Südkorea "hilft" US-Army: So anders wird die Erfolgs-Panzerhaubitze K9

Südkorea „hilft“ US-Army
So anders wird die Erfolgs-Panzerhaubitze K9

ArtikeldatumVeröffentlicht am 19.08.2026
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Hanwha K9MH
Foto: Hanwha

Die augenfälligste Änderung steckt unter dem Geschütz. Während die K9 Thunder auf einem eigens entwickelten Kettenfahrwerk unterwegs ist, setzt Hanwha die K9MH auf einen schweren 8x8-Lkw. Beim bisher gezeigten Fahrzeug stammt das Fahrgestell von Tatra.

Tatra-Chassis für den K9MH

Der tschechische Hersteller verwendet bei seinen schweren Militärfahrzeugen eine ungewöhnliche Konstruktion. Statt eines klassischen Leiterrahmens bildet ein Zentralrohr das Rückgrat des Fahrzeugs. Daran sitzen einzeln aufgehängte Halbachsen. Das System ermöglicht große Radbewegungen und ist auf hohe Geländegängigkeit bei schweren Fahrzeugen ausgelegt.

Hinzu kommen Allradantrieb und eine zentrale Reifendruckregelanlage. Damit kann der Reifendruck an unterschiedliche Untergründe angepasst werden. Das ist für die K9MH wichtig, weil sie die höhere Straßenmobilität eines Radfahrzeugs mit ausreichender Beweglichkeit abseits befestigter Wege verbinden soll.

Das Tatra-Chassis ist allerdings nicht fest vorgegeben. Hanwha entwickelt das Artilleriemodul so, dass es grundsätzlich auch auf andere geeignete schwere 8x8-Fahrgestelle gesetzt werden kann. Ein Kunde könnte damit einen bereits eingeführten Militär-Lkw verwenden und bestehende Strukturen für Wartung und Ersatzteile nutzen.

Warum ist der Geschützturm neu?

Hanwha hat nicht einfach den bisherigen K9-Turm auf einen Lkw gesetzt. Für die K9MH kommt ein unbemannter und weitgehend automatisierter Geschützturm zum Einsatz. Die Besatzung muss sich während des Feuerkampfs deshalb nicht im Turm aufhalten.

Die Soldaten sitzen gemeinsam in der geschützten Kabine vorne im Fahrzeug. Zwei bis drei Besatzungsmitglieder sollen für den Betrieb ausreichen. Bei der ursprünglichen K9 Thunder besteht die Besatzung aus fünf Soldaten.

Möglich wird die kleinere Besatzung vor allem durch die Automatisierung des Ladevorgangs. Geschosse und Treibladungen werden automatisch zur Kanone transportiert und geladen. Die körperlich aufwendige manuelle Handhabung der schweren 155-mm-Munition wird damit weitgehend überflüssig.

155-mm-Kanone bleibt erhalten

Bei der eigentlichen Waffe greift Hanwha auf Technik der K9-Familie zurück. Die K9MH erhält eine 155-mm-Kanone mit einer Rohrlänge von 52 Kalibern. Damit bewegt sie sich in derselben Leistungsklasse wie zahlreiche moderne NATO-Artilleriesysteme.

Rund 40 Geschosse sollen im Fahrzeug mitgeführt werden können. Die K9 Thunder nimmt 48 Geschosse auf. Die Reichweite hängt von der verwendeten Munition ab. Moderne reichweitengesteigerte Geschosse können erheblich weiter fliegen als konventionelle 155-mm-Munition.

Eine technische Herausforderung entsteht durch das Radfahrwerk. Beim Abschuss einer 155-mm-Kanone wirken erhebliche Rückstoßkräfte auf das Fahrzeug. Die schwere K9 Thunder kann diese über ihr Kettenfahrwerk und dessen große Aufstandsfläche ableiten. Bei der K9MH übernehmen zusätzliche Stützen einen Teil dieser Aufgabe.

Sie werden in der Feuerstellung ausgefahren und stabilisieren das Fahrzeug. Für den Einsatz ist deshalb entscheidend, wie schnell dieser Vorgang funktioniert. Artillerie muss heute möglichst kurz an einem Standort bleiben. Drohnen und Artillerieortungsradare können Feuerstellungen schnell erkennen und die Daten für Gegenfeuer weitergeben.

