Die malerisch im Abendlicht liegende Felswand zur Linken schimmert dunkelrot, silbern glitzert auf der anderen Seite das Mittelmeer. Weit unten. Ja, wir sind in Frankreich. Und ja, es ist schön hier. Doch unter der gestreckten Motorhaube vorn schreit sich ein Vierzylinder Richtung 7000 die Seele aus dem Block, vorbei die Romantik. Bremszone! 300, 200, 150 – progressiv ins mittlere Pedal. Dann Bremse auf, einlenken, und schon stürzt der kleine graue Roadster die skipistensteile Bergabpassage zur fiesen, aber rettend komprimierenden Doppelrechts hinab.
So ein MX-5 kann beides: flowigen Landstraßen-Swing und den Hardrock des Race-Tracks. Frontmotor, Heckantrieb, Sperre, 50 : 50- neutrale Gewichtsverteilung, 184 gleichmäßig aufbauende Sauger-PS, knackig-kurze Schaltung, präzise Lenkung. Ein sportlicher Asket, fair, fahraktiv und mit dem Mut, auf hinterlistige Regelelektronik im Hintergrund zu verzichten. Ein Sportwagen, der viel zu erzählen hat: über die Straße und den Grip, der dich mit ihr verbindet.
Dem Reifen aufs Profil gefühlt
Grip ist Haftung, ist Sicherheit. Davon können Reifen nie genug haben. Auch darüber weiß die kleine, graue Petze viel zu berichten. Und das tut sie, schonungslos und direkt. Die Wege zwischen Radaufhängung und Lenkrad sind kurz. So kurz wie die Federwege und so straff wie die Polsterung der Sitzschale. Doch nur so finden die verlängerten Nervenbahnen des Testfahrers den Weg ins Zentrum von Haft- und Gleitreibung, zu dem Punkt, wo Grip entsteht: in der Aufstandsfläche der Reifen.
Hier sind jetzt Sportreifen gefragt. In 205er-Breite? Ist das nicht ein wenig mager? Bei einem Fahrzeuggewicht von knapp 1000 Kilogramm nicht. Dann ist genau das richtig. Weil sich der leichte, flexible, an diese Fahrzeuggewichte angepasste Reifen doch etwas flauschiger an den Fahrbahnbelag anpasst als die meisten steifseitenwandigen und gewichtsbelastbaren Breitwalzen der Fahrzeuge, die man heute Sportwagen nennt.
Diese Reifen haben wir getestet
Klar ist aber auch, dass wir uns mit dieser Reifenbreite stets im Grenzbereich befinden. Nicht im fahrdynamischen, sondern dem wie zwei interstellare Dimensionen voneinander entfernten Bereich zwischen HP- und UHP-Reifen. Wie diese Reifenkategorien, die sich unterscheiden wie Touring und Sport, Swing oder Rock, auseinanderzuhalten sind, kann auch die Reifenindustrie nicht trennscharf bestimmen. Uns ist es schlichtweg egal. Denn nicht die Produktgruppe entscheidet, wie gut der Reifen auf einem bestimmten Fahrzeug performt, sondern seine Leistungen und seine Charakteristik. Und so balgt sich in diesem Test ein buntes Feld aus Touring-, Premium- und Sportreifen um die Favoritenrolle am Mazda MX-5.
Bridgestone Potenza Sport evo
Gesamtwertung: 9,2, auto motor und sport-Urteil: überragend

Fahraktiver Reifen mit hohen Haftungsreserven auf nasser wie auch auf trockener Fahrbahn
Primär untersteuernd, dennoch fein per Lastwechsel steuerbar
Kleine Defizite im Längsaquaplaning wie auch im Komfort
Etwas lauteres Vorbeirollgeräusch
Goodyear Eagle F1 Asymmetric 6
Gesamtwertung: 8,6, auto motor und sport-Urteil: sehr gut

Ausgewogene Leistungen nass und trocken
Direktes, präzises Lenkverhalten
Fordernder, sehr sportlich fahrbarer Reifen
Guter Abrollkomfort
Nervöses, lastwechselempfindliches Fahrverhalten
Schmaler Grenzbereich
Kleine Defizite im Queraquaplaning
Falken Azenis FK520
Gesamtwertung: 8,6, auto motor und sport-Urteil: sehr gut

Sehr sicherer Reifen durch überragend kurze Bremswege
Sicher untersteuernd, jedoch flachen Lenkwinkelreserven
Etwas zu ausgeprägtes Untersteuern auf Nässe
Defizite im Queraquaplaning
Continental PremiumContact 7
Gesamtwertung: 8,3, auto motor und sport-Urteil: sehr gut

