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06/2020, Lordstown Endurance Lordstown Motors
04/2021, Lordstown Endurance Beta Prototyp
04/2021, Lordstown Endurance Beta Prototyp
04/2021, Lordstown Endurance Beta Prototyp
06/2020, Lordstown Endurance 21 Bilder

Lordstown-Deal mit I-Phone-Hersteller Foxconn: Werksverkauf rettet E-Pick-up-Hersteller

Lordstown-Deal mit I-Phone-Hersteller Foxconn Werksverkauf rettet E-Pick-up-Hersteller

Das von heftigen Problemen gebeutelte Elektroauto-Start-up Lordstown Motors hat einen Ausweg aus der Krise gefunden: I-Phone-Produzent Foxconn übernimmt das Werk und Firmenanteile.

Eine Shortseller-Attacke hatte das Elektroauto-Start-up Lordstown Motors in eine tiefe Krise gestürzt. Aus dieser scheint nun aber ein Ausweg gefunden zu sein: Wie der Autohersteller offiziell mitteilte, übernimmt der Technologieriese Foxconn, der als Auftragsproduzent für Apples I-Phone groß geworden ist, das Werk in Lordstown, US-Bundestaat Ohio. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge soll der Kaufpreis 230 Millionen Dollar (knapp 200 Millionen Euro) betragen. Hinzu kommen 50 Millionen Dollar (gut 43 Millionen Euro), die die Taiwanesen ins Stammkapital von Lordstown Motors investieren.

Nicht der erste Auto-Deal für Foxconn

Foxconn, auch bekannt unter dem Namen Hon Hai Precision Industry Co., versucht schon seit geraumer Zeit, in der Autoindustrie Fuß zu fassen. Erst kürzlich gab der Konzern Kooperationen mit der Volvo-Mutter Geely sowie dem Zusammenschluss von FCA und PSA - Stellantis – bekannt. Zudem arbeitet Foxconn schon länger mit Tesla zusammen und zählt neuerdings mit Fisker einen weiteren Elektroauto-Neuling zu seinen Partnern. Gleichzeitig halten sich hartnäckig Gerüchte, dass das Unternehmen zusammen mit seinem langjährigen Auftraggeber Apple ein eigenes Auto auf die Räder stellt.

Der neue Lordstown-Chef Daniel A. Ninivaggi freut sich auf die Partnerschaft mit Foxconn, die großartig für Ohio und das Lordstown-Team sei. Das Auto-Start-up wird nun Mieter in der ehemals firmeneigenen Fabrik, kommt so aber in die Lage, die Entwicklung seines elektrisch angetriebenen Pick-ups Endurance weiter vorantreiben zu können. Davon war zuvor aufgrund der eingangs erwähnten Shortseller-Attacke und den folgenden tiefgreifenden Problemen nicht mehr unbedingt auszugehen gewesen.

Neuer Lordstown-Chef besiegelt Deal

Mitte Juni 2021 hatten diese zu Rücktritten bei Lordstown Motors geführt. Mit Steve Burns und Julio Rodriguez sind der Firmengründer und Geschäftsführer sowie der Finanzchef beim Elektroauto-Startup zurückgetreten. Die beiden Führungskräfte zogen damit die Konsequenzen aus den massiven Schwierigkeiten, in die das Unternehmen seit den damit einhergehenden Enthüllungen geraten ist. Als neue CEO fungierte interimsweise Angela Strand, die bisher dem Verwaltungsrat angehörte. Rodriguez wurde vorübergehend von Becky Roof ersetzt.

08/2021, Daniel A. Ninivaggi Lordstown Chef CEO
Lordstown Motors / Twitter
Der neue Lordstown-Chef Daniel A. Ninivaggi versucht bei Dienstantritt, Optimismus zu verbreiten.

Nun steht Daniel A. Ninivaggi an der Lordstown-Spitze und soll den Hersteller von elektrisch angetriebenen Pick-ups wieder zur Ruhe bringen. Ninivaggi kennt sich bestens aus in der Automobilbranche. Er kommt von Icahn Enterprises L.P.; bei der im Autosektor tätigen Holding-Gesellschaft war er als Geschäftsführer tätig. Auch bei anderen Unternehmen der Automobil- und Transportbranche bekleidete er Führungspositionen, darunter beim US-Nutzfahrzeug-Hersteller Navistar und bei der Autovermietung Hertz. "Ich glaube, dass die Nachfrage nach elektrischen Pick-ups groß sein wird", blickt Ninivaggi optimistisch in die Zukunft.

