Synthetischer Diesel HVO100: Warum steigt der Preis, wenn da kein Erdöl drin ist?

Synthetischer Diesel HVO100
Warum steigt der Preis, wenn da kein Erdöl drin ist?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 01.04.2026
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HVO100 Preis
Foto: KI generiertes Bild

Der Kraftstoff gilt als Alternative zu fossilem Diesel und wird aus biogenen Reststoffen wie Altspeiseöl oder tierischen Fetten hergestellt. Gerade deshalb sorgt die aktuelle Preisentwicklung für Diskussionen, weil ein direkter Zusammenhang mit dem Rohölpreis zunächst nicht offensichtlich ist.

Preisentwicklung orientiert sich am Dieselmarkt

Der ADAC sieht in der aktuellen Entwicklung einen Widerspruch. HVO100 enthalte kein fossiles Öl und sei damit grundsätzlich unabhängig vom Rohölpreis. Dennoch bewege sich der Preis nahezu im Gleichschritt mit Diesel und Benzin. Der Automobilclub hält das nach einem Bericht der Passauer Neuen Presse für erklärungsbedürftig und verweist darauf, dass die Preisbildung für Verbraucher nur schwer nachvollziehbar sei.

Die Tankstellenbranche weist diese Kritik zurück. Nach Darstellung des Bundesverbands Freier Tankstellen handelt es sich bei HVO100 um einen noch jungen Markt, dessen Preise stärker auf kurzfristige Veränderungen reagieren. Zudem werde der Kraftstoff häufig als direkter Dieselersatz vermarktet und in vielen Fällen nach dem Prinzip Dieselpreis plus Aufschlag kalkuliert.

Damit orientiert sich der Endpreis weniger an den tatsächlichen Produktionskosten als an der Marktsituation für konventionellen Diesel. Steigt dieser, zieht HVO100 oft mit.

Rohstoffe, Produktion und Verfügbarkeit als zentrale Faktoren

Neben der Kopplung an den Dieselpreis spielen auch mehrere strukturelle Faktoren eine Rolle. Die verfügbaren Rohstoffe für HVO sind begrenzt. Altspeiseöle und andere Reststoffe stehen nur in begrenzten Mengen zur Verfügung und werden zunehmend auch in anderen Bereichen nachgefragt, etwa für nachhaltige Flugkraftstoffe.

Auch die Herstellung ist aufwendig. HVO wird in speziellen Raffinerieprozessen unter hohem Druck und mit erheblichem Energieeinsatz produziert. Steigende Energiepreise wirken sich daher direkt auf die Kosten aus.

Hinzu kommt, dass der Markt noch vergleichsweise klein ist. Veränderungen bei Transport, Beschaffung oder Verfügbarkeit schlagen schneller auf den Endpreis durch als bei etablierten Kraftstoffen mit stabilen Lieferketten.

Steuerliche Vorteile kommen nicht vollständig an

Ein weiterer Aspekt ist die steuerliche Behandlung. HVO100 ist von der CO2-Abgabe befreit, die fossilen Diesel zusätzlich verteuert. 2026 liegt diese Abgabe bei rund 21 Cent pro Liter, perspektivisch kann sie weiter steigen.

Trotz dieses Vorteils ist HVO100 an vielen Tankstellen teurer als Diesel. Der Grund liegt darin, dass die Einsparung durch die CO2-Abgabe durch höhere Produktions- und Beschaffungskosten teilweise oder vollständig aufgezehrt wird, so Finanztip.

Regionale Unterschiede und geringe Transparenz

Die Preise für HVO100 unterscheiden sich zudem regional deutlich. In einzelnen Fällen wird der Kraftstoff auch günstiger als Diesel angeboten, bleibt aber insgesamt meist darüber. Diese Unterschiede hängen stark von lokalen Marktbedingungen, Lieferwegen und der jeweiligen Wettbewerbssituation ab.

Sowohl ADAC als auch Branche sehen ein gemeinsames Problem in der fehlenden Transparenz, heißt es in der Passauer Neuen Presse. Verbraucher können zwar die Preise an der Zapfsäule vergleichen, die Zusammensetzung des Endpreises bleibt jedoch weitgehend intransparent. Nach Angaben des ADAC haben der HVO-Durchschnittspreis vielerorts die Marke von zwei Euro überschritten, vereinzelt werden sogar mehr als 2,50 Euro verlangt.

Fazit