K9MH soll deutlich leichter werden

Das neue Fahrzeugkonzept wirkt sich auch auf das Gewicht aus. Eine K9A1 bringt rund 47 Tonnen auf die Waage. Für die K9MH strebt Hanwha ein Gefechtsgewicht von weniger als 40 Tonnen an.

Der Wechsel auf Räder bringt vor allem bei längeren Verlegungen Vorteile. Die K9MH kann größere Distanzen auf Straßen aus eigener Kraft zurücklegen. Kettenfahrzeuge wie die K9 Thunder werden bei längeren Märschen dagegen häufig mit Schwerlasttransportern verlegt, um Verschleiß und Kraftstoffverbrauch zu reduzieren.

Im schweren Gelände bleibt das Kettenfahrwerk im Vorteil. Seine große Aufstandsfläche verteilt das Fahrzeuggewicht besser und bietet auf weichem Untergrund mehr Traktion. Die K9MH soll deshalb nicht einfach die K9 Thunder ersetzen. Beide Systeme setzen unterschiedliche Schwerpunkte.

So unterscheiden sich K9 Thunder und K9MH

Warum die US Army die K9MH testet

Die K9MH wurde speziell mit Blick auf das Mobile-Tactical-Cannon-Programm der US Army entwickelt. Gesucht wird eine selbstfahrende 155-mm-Haubitze für Verbände, die bisher unter anderem die M777 einsetzen. Die M777 ist eine Haubitze ohne eigenen Fahrantrieb. Für eine Verlegung muss sie an ein Zugfahrzeug angehängt oder beispielsweise per Hubschrauber transportiert werden.

Mit dem MTC will die Army die Artillerie dieser Verbände auf ein selbstfahrendes System umstellen. Neben der Feuerleistung spielen deshalb vor allem die Verlegefähigkeit, der Bedienaufwand und die Integration in die vorhandene Logistik eine Rolle. Hanwha hat die K9MH auf diese Anforderungen zugeschnitten und das System nach eigenen Angaben speziell für den amerikanischen Wettbewerb weiterentwickelt.

Was ist die M777?Die M777 ist eine rund 4,2 Tonnen schwere, gezogene 155-mm-Haubitze mit einer Rohrlänge von 39 Kalibern. Je nach verwendeter Munition erreicht sie rund 24 bis mehr als 40 Kilometer Schussweite und wird von einer mehrköpfigen Geschützbesatzung bedient. Einen eigenen Fahrantrieb besitzt die M777 nicht, für Stellungswechsel muss sie von einem Fahrzeug gezogen oder beispielsweise per Transporthubschrauber verlegt werden. Genau hier setzt das MTC-Programm der US Army an, für das Hanwha die selbstfahrende K9MH entwickelt hat.

Die US Army hat Hanwha nun für die Prototypenphase ausgewählt. Zunächst sollen sechs K9MH geliefert werden, weitere zwölf Systeme sind als Option vorgesehen. Der mögliche Gesamtwert des Vertrags liegt bei 262,9 Millionen Dollar. Eine Serienentscheidung ist damit noch nicht gefallen. Die Fahrzeuge werden zunächst von der Army erprobt.

M109-Nachfolge läuft in einem anderen Verfahren

Nicht verwechselt werden darf das MTC mit der Modernisierung der schweren selbstfahrenden Artillerie der US Army. In diesem Bereich wird die M109 Paladin eingesetzt. Nach dem Ende des ERCA-Programms hatte die Army im Rahmen der Self-Propelled Howitzer Modernization, kurz SPH-M, mehrere andere Artilleriesysteme untersuchen lassen.

Zu den dafür ausgewählten Herstellern gehörten unter anderem KNDS, BAE Systems Bofors, Elbit Systems, General Dynamics Land Systems und ebenfalls Hanwha Defense USA. Erprobt wurden unterschiedliche Rad- und Kettenkonzepte. Dieses Verfahren ist jedoch von der jetzigen K9MH-Auswahl beim Mobile Tactical Cannon zu unterscheiden.

Fazit