Das Programm "Ceny Paliwa Niżej" gilt zunächst bis zum 31.8.2026. Für diesen Zeitraum sinkt die Mehrwertsteuer auf Benzin und Diesel von 23 auf acht Prozent. Zusätzlich legt das Energieministerium Höchstpreise fest, die von den Tankstellen nicht überschritten werden dürfen.
Polen berechnet die Höchstpreise täglich neu
Anders als bei einem festen Preisdeckel bleiben die Obergrenzen nicht bis Ende August unverändert. Das Energieministerium berechnet sie jeden Tag neu und berücksichtigt dabei unter anderem die Großhandelspreise der fünf größten Kraftstoffanbieter.
Am 20.8.2026 darf Benzin mit 95 Oktan höchstens 6,49 Złoty (rund 1,51 Euro) je Liter kosten. Für Benzin mit 98 Oktan liegt die Grenze bei 7,29 Złoty (rund 1,70 Euro), für Diesel bei 7,52 Złoty (rund 1,75 Euro).
Tankstellen dürfen diese Preise unterschreiten.
Zum Vergleich waren beim Start des Programms am 17.08.2026 noch maximal 6,41 Złoty (rund 1,49 Euro) für Benzin mit 95 Oktan, 7,20 Złoty (rund 1,68 Euro) für Benzin mit 98 Oktan und 7,37 Złoty (rund 1,72 Euro) für Diesel erlaubt. Die Entwicklung der ersten Tage zeigt damit auch, dass der staatliche Deckel bei steigenden Großhandelspreisen angehoben werden kann.
Rund 30 Euro Unterschied bei einer Tankfüllung
Für deutsche Autofahrer bleibt der Preisabstand dennoch erheblich. Zum Start der Maßnahme kosteten 50 Liter Benzin in Polen umgerechnet etwa 74,50 Euro. In Deutschland wurden für dieselbe Menge zu diesem Zeitpunkt rund 108,50 Euro fällig. Das entsprach einer Differenz von etwa 34 Euro.
Bei 50 Litern Diesel standen rund 85,50 Euro in Polen etwa 112,50 Euro in Deutschland gegenüber. Die Ersparnis betrug damit ungefähr 27 Euro. Die konkreten Beträge ändern sich allerdings mit den Kraftstoffpreisen und dem Wechselkurs.
Eine längere Fahrt ausschließlich zum Tanken lohnt sich deshalb nicht automatisch. Bei einem Benziner mit sieben Litern Verbrauch auf 100 Kilometer wäre ein Preisvorteil von 34 Euro nach rund 220 zusätzlich gefahrenen Kilometern verbraucht. Beim Diesel mit sechs Litern auf 100 Kilometer wären es ungefähr 200 Kilometer. Zeit und Fahrzeugkosten sind dabei noch nicht berücksichtigt.
Polen rechnet mit Tanktourismus
Die polnische Regierung beobachtet nach Angaben von Energieminister Miłosz Motyka auch eine mögliche zusätzliche Nachfrage aus den Nachbarländern. Probleme bei der Versorgung mit Kraftstoff erwartet sie dadurch derzeit nicht. Kontrolliert wird dagegen, ob die Tankstellen die Preisvorgaben einhalten. Bei Verstößen können Geldstrafen von bis zu einer Million Złoty verhängt werden. Das entspricht mehr als 230.000 Euro.
Die aktuelle Maßnahme ist bereits die zweite polnische Spritpreisbremse 2026. Ein erstes Programm galt von Ende März bis Ende Juni und umfasste zeitweise neben der reduzierten Mehrwertsteuer weitere steuerliche Entlastungen. Nach Angaben des polnischen Finanzministeriums kostete dieses Paket den Staat rund 4,7 Milliarden Złoty (rund 1,10 Milliarden Euro). Für die erneute Mehrwertsteuersenkung in der zweiten Augusthälfte werden rund 495 Millionen Złoty (rund 115 Millionen Euro) veranschlagt.
So viel Kraftstoff darf nach Deutschland mit
Wer die niedrigeren Preise für einen Tankstopp in Polen nutzt, darf den regulären Fahrzeugtank vollständig füllen. Zusätzlich können nach Angaben des deutschen Zolls bis zu 20 Liter Kraftstoff in Reservekanistern ohne deutsche Energiesteuer eingeführt werden. Der Kraftstoff muss in Polen regulär gekauft und versteuert worden sein und für den eigenen Bedarf bestimmt sein.
Bei größeren Mengen im Kanister wird deutsche Energiesteuer fällig und der Kraftstoff muss beim Zoll angemeldet werden. Der ADAC empfiehlt aus Sicherheitsgründen ohnehin, höchstens zehn Liter Reservekraftstoff mitzunehmen und einen dafür zugelassenen sowie ausreichend gesicherten Kanister zu verwenden.
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