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Honda e Prototype (2019) im Fahrbericht

Was kann der kleine Elektro-Japaner?

Als Honda den Urban EV in 2017 erstmals in Tokio vorstellte, war das Staunen groß. Das kantige Retro-Design der Japaner traf genau ins Schwarze. Auch nachdem Anfang 2019 in Genf dann die seriennahe Studie e Prototype mit deutlich mehr Rundungen gezeigt wurde, blieben die Meinungen beim Publikum und in der Fachpresse weitgehend positiv. Kann der kleine Hecktriebler auch beim Fahren überzeugen?

Eines sei vorweg verraten: Die Kombination aus niedrigem Schwerpunkt, Einzelradaufhängung, 50:50 Gewichtsverteilung und Heckantrieb, verhilft nicht nur bei Verbrennern zur Fahrfreude.

Doch alles der Reihe nach. Also zunächst nehmen wir noch einmal Platz, drücken den Startknopf, legen über die Tasten in der Mittelkonsole Fahrstufe D ein und bewegen den kleinen Stromer langsam auf den kleinen, abgesteckten Parcours, den Honda in der Nähe von Frankfurt für uns vorbereitet hat. Darin enthalten: Ein Rondel, eine Beschleunigungsstrecke, ein kleiner Slalom und weite Kurven auf griffigem Asphalt – und ein Aufpasser auf dem Beifahrersitz, der all zu viel Experimentierfreude der Testfahrer Einhalt gebieten soll.

Die erste Enttäuschung gibt es auf der Geraden

Honda e Prototype, Interieur
Honda
Die Ausstattung hat es ganz schön in sich: Kameras statt Außenspiegel, drei Displays für Armaturenbrett und Cockpit und allerlei Vernetzungs- und Infotainmentchichi.

Nach einer kleinen Proberunde beginnen wir auf der Geraden. Also Pedal bis auf den Batteriedeckel des 35,5 kWh-Akkus im Unterboden getreten und ab geht‘s. Die 150 PS und mehr als 300 Newtonmeter maximales Drehmoment des Heckmotors gehen Elektroauto-typisch promt ans Werk und schieben den kleinen Viersitzer auf der kurzen, rund 100 Meter langen Geraden zügig auf 100 Kilometer die Stunde – und sorgen dabei für eine kleine Enttäuschung. Nicht, dass der kleine Japaner träge wäre, denn das ist er mitnichten. Er absolviert die Aufgabe nur so unbeeindruckt und souverän, dass er beinahe gelangweilt wirkt. Denn von einem regelrechten Schlag ins Genick, wie es etwa das Tesla Model 3 seinem Fahrer verpasst, ist nicht zu spüren. Stattdessen zieht der kleine Elektrojapaner komfortbewusst, stetig beschleunigend, wie an einer Schnur gezogen ab. Ohne Traktionsprobleme, ohne Nervosität, ohne Kapriolen. Herrlich.

Genau so geht es im Rondel weiter. Einmal die Linie angepeilt, hält der Honda e Prototype die Spur, unter- oder übersteuert auch bei höherem Tempo nicht, wenngleich der besagte Aufpasser mit kritischem Blick dafür sorgt, dass wir das Heck auf den anderthalb Runden im Kreis nicht zum Fliegen bringen. Schade eigentlich, aber auch durchaus verständlich, schließlich sind Prototypen noch teurer als die ohnehin hochpreisige Serienversion es sein wird. Auf Rückfrage heißt es, der Wagen soll über 30.000 Euro kosten, dann aber auch ordentlich ausgestattet sein, mit Kameras statt Außenspiegel, drei Displays für Armaturenbrett und Cockpit und allerlei Vernetzungs- und Infotainmentchichi. Aber dieser Preis ist eine Ansage. Dennoch ist man sich bei Honda sicher, dass er dennoch nicht das Aus für den Honda e bedeuten muss. Man habe schon über 370 Vorbesteller, die eine Anzahlung von 800 Euro geleistet haben – ohne das Auto, den Endpreis und die finalen Konditionen zu kennen. Die für Deutschland vorgesehenen 1.500 Fahrzeuge sollen also ihre Käufer finden, meint der Hondamann optimistisch.

Ein Mini-Konkurrent aus Japan?

Honda e Prototype im Fahrbericht
58 Sek.

Optimistisch verlassen wir auch den Kreisel in Richtung der Schikane mit ihren weiten Radien und versuchen das Fahrwerk mit höherer Geschwindigkeit doch noch aus der Reserve zu locken. Aber trotz, oder vielleicht auch gerade wegen seiner üppigen 1,5 Tonnen lässt sich der Honda e Prototype nicht aus der Ruhe bringen. Er liegt satt auf dem schwarzen Teerband und folgt jeder Lenkbewegung präzise durch den Parcours, ohne den Fahrer Rückmeldung vermissen zu lassen. Auch dann nicht, als die Radien kleiner werden und es in die kurze Slalomstrecke übergeht. Man ist geneigt, den Vergleich mit einem Mini in den Raum zu stellen – dessen Stromer übrigens nur auf einen Frontantrieb setzen werden. Aber der Honda ist so agil, leichtfüßig und wendig, wie es sonst wohl nur dem Briten unterstellt.

Apropos Wendigkeit: Da der Honda e Prototype vor allem für die Stadt konzipiert ist, darf es an einer Disziplin nicht mangeln. Dem Parken. Das haben wir zwar nicht explizit abgeprüft, dafür aber eine der wichtigsten Teildisziplinen: Den Wendekreis. Zum Vergleich, ein zweisitziger Smart Fortwo kommt auf 7,1 Meter und Renault Twingo oder Smart Forfour benötigen rund 8,9 Meter. Der kleine Honda Stromer zirkelt in 8,6 Metern um die eigene Achse und bietet mit seinen serienmäßigen Kameraspiegeln während der Trockenübung eine hervorragende Rundumsicht. Selbst wechselnde Lichtverhältnisse steckt das Kamerasystem bestens weg. Das haben wir beim Audi E-Tron schon anders erlebt. Aber der ist mit seiner üppigen Reichweite und wuchtigen Abmessungen ohnehin nichts für die Häuserschluchten in der Stadt mit ihrem Licht- und Schattenspiel.

Und wie schlägt sich der Honda e Prototype auf dem Land? Das muss der Test mit dem Serienmodell zeigen. Allzu große Ausflüge sollte man sich aber nicht versprechen. Denn aus den einst angekündigten 200 Kilometer WLTP-Reichweite wurde zwar ein „über 200 Kilometer“, für weite Strecken wird das aber noch immer nicht reichen. Immerhin: Nach 30 Minuten an der Ladesäule soll der Akku wieder zu 80 Prozent geladen sein. Allerdings nur, wenn er an einer mit Schnellladeanschluss CCS hängt, die ihn mit 60 Kilowattstunde versorgt.

Honda e Prototype, Exterieur
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Fazit

In Sachen Design und Fahreigenschaften setzt Honda gleich mit seinem ersten reinen Elektroauto ein echtes Zeichen. Bleibt zu hoffen, dass es erst den Anfang markiert. In Sachen Preis und Reichweite müssen die Japaner nämlich noch kräftig nachlegen. Denn mit rund 200 km Reichweite und einem Kaufpreis von über 30.000 Euro begann vor 6 Jahren bereits die wenig erfolgreiche Geschichte des BMW i3.

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