Die Poser-Szene wächst seit Jahren, Fahrzeugtuning gehört längst zur Automobilkultur. Ob markenoffene Car Meets, spontane Parkplatztreffen oder große Tuning-Events – für viele Enthusiasten sind sie ein wichtiger Teil der Szene. Gleichzeitig führen solche Treffen immer häufiger zu Konflikten mit Städten, Anwohnern und der Polizei. Vor allem dann, wenn aus lockeren Zusammenkünften innerhalb weniger Stunden Veranstaltungen mit hunderten Fahrzeugen werden.
Ein aktuelles Beispiel ist Ludwigsburg in Baden-Württemberg. Die Stadt untersagt ab dem 22. Mai per Allgemeinverfügung sogenannte Auto-Poser- und Tuning-Treffen im gesamten Stadtgebiet. Anlass war ein großes Treffen Anfang Mai rund um ein Einkaufszentrum. Nach Angaben von Stadt und Polizei kamen rund 850 Fahrzeuge und etwa 2.000 Personen zusammen. Danach soll es erhebliche Verkehrsbehinderungen, Rückstaus, Probleme im öffentlichen Nahverkehr und Beschwerden wegen starken Motorenlärms gegeben haben.
Die Verfügung verbietet das Organisieren, Bewerben und Durchführen solcher Treffen, wenn öffentliche Straßen, Parkplätze oder Verkehrsflächen dadurch über das übliche Maß hinaus genutzt werden. Ebenfalls untersagt werden typische Szenemanöver wie Burnouts, Drifts oder vermeidbarer Motorenlärm. Die Stadt begründet den Schritt mit Sicherheitsbedenken sowie dem Schutz von Anwohnern und anderen Verkehrsteilnehmern.
Kein Einzelfall in Baden-Württemberg
Ludwigsburg ist mit dieser Entwicklung nicht allein. Auch andere Städte – vorwiegend in Baden-Württemberg – gehen inzwischen stärker gegen größere Szenetreffen vor. In Pfullingen, Reutlingen oder Ulm wurden zuletzt ähnliche Maßnahmen beschlossen oder zeitweise Verbote ausgesprochen.
Hintergrund ist eine Entwicklung, die seit Jahren bundesweit zu beobachten ist: Aus ursprünglich kleineren Treffen werden durch soziale Netzwerke immer häufiger spontane Großveranstaltungen. Städte wie Hamburg setzen bereits seit Jahren auf Schwerpunktkontrollen gegen die Poser-Szene. Komplettverbote ganzer Treffen bleiben bislang eher die Ausnahme.
Rechtliche Grundlage
Kleine private Treffen auf Privatgelände sind grundsätzlich erlaubt. Problematisch wird es, wenn öffentliche Verkehrsflächen betroffen sind, große Menschenmengen entstehen oder Behörden eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit sehen. Die aktuellen Verbote vieler Städte stützen sich deshalb häufig nicht direkt auf die Straßenverkehrsordnung, sondern auf das jeweilige Polizeirecht der Bundesländer. In Baden-Württemberg berufen sich Kommunen dabei auf das Polizeigesetz zur Gefahrenabwehr. Juristisch erfolgen die Maßnahmen meist über sogenannte Allgemeinverfügungen nach § 35 Verwaltungsverfahrensgesetz. Sie richten sich nicht an einzelne Personen, sondern an ganze Gruppen – etwa Teilnehmer der Tuning- oder Poser-Szene.
Zusätzlich greifen bei einzelnen Verstößen klassische Vorschriften aus Straßenverkehrsordnung und Strafrecht. Dazu zählen etwa § 30 StVO gegen unnötigen Lärm und sogenanntes "unnützes Hin- und Herfahren" sowie § 315d StGB gegen illegale Straßenrennen. In mehreren Allgemeinverfügungen nennen Städte ausdrücklich Burnouts, Drifts oder absichtliches Hochdrehen der Motoren als verbotene Verhaltensweisen.
Tuningszene nicht verteufeln
Dass legale Veranstaltungen weiterhin möglich sind, zeigen gleichzeitig große Events wie die Tuning World Bodensee. Solche Treffen sind organisiert, genehmigt und verfügen über feste Sicherheitskonzepte. Gleichzeitig zeigt sich aber auch dort regelmäßig, dass einzelne Teilnehmer gegen Vorschriften verstoßen. Rund um die diesjährige Messe stellte die Polizei bei Schwerpunktkontrollen unter den Anreisenden mehr als 370 Verstöße fest. Festgestellt wurden unzulässige technische Veränderungen, dabei wurden mehrere Fahrzeuge sichergestellt.
Trotzdem betonen viele Veranstalter und Teilnehmer, dass solche Fälle nicht die gesamte Szene widerspiegeln. Der Großteil der Besucher verhält sich regelkonform und nutzt Veranstaltungen wie die Tuning World Bodensee vor allem als Treffpunkt für den Austausch rund um Fahrzeugkultur und Automobiltechnik. Genau deshalb warnen viele in der Szene davor, pauschal alle Tuner oder größere Autotreffen mit illegalen Straßenrennen oder problematischen Poser-Treffen gleichzusetzen.





