Stellen Sie sich vor, in Ihrem Auto ist eine Alarmanlage verbaut, von der Sie nichts wissen, und diese hat eine kritische Sicherheitslücke. So können Unbefugte das Auto entriegeln und sogar den Motorstart blockieren. Was wie ein fiktives Szenario klingt, ist in den USA für zwei Millionen Autohalter Realität.
Wie das US-Magazin The Drive unter Berufung auf Forscher der University of California, San Diego (UCSD) berichtet, sind Alarmanlagen des Herstellers Karr von einer gravierenden Schwachstelle betroffen. Das Problem: Die Systeme werden von Autohändlern oft standardmäßig eingebaut und verbleiben auch dann im Fahrzeug, wenn der Käufer sich gegen das kostenpflichtige Aktivierungs-Abonnement entscheidet.
Die Forscher der UCSD fanden heraus, dass das System über seine Bluetooth-Schnittstelle ungeschützt ist. Ein Angreifer, der sich in Bluetooth-Reichweite des Fahrzeugs befindet, kann mit der passenden Software Befehle direkt an die Steuereinheit der Alarmanlage senden. Somit kann der Unbefugte etwa die Türen entriegeln, die Zündung deaktivieren, damit der Motor nicht startet oder einen Alarm auslösen.
Besonders kritisch ist, dass das Bluetooth-Modul der Alarmanlage bis zu zehn Minuten nach dem Abstellen des Fahrzeugs aktiv bleibt. Dies erweitert das Zeitfenster für einen möglichen Angriff.
Warum ist die Technik verbaut?
Der Grund für die weite Verbreitung der Karr-Systeme liegt an den US-Autohändlern. Sie installieren die Module zunächst zur Überwachung und als Diebstahlschutz für die Fahrzeuge auf ihrem eigenen Gelände. Beim Verkauf des Wagens wird dem Kunden dann angeboten, die Funktionen der Alarmanlage gegen eine regelmäßige Gebühr freizuschalten.
Lehnt der Kunde dieses Angebot ab, wird die verbaute Hardware häufig nicht entfernt. Sie verbleibt als funktionslose, aber technisch aktive und damit verwundbare Komponente im Fahrzeug – oft ohne Wissen des neuen Besitzers.
Der Hersteller Karr reagierte auf die Veröffentlichung der Sicherheitslücke. In einer Stellungnahme gegenüber dem amerikanischen Technik-Magazin Wired bezeichnete ein Sprecher das Risiko für Kunden als "gering" und den Angriff als "hochkomplex". Dennoch habe man ein Firmware-Update entwickelt, um das Problem zu beheben. Kritiker merken an, dass zwischen der Meldung der Schwachstelle durch die Forscher und der Bereitstellung des Updates 18 Monate vergingen.
Die Sicherheitsexperten der UCSD widersprechen der Einschätzung des Herstellers deutlich. Einer der beteiligten Forscher nannte die Schwachstelle "wahrscheinlich die bisher schlimmste" Bedrohung durch Auto-Hacking.
Was können Besitzer tun?
Karr stellt das notwendige Firmware-Update über eine Smartphone-App zur Verfügung, die jeder herunterladen kann. Das größte Problem für betroffene Autofahrer ist jedoch, überhaupt zu erkennen, ob ein solches System in ihrem Fahrzeug verbaut ist. Ein Hinweis können Aufkleber mit der Aufschrift "Karr" oder "SWDS" (ein Partnerunternehmen) an den Seitenscheiben sein. Im Zweifelsfall wird Besitzern geraten, direkt bei dem Händler nachzufragen, bei dem sie das Fahrzeug gekauft haben.





