Der Trick beginnt beim ersten Taxi in der Warteschlange. Der Fahrer lehnt eine kurze Strecke ab, weil er auf eine längere und damit lukrativere Fahrt wartet. Er bleibt stehen und gibt seinen Platz nicht auf. Bildlich gesprochen zieht er die Handbremse an – daher stammt der niederländische Begriff "handremmethode".
Ein anderer Fahrer nimmt den Kunden anschließend mit, verlangt aber einen hohen Festpreis. Besonders Touristen können nur schwer abschätzen, welcher Betrag für die gewünschte Strecke angemessen wäre. Branchenvertreter vermuten Absprachen unter einzelnen Fahrern. Nachgewiesen sind sie bisher nicht.
Regierung kündigt Untersuchung an
Die VVD-Abgeordnete Bente Schutz stellte der niederländischen Regierung 18 Fragen zu den Vorwürfen. Sie wollte unter anderem wissen, wie die Behörden den Taximarkt kontrollieren und ob die gesetzlichen Vorgaben noch zur heutigen Arbeitsweise der Fahrer passen.
Verkehrsstaatssekretärin Annet Bertram kündigte am 20.8.2026 eine Untersuchung überhöhter Preise auf dem Standplatzmarkt an. Sie soll im Herbst 2026 beginnen. Das Verkehrsministerium prüft zudem Änderungen am Taxirecht und eine stärkere Verantwortung der Vermittlungsplattformen.
140 Meldungen betreffen die gesamten Niederlande
Bei der niederländischen Verkehrsaufsicht Inspectie Leefomgeving en Transport gingen innerhalb von fünf Jahren 140 Meldungen zu möglichen Betrugsfällen im Taxigewerbe ein. Dazu gehören hohe Fahrpreise, Unregelmäßigkeiten bei Taxametern und Fahrerkarten sowie Hinweise auf illegale Taxifahrer.
Die Zahl bezieht sich weder allein auf Amsterdam noch ausschließlich auf den Handbremstrick. Eine Aufteilung nach Städten oder Vermittlungsarten liegt nicht vor. Wie oft die Masche angewendet wurde, lässt sich daraus nicht ableiten.
Reporter sollten 35 Euro bezahlen
Der Amsterdamer Lokalsender AT5 hatte das Problem bereits Ende 2024 mit verdeckten Testfahrten überprüft. Bei 13 von 15 Versuchen verlangten Fahrer hohe Preise für kurze Strecken. In vier Fällen lehnten sie die Mitnahme ab, als die Reporter eine Abrechnung über den Taxameter verlangten.
Für die Strecke vom Hauptbahnhof zum Noordermarkt wurden teilweise 35 Euro gefordert. Nach den damals geltenden Höchstsätzen hätte die Fahrt laut AT5 rund 12,84 Euro gekostet. Am Nieuwmarkt verlangten Fahrer für Strecken von weniger als fünf Minuten pauschal 20 Euro.
Diese Taxipreise gelten 2026
Für Standplatztaxis gelten in den Niederlanden Preisobergrenzen. Bei einem Pkw mit höchstens vier Fahrgästen dürfen 2026 ein Grundpreis von 4,31 Euro sowie 3,17 Euro je Kilometer und 0,52 Euro je Minute berechnet werden. Die Tarife müssen innen und außen am Fahrzeug lesbar sein.
Ein Festpreis ist erlaubt, wenn Fahrer und Fahrgast ihn vor Beginn der Fahrt vereinbaren. Andernfalls richtet sich der Betrag nach dem Taxameter.
Kontrolleure müssen die Art der Fahrt klären
Viele Taxifahrer arbeiten sowohl an Standplätzen als auch für Apps oder Taxizentralen. Für beide Bereiche gelten nicht vollständig dieselben Vorgaben. Kontrolleure müssen deshalb zunächst feststellen, wie der jeweilige Auftrag vermittelt wurde.
Reisende sollten vor dem Einsteigen klären, ob nach Taxameter oder zu einem Festpreis abgerechnet wird. Bei Problemen helfen Kennzeichen, Taxinummer, Uhrzeit und Beleg bei einer Beschwerde.