Shortseller-Attacke von Hindenburg Research

Zuerst muss der neue Chef Lordstown Motors jedoch aus einem tiefen Sumpf befreien, in den es durch besagte Shortseller-Attacke geraten ist. Das Phänomen des Shortsellings (auch bekannt als Leerverkauf) ist sehr umstritten am Wertpapiermarkt. Der Shortseller spekuliert dabei auf fallende Aktienkurse eines Unternehmens, wobei diese Wette oft mit schweren Vorwürfen in Richtung der betreffenden Firma einhergeht. Immer wieder prangern die Leerverkäufer aber auch Unternehmen an, die ihre Investoren tatsächlich täuschen. Beim Wirecard-Skandal beispielsweise halfen sie mit, die Missstände rund um den Finanz-Dienstleister aufzudecken, während die Behörden und private Ermittler wenig gegen die Machenschaften unternahmen.

Einer der bekanntesten Shortseller ist Hindenburg Research. Vor einigen Monaten brachte der Investor den Elektroauto-Hersteller Nikola in einer schwere Existenzkrise, indem er ihm unlautere Methoden bis hin zum Betrug vorwarf. Mit dem Ergebnis, dass die Aktie abstürzte, der Chef zurücktrat, das US-Justizministerium Ermittlungen aufnahm und sich namhafte Autohersteller und -zulieferer aus der Kooperation mit Nikola zurückzogen. Danach nahm Hindenburg Research mit Lordstown Motors das nächste E-Auto-Startup ins Visier und überzog es mit ganz ähnlichen Vorwürfen.

"Fiktive Bestellungen" für den Endurance

Die zentrale Anschuldigung: Lordstown veröffentliche in Bezug auf sein Erstlingswerk Endurance, einen elektrisch angetriebenen Pickup (mehr dazu auch in der Bildergalerie oben im Artikel), nicht nur unkorrekte Bestellzahlen, sondern fälsche sogar Aufträge. Viele der bislang etwa 100.000 Bestellungen seien "fiktiv" und stammten beispielsweise von Briefkastenfirmen, Beratungsagenturen oder Kleinbetrieben, die angeblich dafür bezahlt wurden, bei Lordstown Bestellungen zu platzieren. "Viele der angeblichen Kunden betreiben weder Flotten noch haben sie die Mittel, die angegebenen Käufe tatsächlich zu tätigen", heißt es in der Veröffentlichung von Hindenburg Research. Das Start-up wolle mit dieser Strategie auf unlautere Weise zusätzliche Investoren anlocken und Kapital beschaffen.

06/2020, Lordstown Endurance
Lordstown Motors
Wie kurz steht der Lordstown Endurance tatsächlich vor der Markteinführung?

Ein weiterer Vorwurf: Lordstown gebe zwar schon lange vor, kurz vor Start der Serienproduktion zu stehen. Tatsächlich soll diese jedoch mindestens drei oder vier Jahre entfernt sein. Dies gehe aus Gesprächen mit ehemaligen hochrangigen Mitarbeitern hervor, die Hindenburg Research zu dem Thema befragt habe. Zudem sei keine Testreihe des Elektro-Pickups zufriedenstellend abgeschlossen worden. Im Gegenteil: Im Januar 2021 sei ein Endurance-Prototyp nach zehn Minuten Testfahrt in Flammen aufgegangen.

"Kein verkaufsfähiges Produkt"

Lordstown Motors trat mit dem Ziel an, in einer ehemaligen General-Motors-Fabrik in der gleichnamigen Stadt seinen Elektro-Pickup zu bauen. Dafür gab es hohe Fördergelder und sogar öffentliche Unterstützung vonseiten des damaligen US-Präsidenten Donald Trump. Kein Wunder, schließlich versprach Firmengründer Steve Burns, dort künftig mit 4.000 bis 5.000 Mitarbeitern bis zu 600.000 Autos pro Jahr zu bauen. Shortseller Hindenburg Research glaubt nicht, dass es dazu kommt; Lordstown Motors habe "kein verkaufsfähiges Produkt". Ein schlechtes Zeichen sei zudem, dass viele Führungskräfte nach dem Börsengang im Oktober 2020 bereits Anteile im Wert von 28 Millionen Dollar (knapp 23,5 Millionen Euro) abgestoßen hätten.

03/2021, Lordstown Endurance Werk Ohio
Lordstown Motors
Der Lordstown Endurance soll in einem Ex-GM-Werk in Ohio gefertigt werden.

Hindenburg Research sah bei seiner Attacke Firmengründer und -chef Steve Burns als zentrale Figur in einem Netz aus fragwürdigen und unethischen Geschäftspraktiken. Die Zeit bei seiner vorherigen Firma, dem Nutzfahrzeug-Hersteller Workhorse, wurde von ähnlichen Vorwürfen begleitet und endete im Frühjahr 2019. Kurze Zeit später gründete Burns Lordstown Motors mit dem Ziel, in einer ehemaligen General-Motors-Fabrik in der gleichnamigen Stadt seinen Elektro-Pickup zu bauen. Doch auch dieses Engagement endete nach kurzer Zeit vorzeitig.

