Während BMW den Verkauf neuer Fahrzeuge in Russland bereits kurz nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Frühjahr 2022 eingestellt hat, kann der neue BMW X5 dort offenbar dennoch schon bestellt werden. Das berichtet das russische Automobilportal autonews.ru. Demnach nehmen mehrere russische Anbieter bereits Vorbestellungen für die neue Generation des SUV entgegen, obwohl der Verkaufsstart in Deutschland erst begonnen hat.
Benziner und Diesel für Russland
Nach Angaben von autonews.ru sollen zunächst der X5 40i xDrive mit Reihensechszylinder-Benziner sowie der X5 40d xDrive mit Dieselmotor erhältlich sein. Die befragten Anbieter rechnen je nach Version mit Preisen zwischen 16 und 17 Millionen Rubel. Umgerechnet entspricht das – je nach Wechselkurs – rund 175.000 bis 190.000 Euro und damit deutlich mehr als den deutschen Listenpreisen von 95.750 beziehungsweise 99.750 Euro. Als Gründe werden höhere Einkaufspreise, gestiegene Transportkosten sowie die russische Verwertungsabgabe genannt. Zudem erwarten die Händler, dass die ersten Fahrzeuge in Europa zunächst nur mit Aufpreisen verfügbar sein werden.
Unter den zitierten Gesprächspartnern befindet sich auch ein Vertreter einer russischen Händlergruppe, die vor dem Rückzug von BMW viele Jahre zu den offiziellen Vertragshändlern der Marke gehörte. Seit dem Ende der offiziellen Geschäftsbeziehungen im Jahr 2022 werden BMW-Fahrzeuge dort jedoch nicht mehr direkt vom Hersteller bezogen. Nach Einschätzung der befragten Anbieter sollen erste Exemplare innerhalb weniger Wochen beziehungsweise bis zum Jahresende nach Russland gelangen. Es ist zu vermuten, dass die Fahrzeuge über Parallelimporte aus Drittstaaten beschafft werden; woher die Autos letztlich stammen, bleibt offen.
BMW geht gegen Exporte vor
BMW grenzt sich von solchen Lieferungen seit Jahren eindeutig ab. Der Hersteller stoppte im März 2022 sämtliche Fahrzeugexporte nach Russland und beendete außerdem die Produktion im Werk des damaligen Partners Avtotor in Kaliningrad. Das Unternehmen betonte wiederholt, dass Fahrzeuge, die heute über Parallelimporte nach Russland gelangen, außerhalb des Einflussbereichs des Konzerns und ausdrücklich gegen dessen Willen eingeführt würden. Vertragspartner seien verpflichtet, internationale Exportvorschriften einzuhalten. BMW habe weltweit zusätzliche Kontrollmechanismen eingeführt, um Verstöße gegen Export- und Sanktionsbestimmungen zu verhindern.
Wie ernst der Münchner Hersteller das Thema nimmt, zeigte ein Vorfall Ende 2024. Damals deckte BMW nach eigenen Angaben Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit Fahrzeuglieferungen auf. Der Verkauf der betroffenen Fahrzeuge wurde gestoppt, gegen verantwortliche Mitarbeiter leitete der Konzern arbeitsrechtliche Maßnahmen bis hin zu Kündigungen ein. Darüber hinaus verschärfte BMW interne Kontrollen und sensibilisierte Händler weltweit stärker für mögliche Umgehungsgeschäfte. Zum konkreten Fall haben wir den Hersteller um eine Stellungnahme gebeten, die bis zur Veröffentlichung dieses Beitrags nicht vorlag.
Sanktionen und Vorschriften
Für autorisierte Vertragshändler aus Deutschland hätte eine bewusste Lieferung von Neuwagen nach Russland erhebliche Folgen. Seit Inkrafttreten der EU-Sanktionen ist der Export von Pkw nach Russland grundsätzlich untersagt. Verstöße gegen die Sanktionsvorschriften können in Deutschland nach dem Außenwirtschaftsgesetz strafrechtlich verfolgt werden und je nach Schwere des Falls Geldstrafen oder Freiheitsstrafen nach sich ziehen. Hinzu kommen mögliche Maßnahmen des Herstellers selbst, darunter die Kündigung des Händlervertrags, der Entzug der Belieferung sowie Schadensersatzforderungen.