Sehr ausgewogener, sportlicher und lenkpräziser Allrounder
Gleichermaßen guten Nässe- und Trockeneigenschaften
Gute Aquaplaningvorsorge
Angenehmer Abrollkomfort
Außer einem etwas lauteren Vorbeirollgeräusch kaum nennenswerte Schwächen
Keine herausragenden Eigenschaften
Michelin Pilot Sport 5
Gesamtwertung: 7,9, auto motor und sport-Urteil: gut

Ordentliche Verzögerungsleistungen auf nasser und trockener Straße
Sehr präzises und verlässliches Handling in trockenen Kurven
Beste Fahrzeugbalance
Schwacher Kurvengrip
Geringe Fahrstabilität und Lastwechselempfindlichkeit auf Nässe
Kleine Defizite im Längsaquaplaning
Etwas lauteres Vorbeirollgeräusch
Linglong Sport Master
Gesamtwertung: 7,4, auto motor und sport-Urteil: gut

Sehr kurze Bremswege auf Nässe
Guter Abrollkomfort
Etwas längere Bremswege auf trockenem Asphalt
Sehr instabiles, lastwechselempfindliches Fahrverhalten – auch im Spurwechsel
Geringe Reserven
Träges Anlenken
Kleine Defizite im Queraquaplaning
Firestone Roadhawk 2
Gesamtwertung: 5,7, auto motor und sport-Urteil: ausreichend

Überragende Aquaplaningsicherheit in Kurven
Geringe Haftungsreserven
Schwaches Lenkungsfeedback
Instabiles Lastwechselverhalten besonders auf Nässe
Zu lange Bremswege auf Nässe (Abwertung)
Lange Bremswege auch auf trockenem Asphalt
Etwas lauteres Vorbeirollgeräusch
Testfeld aus Touring und Sport
Mit dabei sind der neue Bridgestone Potenza Sport evo, der Conti PremiumContact 7, der bewährte Falken Azenis FK520, der Firestone Roadhawk 2 und der Goodyear Eagle F1 Asymmetric 6. Der mutmaßlich Günstigste im Test, der Linglong Sport Master, und der erfahrungsgemäß Teuerste, der Michelin Pilot Sport 5, runden das Feld ab.
Ziel des Tests ist, neben dem reinen Performance-Vergleich der einzelnen Produkte, auch deren unterschiedliche Charakteristik heraus- zuarbeiten und für Sie als Leser überschaubar darzustellen. Weil nur Sie wissen, ob Ihr Reifen eher fordernd, sportlich und Performance-orientiert oder eher komfortabel, sicher und fehlerverzeihend sein soll.
Während wir in unserer Ergebnistabelle die Reifen – wie üblich – nach ihrer Gesamtperformance und -note auflisten, haben wir sie in der Grafik auf Seite 53 nach ihrer Charakteristik eingeordnet: links die sportlichen, rechts die eher gemütlich-komfortablen. Die Höhen- lage des Namensfelds zeigt die Gesamtperformance.
Ganz in der Mitte als ausgewogenster Reifen zwischen Sport und Komfort, aber auch im Verhältnis seiner Nass- und Trockeneigenschaften: der Conti PremiumContact. Trotz seinem eher Touring-Qualitäten versprechenden Namen gefällt er mit hoher Lenkpräzision, schnellem Lenkansprechen, sicherer Balance und geringer Lastwechselempfindlichkeit bei sehr angeneh- mem Abrollkomfort.