US-Börsenaufsicht SEC ermittelt

Seit den Anschuldigungen von Hindenburg Research ist auch die US-Börsenaufsicht SEC alarmiert. Sie leitete eine Untersuchung ein, bei der Lordstown nach eigener Aussage kooperiere. Der Elektroauto-Hersteller habe zudem im Vorstand ein spezielles Komitee gebildet, das die Vorgänge aufklären soll. In einer Telefonkonferenz betonte Lordstown damals dennoch, dass das Unternehmen bei der Markteinführung des Endurance auf Kurs sei. Eine Testflotte mit ersten Beta-Prototypen ist unterwegs, und Lordstown hatte eine Rennversion des Endurance bei einer Baja-Rallye an den Start gebracht.

Lordstown Endurance: Das ist die Rennversion für Baja-Rallyes

02/2021, Lordstown Endurance Baja Racer
Lordstown Motors / Facebook
02/2021, Lordstown Endurance Baja Racer 04/2021, Lordstown Endurance Baja Racer 04/2021, Lordstown Endurance Baja Racer 04/2021, Lordstown Endurance Baja Racer 11 Bilder

Die bei dieser Gelegenheit vorgestellten Pläne für die mittelfristige Zukunft dürften durch die Werksübernahme von Foxconn obsolet sein. Der Hersteller plante damals eine Investition von 275 Millionen Dollar (gut 230 Millionen Euro) in das Werk, um die jährliche Produktionskapazität auf 60.000 Autos aufzustocken. Obendrein stellte das Unternehmen die Präsentation eines zweiten Modells im Sommer in Aussicht. Dabei soll es sich um einen elektrisch angetriebenen Lieferwagen handeln, dessen Fertigung in der zweiten Jahreshälfte 2022 starten soll. Aber zu diesem Debüt kam es bislang nicht.

Steuerschuld und Aktieneinbruch

Bisher hat Lordstown ebenfalls nicht die Serienversion des Endurance auf der Straße. Aus der letzten Ankündigung ("September 2021") ist inzwischen "Jahresbeginn 2022" geworden. Doch weiterhin ist es fraglich, ob es je dazu kommen wird. Wie aus SEC-Unterlagen hervorgeht, hatte das – damalige – Management "substanzielle Zweifel", dass das Unternehmen in einem Jahr noch besteht. Um die Produktion des Endurance zu starten, seien weitere massive Investitionen nötig, hieß es. Immerhin diese scheinen durch den Foxconn-Einstieg gesichert.

06/2020, 2021 Lordstown Endurance
Lordstown Motors
Der Elektro-Pickup soll auf einem Skateboard-Chassis aufbauen, dass alle Antriebs-Komponenten enthält.

Wie schlimm es zwischenzeitlich um die Lordstown-Finanzen stand, verdeutlicht eine weitere Episode. Wie die US-Nachrichtenagentur AP berichtete, habe Lordstown Motors eine Anfang März fällige Steuerschuld nicht bezahlt. Dabei handelte es sich um 570.000 Dollar (umgerechnet etwa 483.000 Euro) an Grundsteuer. Ein Lordstown-Sprecher begründete dies mit einem "bedauerlichen Verwaltungsfehler" und kündigte an, dass das Unternehmen diese Summe und eine fällige Strafzahlung von zehn Prozent begleichen werde. Außerdem sollen einige Investoren, die sich von dem Unternehmen betrogen fühlen, vier Sammelklagen eingereicht haben.

Die Aktie legt nur leicht zu

All die Hiobsbotschaften sorgten zwischenzeitlich für einen heftigen Sturz der Aktie: Vor den Veröffentlichungen von Hindenburg Research lag der Kurs AP zufolge bei 30,75 Dollar (umgerechnet 26,53 Euro) pro Aktie; Ende August 2021 war das Papier nur noch 6,61 Dollar (5,70 Euro) wert. Der Foxconn-Einstieg hat die Aktie zwar beflügelt, aber zu einem großen Sprung hat die Nachricht bisher nicht geführt: Am 1. Oktober 2021 steht die Aktie bei 8,44 Dollar (7,28 Euro).

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Fazit

Nach dem von den Anschuldigungen verursachten Kurssturz und den ersten Ermittlungen der US-Börsenaufsicht SEC schien sich Lordstown wieder etwas stabilisiert zu haben. Doch es folgten weitere schlechte Nachrichten; vor allem die Abgänge des Firmen- und Finanzchefs weisen darauf hin, dass beim Elektroauto-Start-up vieles im Argen liegen könnte. Wie nachhaltig der Aufschwung durch den neuen Chef und den Foxconn-Einstieg sein wird, muss sich erst zeigen. Deshalb erscheint es weiterhin fraglich, wann es die Firma endlich schaffen wird, den Endurance auf den Markt zu bringen – und ob es überhaupt dazu kommt.

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