An Spitzentagen mit starkem Reiseverkehr bilden sich vor dem Südportal des Gotthard-Tunnels regelmäßig kilometerlange Staus. Viele Autofahrer verlassen dann die Autobahn und weichen auf das regionale Straßennetz aus. Für die Gemeinden entlang der Strecke führt das seit Jahren zu zusätzlichen Belastungen durch Lärm, Staus und erhöhtes Verkehrsaufkommen.
Seit dem 13.5.2026 steht deshalb die neue Sonderspur "Airolo/Pässe" zur Verfügung. Sie wird bei hohem Verkehrsaufkommen an den Wochenenden und zu den Ferienzeiten freigegeben und richtet sich an Reisende, die nach Airolo oder weiter über den Gotthardpass beziehungsweise den Nufenenpass fahren möchten.
Neun Kilometer lange Verbindung bis Airolo
Die neue Spur beginnt bei Varenzo und führt über rund neun Kilometer bis zur Ausfahrt Airolo. Damit können Autofahrer mit Ziel Passstraße oder Airolo an der Warteschlange vor dem Tunnel vorbeifahren, ohne zuvor auf die Kantonsstraße ausweichen zu müssen.
Die Schweizer Behörden bezeichnen das Projekt als "CUPRA". Die Abkürzung steht für die italienische Bezeichnung "Corsia di Uscita PReferenziale Airolo/Passi", was sinngemäß bevorzugte Ausfahrtsspur Airolo/Pässe bedeutet. Mit der gleichnamigen Automarke hat die Bezeichnung nichts zu tun. Freigegeben wird die Spur ausschließlich bei starkem Verkehrsaufkommen und nur dann, wenn die Gotthard-Passstraße geöffnet ist. Die Aktivierung der Spur über den Standstreifen erfolgt über elektronische Anzeigen entlang der Autobahn.
Standstreifen wird zur zusätzlichen Fahrspur
Um Konflikte mit dem Verkehr der Raststätte Stalvedro zu vermeiden, wurde zusätzlich eine neue Einbahnverbindung geschaffen. Dadurch können Fahrzeuge auf der Sonderspur die Rastanlage umfahren, ohne dass sich Ein- und Ausfahrten mit dem Durchgangsverkehr kreuzen.
Die Erreichbarkeit der Raststätte bleibt nach Angaben des Schweizer Bundesamts für Straßen dennoch erhalten. Auch die Zufahrt zum angrenzenden Gebiet entlang des Flusses Ticino bleibt bestehen.
Weniger Verkehr auf der Kantonsstraße
Im Mittelpunkt des Projekts steht die Entlastung der Kantonsstraße zwischen Quinto und Airolo. Besonders an Ferienwochenenden nutzten viele Autofahrer diese Strecke als vermeintliche Abkürzung, um den Rückstau vor dem Tunnel zu umgehen. Nach Angaben der Schweizer Behörden soll die neue Verkehrsführung die Fahrzeiten für Verkehrsteilnehmer mit Ziel Airolo oder Passstraße verkürzen und gleichzeitig die Belastung der umliegenden Gemeinden reduzieren. Zudem soll die Verkehrssicherheit entlang der Kantonsstraße verbessert werden.
Die neue Spur ersetzt den Gotthard-Tunnel allerdings nicht. Dessen Kapazität bleibt unverändert. Stattdessen wird der Verkehr zu den Alpenpässen früher von den Fahrzeugen getrennt, die durch den Tunnel fahren möchten.
Bund investiert rund 25 Millionen Franken
Die Arbeiten für das Projekt begannen Anfang 2025. Der Bau der neuen Verbindungsstraße wurde im Frühjahr 2026 abgeschlossen. Weitere Arbeiten laufen noch bis Herbst 2026, da in Sort eine Brückensanierung ansteht. Nach Angaben des Bundes wurden die meisten Bauarbeiten ohne größere Einschränkungen für den Verkehr durchgeführt. Für die dauerhafte Umsetzung der neuen Verkehrsführung investiert die Schweiz rund 25 Millionen Franken.





