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06/2020, Lordstown Endurance Lordstown Motors
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06/2020, Lordstown Endurance 18 Bilder

Lordstown Endurance (2020)

So sieht der Elektro-Pickup innen aus

Nach Rivian, Bollinger und einigen anderen versucht sich jetzt ein neues Startup am Bau eines Pickups mit Elektroantrieb. Und reaktiviert dafür ein altes GM-Werk. Inzwischen steht auch der Preis fest – und es gibt erste Innenraum-Bilder.

Lordstown im Bundesstaat Ohio beherbergte über 50 Jahre eines der größten US-Werke des Autogiganten General Motors. Seit Mitte der 60er Jahre sind dort mehr als 16 Millionen Autos vom Band gerollt, darunter Ikonen wie die Chevrolet-Limousinen Caprice und Impala, der Pontiac Firebird und die Lieferwagen-Geschwister Chevrolet Van und GMC Vandura. Doch nun, da die Produktion des Kompaktwagens Cruze – seines Zeichens das letzte in Lordstown produzierte GM-Modell – ausgelaufen ist, hat der Konzern keine Verwendung mehr für das Werk.

Elektro-Pickup Lordstown Endurance

Nach monatelangen Gesprächen hatte GM das Werk inklusive Ausrüstung vor einigen Monaten offiziell verkauft. Neuer Besitzer ist das Elektroauto-Startup Lordstown Motors, das Berichten zufolge 20 Millionen Dollar zahlte und gleichzeitig einen 40-Millionen-Dollar-Kredit von GM erhielt. Das Unternehmen möchte im Norden des Bundesstaates Ohio elektrische Nutzfahrzeuge bauen, die "kostengünstig für Flotten" und außerdem sicherer und produktiver als Konkurrenzprodukte sein sollen. Die Firma hat den Anspruch, "das führende Epizentrum für Elektrofahrzeuge in der Region zu schaffen". Dabei sollen künftig 4.000 bis 5.000 Mitarbeiter helfen.

06/2020, Lordstown Endurance
Lordstown Motors
Schmale Scheinwerfer, kein klassischer Kühlergrill: die Front des Lordstown Endurance.

Das erste Modell namens Endurance wurde in den Werkshallen nun offiziell enthüllt – vor den ersten Mitarbeitern als Publikum. Der E-Pickup zeigt also erstmals sein endgültiges Design mit viertüriger Kabine und im Verhältnis recht kurzer Ladefläche. Charakteristisch sind die schmalen Leuchten an beiden Enden des Pritschenwagens, die jeweils die farblich abgesetzten Charakterlinien begrenzen, und der fehlende Kühlergrill in der Front, der in Ermangelung eines Verbrennungsmotors aus technischer Sicht schlicht nicht mehr benötigt wird. Einige Lufteinlässe gibt es trotzdem – es müssen ja auch noch andere Teile gekühlt werden.

Über 400 km Reichweite und Over-the-Air-Updates

Erstmals ist auch klar die technische Besonderheit des Lordstown Endurance zu erkennen: Durch jede Felge schimmert der jeweilige E-Motor mit goldfarbener Lackierung. Mit dem Layout "ein Motor pro Rad" soll die Anzahl der beweglichen Teile reduziert und gleichzeitig ein Allradantrieb gewährleistet werden. Die Gesamtleistung soll in der Spitze 608 PS betragen. Die Höchstgeschwindigkeit gibt Lordstown mit 128 km/h an, von null auf 60 mph (96,6 km/h) soll der Elektro-Pickup in 5,5 Sekunden beschleunigen.

06/2020, 2021 Lordstown Endurance
Lordstown Motors
Lordstown baut den Endurance auf einer sogenannten Skateboard-Plattform auf.

