US Army sucht neue Panzerhaubitzen: Kann Deutschland im "Probeschießen" überzeugen?

US Army sucht neue Panzerhaubitzen
Kann Deutschland im „Probeschießen“ überzeugen?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 28.06.2026
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Die Entscheidung könnte die Artillerie der US-Streitkräfte für die kommenden Jahrzehnte prägen. Die Erfahrungen aus dem Ukraine-Krieg haben gezeigt, dass moderne Rohrartillerie weiterhin eine zentrale Rolle auf dem Gefechtsfeld spielt. Gleichzeitig sind die Anforderungen gestiegen. Reichweite allein reicht längst nicht mehr aus. Gefragt sind heute hohe Automatisierung, schnelle Stellungswechsel und eine möglichst geringe Besatzungsstärke.

Warum die USA neue Panzer-Haubitzen testen

Die M109 bildet seit den 1960er Jahren das Rückgrat der amerikanischen Artillerie. Trotz zahlreicher Modernisierungen basiert das System noch immer auf einer Konstruktion aus der Zeit des Kalten Krieges.

Ein Nachfolger sollte ursprünglich im Rahmen des Programms Extended Range Cannon Artillery (ERCA) entwickelt werden. Nach technischen Problemen und steigenden Kosten stellte die US Army das Vorhaben jedoch ein. Stattdessen werden nun im Programm Self-Propelled Howitzer- (selbstfahrende Haubitze) -Modernization (SPH-M) bereits verfügbare Systeme untersucht, um die geeignetste Lösung für die künftige Artillerie auszuwählen.

Die Kandidaten im Überblick

Vier Kandidaten mit unterschiedlichen Konzepten

Obwohl alle vier Systeme dieselbe Aufgabe erfüllen, verfolgen ihre Entwickler unterschiedliche Ansätze. Die deutsche RCH 155 setzt konsequent auf Automatisierung. Die israelisch-amerikanische Sigma 155 nutzt eine besonders große Plattform mit hoher Munitionskapazität. Die schwedische Archer wurde für schnelle Feuerüberfälle entwickelt, während die französische Caesar auf Einfachheit und Einsatzerfahrung setzt.

Dadurch wird der Wettbewerb für die US Army besonders interessant. Es geht nicht nur um die Frage, welches System die höchste Leistung bietet, sondern auch darum, welches Konzept am besten zu den Anforderungen der amerikanischen Streitkräfte passt.

RCH 155 setzt auf maximale Automatisierung

Die deutsche RCH 155 kombiniert das Geschütz der Panzerhaubitze 2000 mit dem Boxer-Radfahrzeug. Das System gehört zu den modernsten Artillerielösungen weltweit.

Der Turm arbeitet vollautomatisch und benötigt lediglich zwei Soldaten. Laden, Richten und Schießen erfolgen automatisiert. Darüber hinaus kann die RCH 155 Ziele auch während der Fahrt bekämpfen. Diese Fähigkeit gilt als eines ihrer wichtigsten Alleinstellungsmerkmale. Für die US Army könnte besonders interessant sein, dass sich der Personalbedarf gegenüber älteren Systemen deutlich reduziert. Gleichzeitig bietet die RCH 155 einen sehr hohen Automatisierungsgrad bei Feuerleitung und Munitionierung.

Sigma 155 bringt den größten Munitionsvorrat mit

Die Sigma 155 von Elbit America basiert auf einem schweren Oshkosh-Fahrgestell mit fünf Achsen und 10x10-Antrieb. Allein das Fahrwerk unterscheidet sie deutlich von vielen Wettbewerbern.

Die große Plattform ermöglicht die Mitnahme von bis zu 40 Schuss Munition. Damit verfügt die Sigma über den größten bekannten Munitionsvorrat im Teilnehmerfeld. Auch der Turm arbeitet vollautomatisch. Hinzu kommt ein möglicher Vorteil im Wettbewerb. Das Oshkosh-Fahrgestell stammt aus amerikanischer Produktion und ist den US-Streitkräften bereits aus anderen Fahrzeugprogrammen bekannt.

Archer konzentriert sich auf schnelle Feuerüberfälle

Die schwedische Archer verfolgt ein anderes Konzept. Von Beginn an wurde das System auf schnelle Reaktionszeiten und rasche Stellungswechsel ausgelegt.

Die Haubitze kann innerhalb kurzer Zeit feuern und die Position anschließend wieder verlassen. Dieses Shoot-and-Scoot-Prinzip soll verhindern, dass gegnerische Artillerie oder Drohnen die Stellung erfolgreich bekämpfen können. Die Archer befindet sich bereits bei mehreren Streitkräften im Einsatz und gilt als technisch ausgereiftes System mit hoher Einsatzreife.

