Rund 300 Einsatzkräfte kämpfen gegen die Flammen, mehrere Hubschrauber unterstützen die Löscharbeiten aus der Luft. Der Ortsteil Gey wurde wegen des näher rückenden Feuers vollständig evakuiert. Die Autobahn GmbH sperrt auch ab sofort die Ausfahrten von der A4 in den Anschlussstellen Düren und Langerwehe. Diese beiden Ausfahrten werden als Rettungszufahrten für die Einsatzkräfte benötigt. "Derzeit kann keine Dauer der Sperrung genannt werden", heißt es. Sowohl die A4 zwischen Düren und Langerwehe als auch die Auffahrten sind weiterhin geöffnet.
Bergepanzer sollen Schneisen schaffen
Bei den Kettenfahrzeugen handelt es sich um Bergepanzer 2 des Heeres. Die auf dem Leopard 1 basierenden Fahrzeuge sind eigentlich dafür gebaut, liegengebliebene oder beschädigte Panzer zu bergen. Im Hürtgenwald übernehmen sie eine andere Aufgabe. Sie helfen dabei, Wege und Schneisen im Wald freizumachen.
Bei der Brandbekämpfung versuchen die Einsatzkräfte, dem Feuer brennbares Material zu entziehen. Dazu werden Bäume gefällt, Böden bearbeitet und anschließend gewässert. So entstehen Schneisen, an denen sich das Feuer möglichst nicht weiter durch den Wald ausbreiten soll. Feuerwehrsprecher Peter Berndgen bezeichnete dieses Vorgehen gegenüber der Deutschen Presse-Agentur als mechanische Brandbekämpfung.
Genau dabei können die beiden Bergepanzer helfen. Der Bergepanzer 2 besitzt an seiner Front ein 3,25 Meter breites Räum- und Stützschild. Damit kann er Hindernisse beiseiteschieben und Erdreich bewegen. Hinzu kommen eine Hauptwinde sowie ein schwenkbarer Kran.
Weltkriegsmunition erschwert die Löscharbeiten
Der Einsatz des schweren Geräts hat im Hürtgenwald noch einen weiteren Hintergrund. Teile des Waldes sind stark mit Kampfmitteln aus dem Zweiten Weltkrieg belastet. Während des Feuers ist in der Nacht bereits alte Munition explodiert. Landrat Ralf Nolten erklärte der dpa, dass einzelne Feuerwehrleute nicht einfach mit Löschrucksäcken in das betroffene Gelände geschickt werden könnten.
Der Hürtgenwald war 1944 und 1945 Schauplatz schwerer Kämpfe zwischen deutschen und amerikanischen Truppen. Noch heute werden in der Region Kampfmittel gefunden. Für die Brandbekämpfung bedeutet das ein zusätzliches Risiko, weil Feuer und Hitze verbliebene Munition zur Explosion bringen können. Die Panzerung der Bergefahrzeuge bietet der Besatzung bei den Arbeiten zumindest einen erheblich höheren Schutz als ein ungeschütztes Fahrzeug.
Bergepanzer 2 basiert auf dem Leopard 1
Technisch stammt der Bergepanzer 2 aus der Leopard-1-Familie. Statt eines Drehturms mit Kanone besitzt das Fahrzeug einen gepanzerten Aufbau und die für seine Bergeaufgaben benötigte Ausrüstung. Die Besatzung besteht aus vier Soldaten.
Für den Antrieb sorgt der MTU MB 838 CaM 500, ein Zehnzylinder-Mehrstoffmotor mit 37,4 Litern Hubraum. Er leistet 610 kW beziehungsweise 830 PS. Damit erreicht der knapp 40 Tonnen schwere Bergepanzer auf der Straße bis zu 62 km/h. Das Kettenfahrwerk mit sieben Laufrollen pro Seite stammt aus der Leopard-1-Familie.
Die technischen Daten beziehen sich auf den Bergepanzer 2 Standard. Einzelne Werte unterscheiden sich bei späteren Varianten wie dem Bergepanzer 2A2.
Ein fast 60 Jahre altes Fahrzeug
Der Bergepanzer 2 gehört zur ersten Generation der Unterstützungsfahrzeuge auf Basis des Leopard 1. Seine Konstruktion geht auf die 1960er-Jahre zurück. Damit ist die Technik deutlich älter als beim heutigen Bergepanzer 3 Büffel, der auf dem Leopard 2 basiert.
Der Büffel ist für wesentlich schwerere Fahrzeuge ausgelegt. Er wiegt bereits in der Grundausführung 55,3 Tonnen, verfügt über 1.103 kW beziehungsweise 1.500 PS und eine Krananlage mit einer Hubkraft von 30 Tonnen. Die Bundeswehr nennt neben dem Bergen und Abschleppen ausdrücklich auch das Räumen von Hindernissen und Erdarbeiten als Aufgaben des Büffels.
Kampf gegen das Feuer
Während die beiden Bergepanzer am Boden arbeiten, läuft die Brandbekämpfung auch aus der Luft weiter. Nach Angaben des Kreises Düren sind rund 300 Einsatzkräfte von Feuerwehr, THW, DRK, Maltesern und Bundeswehr beteiligt. Löschhubschrauber werfen Wasser über dem betroffenen Waldgebiet ab. Die Feuerwehr setzt dabei auch auf größere Maschinen der Bundespolizei, die mehr Wasser transportieren können.
Besonders angespannt war die Situation in der Nacht zum Freitag. Wechselnde und teilweise starke Winde erschwerten die Arbeiten. Einsatzkräfte mussten sich zeitweise zurückziehen, damit sie nicht vom Feuer eingeschlossen wurden. Die Flammen kamen dem Ortsteil Gey zeitweise bis auf rund 400 Meter nahe.
Gey vollständig evakuiert
Wegen der Entwicklung des Feuers ordnete die Feuerwehr kurz vor 4:00 Uhr die Evakuierung von Gey an. Die Räumung wurde am Freitagmorgen abgeschlossen. Rund 1.800 Einwohner mussten ihre Häuser und Wohnungen verlassen. Für Menschen, die Unterstützung benötigen, wurde eine Anlaufstelle in der Grundschule Straß eingerichtet.
Auch außerhalb des unmittelbaren Brandgebiets sind die Auswirkungen zu spüren. Rauch zog am Freitag bis in Teile der Stadt Düren. Über die Warn-App NINA wurde unter anderem für Gürzenich, Derichsweiler, Rölsdorf, Birgel und Berzbuir vor Rauchniederschlag gewarnt. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten.





