80 Jahre, 80 Tests - auto motor und sport

80 Jahre auto motor und sport
Historische Tests aus acht Jahrzehnten

Historischer Autotest auto motor und sport testet Mercedes-Benz W111 Coupé auf Teststrecke
Foto: Julius Weitmann

Rennfahrer Paul Pietsch wollte nach dem Krieg wieder Rennen fahren. Zusammen mit zwei Freunden gründete er 1946 die Zeitschrift "Das Auto". Eine Erfolgsgeschichte begann.

Die Zeiten waren hart, so direkt nach dem Krieg. Geld war Mangelware, und Geld musste beschafft werden. Schließlich wollten Paul Pietsch und seine Freunde Ernst Troeltsch und Josef Hummel wieder in den Rennsport einsteigen. Pietsch, erfolgreicher Privat- und Werksfahrer, hatte es immerhin bis in den Auto-Union-16-Zylinder geschafft, war einer der schnellsten Privatfahrer und brannte vor Ehrgeiz. Was tun?

"Das Auto" erscheint 1946 gegen Widerstände

Als Automobil-Enthusiasten kam den dreien die Idee, eine Zeitschrift aufzulegen. Es gab zwar kaum Papier und schon gar keine Genehmigung, aber dank zäher Verhandlungen und einer in den französischen Nationalfarben gehaltenen Nullnummer erteilte ein französischer Presseoffizier schließlich die Erlaubnis. Zuvor war er noch der Meinung: "In Deutschland wird es nie mehr so viele Autos geben, dass man eine Automobilzeitschrift brauchen wird!" Nun, er sah sich bald getäuscht, und die drei fertigten schnell die erste Ausgabe von "Das Auto" – natürlich mit einem Rennsportmotiv als Titel.

Als PR-Aktion hatte man sich nämlich ausgedacht, gleich das erste im Nachkriegsdeutschland stattfindende Rennen zu nutzen und "Das Auto" unter das rennbegeisterte Volk zu bringen. Beim Ruhestein-Bergpreis im Schwarzwald verteilte Paul Pietsch fleißig die ersten gedruckten Exemplare, die offensichtlich blendend ankamen.

Schnell 30.000 Exemplare verkauft

Schon nach kurzer Zeit waren die 30.000 Exemplare restlos ausverkauft. Somit war klar: Man musste "Das Auto" regelmäßig bringen. Nachkriegsdeutschland war hungrig auf Autos, versprachen sie doch Freiheit und Mobilität, wie sie noch nie davor erlebbar waren.

Die ersten Ausgaben verkauften sich prächtig, und so gründeten die drei einen Verlag, die Motor Sport GmbH in Freiburg. Die "Baracke", wie das erste Verlagshaus bis heute genannt wird, war also der Anfang der Motor Presse Stuttgart. Bald erhöhten die Jungverleger die Erscheinungsfrequenz der Zeitschrift auf monatlich. Limitierender Faktor war dabei das lieferbare Papier. Die gedruckte Auflage war fast immer ausverkauft. Und so konnte Pietsch auch seinen ursprünglichen Plan verwirklichen, wie er in einem Interview Jahrzehnte später erzählte: "Natürlich hatten wir vor, wieder in den Motorsport einzusteigen. Dazu brauchten wir Geld, das wir mit der Zeitschrift ‚Das Auto‘ verdienen wollten." Der große Erfolg der Zeitschrift und der baldige Ausstieg von Josef Hummel, der sich dem Ölgeschäft widmete, erforderten volles Engagement. So wuchs der Verlag sehr schnell, und bald zog man von Freiburg nach Stuttgart um. Dort wurde ja auch seit 1947 "Das Auto" gedruckt.

Entstand 1951: "Das Auto + Motor und Sport"

Als 1950 bekannt wurde, dass der Vogel Verlag aus Würzburg die renommierte Wochenzeitschrift "Motor und Sport" wieder aufleben lassen wollte, setzten Pietsch und Troeltsch auf Kooperation. Zusammen gründete man 1951 die Vereinigten Motor-Verlage. Die Zeitschrift wurde in "DAS AUTO + MOTOR UND SPORT" umbenannt.

Paul Pietsch konnte nun auch wieder seiner Leidenschaft, dem Rennsport, nachgehen. In einem Veritas-Meteor-Formel-2 gewann er ab 1950 wieder Rennen. Auf seiner Hausstrecke, dem Schauinsland bei Freiburg, war er jahrelang fast unschlagbar. Nach einem schweren Trainingsunfall auf der Avus beendete Pietsch seine Rennfahrerkarriere und widmete sich ganz dem Verlag. Es sollte sich auszahlen, denn damit begann der unaufhaltsame Aufstieg des Verlags zum heute größten Fachmedienverlag Europas.