Was ist eigentlich eine Panzer-Haubitze?Eine Panzerhaubitze ist ein gepanzertes Artilleriefahrzeug, das Ziele aus großer Entfernung indirekt beschießt, oft über Entfernungen von 30 bis über 50 Kilometern. Ein Kampfpanzer hingegen bekämpft Gegner im direkten Sichtkontakt und ist für den Einsatz an der Frontlinie ausgelegt. Während ein Panzer eine starke Rundumpanzerung und eine Kanone für den direkten Kampf besitzt, liegt der Schwerpunkt der Panzerhaubitze auf Reichweite, Feuerkraft und präzisem Artilleriefeuer. Moderne Panzerhaubitzen können nach wenigen Schüssen ihre Stellung wechseln, um gegnerischem Gegenfeuer zu entgehen.

Caesar setzt auf bewährte Technik

Die französische Caesar gehört zu den bekanntesten Radhaubitzen Europas. Im Gegensatz zu einigen Konkurrenten setzt sie nicht auf einen großen automatisierten Turm, sondern auf ein vergleichsweise einfaches Konzept.

Das reduziert Gewicht, Wartungsaufwand und logistische Anforderungen. Gleichzeitig hat die Caesar ihre Fähigkeiten bereits unter realen Einsatzbedingungen unter Beweis gestellt. Vor allem die Erfahrungen aus der Ukraine werden von vielen Beobachtern als wichtiger Pluspunkt angesehen. Für die US Army könnte die Caesar deshalb eine interessante Alternative zu den technisch komplexeren Wettbewerbern darstellen.

Reichweite wird zum entscheidenden Faktor

Auf den ersten Blick unterscheiden sich die Kandidaten bei der Bewaffnung nur wenig. Alle vier Systeme setzen auf ein 155-Millimeter-Geschütz mit einer Rohrlänge von 52 Kalibern. Dieses Kaliber bildet seit Jahren den NATO-Standard für moderne Rohrartillerie und ermöglicht den Einsatz unterschiedlichster Munitionstypen.

Mit Standardmunition bewegen sich die Systeme meist im Bereich zwischen 30 und 40 Kilometern Reichweite. Moderne Base-Bleed-, Excalibur- oder raketenunterstützte Geschosse erhöhen diese Werte deutlich. Gerade die Erfahrungen aus der Ukraine haben gezeigt, dass größere Schussweiten zunehmend an Bedeutung gewinnen.

  • abhängig von Munition und Treibladung

KNDS arbeitet bereits an der nächsten Generation

Während die US Army aktuell Systeme mit 155-Millimeter-L52-Geschützen bewertet, arbeitet KNDS bereits an einer deutlich reichweitenstärkeren Lösung. Auf der Eurosatory 2026 stellte das Unternehmen erstmals die RCH 155 tracked LORAS vor. LORAS steht für Long Range Artillery System und nutzt eine neue 155-Millimeter-Waffenanlage mit einer Rohrlänge von 58 Kalibern. Nach Angaben von KNDS sollen damit bereits mit Standardmunition Schussweiten von bis zu 60 Kilometern möglich sein. Mit reichweitengesteigerter Munition werden sogar Entfernungen von bis zu 100 Kilometern genannt.

Die neue Waffenanlage basiert weiterhin auf dem Artillery Gun Module (AGM), das bereits bei der heutigen RCH 155 verwendet wird. Fähigkeiten wie der Feuerkampf während der Fahrt bleiben damit erhalten. Für die US Army dürfte diese Entwicklung interessant sein. Die Entscheidung über einen M109-Nachfolger wird Auswirkungen für die kommenden Jahrzehnte haben. Die Fähigkeit, künftige Geschütze mit längeren Rohren und deutlich größerer Reichweite zu integrieren, könnte daher ebenfalls eine Rolle spielen.

Mehr als ein klassisches Vergleichsschießen

Bei SPH-M handelt es sich nicht um ein einzelnes Vergleichsschießen auf einem Truppenübungsplatz. Die Army plant vielmehr eine umfassende Erprobung über einen längeren Zeitraum. Die Kandidaten müssen dabei nicht nur ihre Feuerkraft unter Beweis stellen. Ebenso wichtig sind Mobilität, Zuverlässigkeit, Wartungsaufwand und die Integration in bestehende Logistikstrukturen. Die Streitkräfte wollen herausfinden, welches System sich im täglichen Betrieb bewährt und langfristig wirtschaftlich betrieben werden kann.

Neben Schießtests gehören deshalb auch Mobilitätsversuche, Belastungstests und Bewertungen durch Soldaten zu den geplanten Untersuchungen. Die Army betrachtet die Haubitzen nicht nur als Geschütze, sondern als vollständige Waffensysteme.

Wer hat auf dem Papier die Nase vorn?

Fazit