet wurden. Dadurch lassen sie sich theoretisch flexibler einsetzen, ohne komplette Produktionsbereiche umzubauen.

Der Nachteil liegt in der deutlich höheren technischen Komplexität. Ein humanoider Roboter muss seine Umgebung permanent erfassen, Entfernungen berechnen, Hindernisse erkennen, Greifkräfte dosieren und jede Bewegung in Echtzeit anpassen. Dafür arbeiten Kameras, Tiefensensoren, Kraftsensoren und KI-Modelle permanent zusammen.

Physical AI soll Entscheidungen in der realen Welt ermöglichen

BMW ordnet Figure 03 dem Bereich der sogenannten Physical AI zu. Dahinter verbirgt sich künstliche Intelligenz, die nicht nur Daten verarbeitet, sondern Roboter in die Lage versetzen soll, ihre Umgebung wahrzunehmen und selbstständig darauf zu reagieren.

Während Sprachmodelle Texte oder Bilder analysieren, muss ein humanoider Roboter zusätzlich berechnen, wie er sich bewegt, welche Kraft er beim Greifen einsetzen darf oder wie er auf unerwartete Veränderungen reagiert. Gerade diese Verbindung aus Sensorik, Bewegungssteuerung und künstlicher Intelligenz gilt derzeit als einer der anspruchsvollsten Bereiche der Robotik.

Technische Übersicht des Figure 03

Figure AI selbst nennt noch einige interessante technische Verbesserungen gegenüber Figure 02:

  • komplett neue Hardwareplattform
  • komplett neue Softwarearchitektur
  • doppelte Bildrate der Kameras
  • nur noch ein Viertel der bisherigen Bildverzögerung (Latenz)
  • 60 % größeres Sichtfeld der Kameras
  • Kraftsensoren in den Fingern erkennen bereits etwa drei Gramm Greifkraft
  • mehrlagig geschützte UN38.3-zertifizierte Batterie
  • modulare, waschbare Außenverkleidung
  • vorbereitet für die neue KI-Plattform Helix 02, die den gesamten Körper steuert und nicht nur die Hände.

Fazit