Straßentunnel unter der Themse: Deutscher Bohrgigant gegen Londons Dauerstau

Straßentunnel unter der Themse
Deutscher Bohrgigant gegen Londons Dauerstau

ArtikeldatumVeröffentlicht am 26.07.2026
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Lower Thames Crossing mit Herrenknecht Tunnelbohrmaschine
Foto: National Highways / Herrenknecht / Collage: Wittich

Sowohl die Maschine als auch das Milliardenprojekt setzen nach Angaben der Projektpartner neue Maßstäbe. Mit einem Durchmesser von 16,4 Metern wird die Tunnelbohrmaschine größer sein als jede andere, die bisher in Europa zum Einsatz kam. Gleichzeitig entsteht wohl in Schwanau die größte Maschine in der Geschichte des baden-württembergischen Unternehmens, weitere Details wollte das Unternehmen nicht mitteilen. Nach ihrer Fertigstellung soll die Bohrmaschine zwei rund 4,2 Kilometer lange Tunnelröhren unter der Themse auffahren.

Spezialmaschine für schwierigen Baugrund

Herrenknecht entwickelt für das Projekt nach Angaben von National Highways eine sogenannte Variable-Density-Tunnelbohrmaschine. Diese Technik wurde speziell für wechselnde Bodenverhältnisse entwickelt und kann den Stützdruck während des Vortriebs kontinuierlich anpassen. Unter der Themse wechseln sich wasserführende Bodenschichten, London Clay und Kreidegestein ab. Herkömmliche Tunnelbohrmaschinen stoßen dort schneller an ihre Grenzen.

Laut National Highways erhält die Maschine außerdem das größte begehbare Schneidrad der Unternehmensgeschichte. Darüber hinaus kündigt das Unternehmen mehrere technische Neuerungen an, die erstmals bei einer Tunnelbohrmaschine zum Einsatz kommen sollen.

Tunnelbohrmaschine Lower Thames Crossing
Herrenknecht / National Highways

Über 5.000 Tonnen schwer

Der Bohrgigant erreicht eine Länge von rund 120 Metern und bringt mehr als 5.000 Tonnen auf die Waage. Wegen seiner Größe kann die Maschine nicht am Stück nach Großbritannien transportiert werden. Nach der Fertigung in Schwanau wird sie vollständig zerlegt, per Schiff nach England gebracht und im Hafen von Tilbury wieder zusammengesetzt.

Auch beim Tunnelbau selbst gehen die Projektpartner neue Wege. Statt zwei Tunnelbohrmaschinen parallel einzusetzen, soll zunächst die erste Tunnelröhre entstehen. Anschließend wird die Maschine unterirdisch umgesetzt und für den Vortrieb der zweiten Röhre erneut verwendet. Nach Angaben von National Highways lassen sich dadurch Materialbedarf, Transportaufwand und Emissionen reduzieren.

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Größtes Straßenbauprojekt Großbritanniens seit rund 35 Jahren

Die Tunnelbohrmaschine ist das Herzstück der Lower Thames Crossing, einem der größten Infrastrukturvorhaben Europas. Mit der neuen Straßenverbindung entsteht östlich von London eine zweite Querung der Themse zwischen den Grafschaften Kent und Essex. Nach Angaben von National Highways handelt es sich um das größte Straßenbauprojekt Großbritanniens seit rund 35 Jahren.

Insgesamt umfasst das Vorhaben rund 23 Kilometer neue Straßen. Davon verlaufen etwa 4,2 Kilometer in zwei Tunnelröhren unter der Themse. Die Röhren werden jeweils drei Fahrstreifen aufnehmen und bis zu rund 60 Meter unter dem Fluss verlaufen. Sie ergänzen die bestehende Dartford Crossing, die bisher die einzige Straßenquerung östlich von London ist.

Die Dartford Crossing zählt zu den wichtigsten Verkehrsachsen des Landes. Täglich nutzen nach Angaben von National Highways rund 120.000 Fahrzeuge die Verbindung. Die neue Querung soll den Verkehr künftig auf zwei Übergänge verteilen und die Anfälligkeit für Staus und Sperrungen verringern.

Mehr als zehn Jahre Planung

Mit der Lower Thames Crossing beschäftigen sich die britischen Behörden bereits seit mehr als einem Jahrzehnt. Die Planungen begannen 2013. Während des Genehmigungsverfahrens gingen nach Angaben von National Highways mehr als 90.000 Stellungnahmen von Bürgern, Behörden und Organisationen ein. Das führte mehrfach zu Änderungen der Trassenführung und einzelner Bauwerke.

Auch beim Bau soll das Projekt neue Wege gehen. Rund 80 Prozent der neuen Straßenverbindung verlaufen später entweder im Tunnel, in Geländeeinschnitten oder hinter Lärmschutzanlagen. Nach Angaben des Projektträgers sollen dadurch die Auswirkungen auf Anwohner und Landschaft möglichst gering gehalten werden.

22.000 neue Arbeitsplätze

Während der Bauphase rechnet National Highways mit rund 22.000 Arbeitsplätzen entlang der Lieferkette. Die vorbereitenden Arbeiten haben bereits begonnen und umfassen unter anderem archäologische Untersuchungen, Umweltmaßnahmen sowie die Verlegung bestehender Leitungen. Der eigentliche Tunnelvortrieb mit der Herrenknecht-Maschine soll 2028 starten. Die Eröffnung der neuen Straßenverbindung ist für die erste Hälfte der 2030er-Jahre vorgesehen.

Fazit