Sicherheit fordert kürzeste Bremswege. Immer. Und immer wieder. Wir prüfen das nach.
Mit tendenziell trägerem Lenkverhalten und ausgeprägterem, aber sicherem Untersteuern etwas weniger dynamisch: der Falken. Mit seinen überragenden Bremsleistungen, trocken wie nass, übertrifft er – trotz Defiziten im Aquaplaning –den Conti um eine Nasenlänge in der Gesamtperformance. Aus sportlicher Sicht fast schon lethargisch und damit in unserer Grafik noch weiter rechts: der Linglong. Er wurde offensichtlich primär auf bestes Bremsen bei Nässe optimiert. So lassen sich, das wissen die Entwickler, die meisten Punkte im Test sichern. Auf Lenkbefehle aber reagiert er sehr träge, auf Lastwechsel spitz und instabil mit spontanem Haftungsabriss hinten. Von den Tugenden eines leicht kontrollierbaren und fehlerverzeihenden, weil ausentwickelten Markenprodukts ist der in Serbien produzierte Günstig-reifen noch weit entfernt.
Komfort oder Sport
Dennoch sortieren wir ihn nicht ganz hinten ein. Dort findet sich der Firestone Roadhawk wieder. Ihm kreiden wir zu seinem apathischen und instabilen Handling auch die zu langen Bremswege, insbesondere auf Nässe, an. Zwar hält er mit überragender Aquaplaningvorsorge und bester Spritspar-Effizienz dagegen, das Ruder herumreißen kann er damit jedoch nicht.
Jetzt geht’s in Richtung Sport: Etwas dynamischer als der harmonische Conti positioniert sich der Michelin Pilot Sport 5. Besonders auf trockenem Asphalt gefällt er mit beeindruckender Lenkpräzision, hoher Agilität sowie eindeutiger und sicherer Balance. Auf Lastwechsel bei Nässe reagiert er allerdings etwas unvermittelt mit einem deutlichen Sidestep des Hecks. Nasshaftung ist generell nicht seine Stärke, weshalb er sich in der Gesamtnote hinter Conti einsortieren muss.
Keinerlei Scheu vor dem nassen Element scheint hingegen Bridge-stones neuer Potenza Sport evo zu haben. Mit kurzen Bremswegen, beeindruckendem Kurvengrip und überwiegend ordentlichen Sicherheitsreserven, wenn’s mal etwas kräftiger pladdert und Aquaplaning droht. Eine gepflegte Untersteuertendenz und breite Haftungsreserven, sollte er dennoch mal ins Rutschen kommen, machen ihn dabei einfach und sicher beherrschbar.
Überragend auf Nässe? Dafür ist er trocken schwach, oder? Mitnichten. Auch hier gibt er sich bei hoher Sicherheit durch sehr kurze Bremswege fahraktiv, dynamisch, aber bestens kontrollierbar. Trotz einem kleinen Schönheitsfehler beim Kurvenaquaplaning und seinem nicht so soften Abrollkomfort erreicht er die höchste Punktzahl des Tests; ein verdienter Testsieger. Ist der Beste auch der Sportlichste? Nein, dafür ist er zu brav, zu sicher.

Wer aufschwimmt, fliegt raus! So war es schon immer beim Prüfdurchlauf zum Queraquaplaning.
Den Titel "Sportlichster Reifen des Tests" sichert sich der Goodyear Eagle F1 Asymmetric 6, der mit höchstem Kurvengripniveau und sehr neutraler Fahrzeugbalance den Sportfahrer herausfordert. Im Regen kommt er zwar nicht ganz an die Leistung des Bridgestone heran, auf der trockenen Rundstrecke ist er ihm jedoch in subjektiven Kriterien überlegen und damit der vom Könner letztlich defini- tiv fahraktiver zu bewegende Reifen.
Wenn wir Ihnen nun drei Reifen empfehlen dürften? Ja? Dann den universellen und komfortablen Conti für entspanntes bis ambitioniertes Cruisen auf Landstraßen, den dynamischen Bridgestone, weil er objektiv gesehen alles am besten kann, und subjektiv den Goodyear, weil er – bei aller Sicherheit – selbst auf dem Race-Track einfach am meisten Fahrspaß mitbringt.
Die Räder im Test
In diesem sport auto-Reifentest kamen für den Vier-Loch-Radanschluss des Mazda MX-5 Borbet-N-Leichtmetallräder zum Einsatz. Das 10-Speichen-Design überzeugt mit klarer, ausgewogener Formensprache und unterstreicht den charakteristischen Auftritt des kompakten Roadsters.
Neben dem klassischen Finish in Crystal Silver ist die Borbet-N-Felge auch in Black Glossy, E-Grey sowie Bronce (nur Fünf-Loch) erhältlich. Mit einer maximalen Traglast von 850 Kilogramm in 19 Zoll und verschiedenen Vier- und Fünf-Loch-Anbindungen eignet sich das Rad- design für zahlreiche Fahrzeuge der Klein- und Kompaktklasse sowie für SUV.
Das Rad, hier in 7 J x 17 Zoll, ist in zwei Einpresstiefen (ET) am Mazda zugelassen: ET 38 bringt zwar eine etwas breitere Spur, beschränkt jedoch die eintragungsfreien Reifendimensionen auf 195/40 R 17, 195/45 R 17 und 205/40 R 17. Die Variante mit ET 44 erlaubt, ebenso per ABE eintragungsfrei, zusätzlich noch die Reifengrößen 205/45 R 17 oder 215/40 R 17 zu montieren. Bei werksseitig montierter Brembo-Bremse können die Räder jedoch nicht verbaut werden.
Weitere Infos unter www.borbet.de
Fahrversuche auf nassem Asphalt

Fahrversuche auf nassem Asphalt mit den Kategorien: Bremsen, Seitenführung, Handling, Aquaplaning längs und quer.
Fahrversuche auf trockenem Asphalt

Fahrversuche bei trockenem Asphalt. Wie schneiden die Bremsen, das Handling, der Rollwiderstand und das Abrollgeräusch ab?
Die Testergebnisse im Überblick