Die Reichweite für den fünfsitzigen Pickup gibt Lordstown Motors mit mindestens 402 EPA-zertifizierten Kilometern an. An Level 3 DC-Ladestationen soll sich der in seiner Kapazität noch nicht näher benannte, aber im Fahrzeugboden untergebrachte Akku in 30 bis 90 Minuten nachladen lassen. Als elektronische Sicherheits-Features bringt der Endurance einen Spurhalteassistenten, eine automatische Notbremse und einen Warner vor rückwärtigem Verkehr mit. Over-the-Air-Software-Updates sollen ebenso möglich sein wie die Stromversorgung technischer Geräte über Außensteckdosen. Die maximale Anhängelast soll 3,4 Tonnen betragen, die Radgröße beziffert Lordstown Motors mit 20 Zoll.

Erster Blick in den Innenraum

Im Zuge der offiziellen Premiere hat Lordstown auch erste Bilder des Innenraums veröffentlicht. Sie zeigen ein ziemlich klassisch gestaltetes Cockpit aus grauem Kunststoff mit Vierspeichen-Multifunktions-Lenkrad und – typisch Pickup – breiter Mittelkonsole. Auf dem Armaturenbrett sitzt ein horizontal ausgerichteter Bildschirm, der links digitale Instrumente und rechts die Infotainment-Zentrale beherbergen dürfte. Detailbilder zeigen neben den unvermeidlichen Becherhaltern und großzügig bemessenen Ablageflächen ein Dreh-/Drückstell-Rädchen als Befehlsinstrument. Die Sitze tragen Stoffbezüge.

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Lordstown Motors
Typisches Pickup-Cockpit mit horizontal ausgerichtetem Bildschirm.

Doch der Start von Lordstown Motors gestaltet sich schwieriger als gedacht. Von Beginn an gab es offenbar finanzielle Schwierigkeiten, weshalb sich das Startup um staatliche Gelder bewarb. Dann kam die Corona-Pandemie, wegen der unter anderem die Detroit Motor Show abgesagt wurde, auf der der neue Elektro-Pickup enthüllt werden sollte. Zur aktuellen finanziellen Situation will sich Firmenchef Steve Burns nicht äußern. Doch "abgesehen von Covid-19 sind wir auf Kurs", sagte der Lordstown-CEO der "Detroit Free Press".

Grundpreis 52.500 Dollar

Lordstown lässt sich also nicht entmutigen und treibt unbeirrt die Umrüstung des Werkes und die Vorbereitungen für die Vorserien-Fertigung – bis Dezember sollen 30 Vorserienautos entstehen – voran. In diesem Zeitraum will Lordstown Motors eine Reihe von Crashtests durchführen. Ob jedoch die ursprüngliche Planung, noch im vierten Quartal 2020 mit der regulären Produktion und Anfang 2021 mit den Auslieferungen zu starten, eingehalten werden kann, muss sich erst zeigen. Im kommenden Jahr will Lordstown 20.000 Endurance-Exemplare bauen, langfristig sollen in Lordstown 600.000 Elektro-Pickups pro Jahr entstehen. Die Bestelllisten sind bereits geöffnet: Für 1.000 Dollar können künftige Kunden so verbindliches Interesse signalisieren. Als Grundpreis hat Lordstown für den Endurance nun 52.500 Dollar genannt, was aktuell etwa 47.400 Euro entspricht.

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Das könnte klappen. Elektrische Pickups sind derzeit schließlich ein Riesenthema.
Das Projekt wird scheitern. Hier sind doch zu viele Ungereimtheiten im Spiel.

Fazit

Die Pläne, in Lordstown jährlich 600.000 E-Pickups zu bauen, scheinen sehr ambitioniert zu sein. Schließlich wurden dort zu Spitzenzeiten gerade einmal rund halb so viele Cruze-Exemplare produziert. Doch Lordstown Motors verfolgt – selbst von der Corona-Pandemie – weitgehend unbeeindruckt seine Pläne und enthüllte jetzt das Serienauto. Das muss dann "nur" noch produziert werden...

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