Trotz wiederholter Gerüchte über eine mögliche Einstellung hält Porsche offenbar an der Entwicklung der nächsten Generation seiner Einstiegs-Sportwagen fest. Die Nachfolger von 718 Boxster und 718 Cayman sollen weiterhin kommen – zunächst als rein elektrische Modelle. Gleichzeitig prüft der Hersteller aus Zuffenhausen aber auch Optionen für Verbrenner- oder Hybridvarianten.
Entwicklungsprojekt läuft weiter
Die Entwicklung der neuen 718-Generation begann bereits 2019. Ursprünglich plante Porsche, die Mittelmotor-Sportwagen vollständig zu elektrifizieren. Doch Verzögerungen, technische Herausforderungen und der zuletzt schwächere Elektroautomarkt führten immer wieder zu Spekulationen über einen möglichen Projektstopp.
Für zusätzliche Unsicherheit sorgten Berichte über eine hochrangige Vorstandssitzung Anfang des Jahres, bei der über die Zukunft der elektrischen Boxster- und Cayman-Modelle entschieden werden sollte. Eine offizielle Stellungnahme blieb danach aus. Neue Aussagen aus Australien deuten nun jedoch darauf hin, dass das Projekt weiterhin aktiv verfolgt wird.
Erste Fahrten mit dem Elektro-Sportwagen
Daniel Schmollinger, Managing Director und CEO von Porsche Cars Australia, hat den neuen Elektro-718 bereits selbst gefahren – und beschreibt den Prototyp sehr positiv. Bei einer Testfahrt auf der Rennstrecke habe das Fahrzeug ein typisches Boxster-Gefühl vermittelt, erklärte er im Gespräch mit dem Portal Carsales. Die Gewichtsverteilung und das "gokartartige Fahrgefühl" seien weiterhin vorhanden, obwohl der klassische Verbrennungsmotor entfällt.
Entscheidend ist dabei laut Schmollinger, dass die charakteristische Balance der bisherigen Modelle erhalten bleibt. Während die aktuelle 718-Baureihe über einen Mittelmotor verfügt, werden beim Elektroauto die Antriebsmotoren an den Achsen sitzen. Dennoch soll die Fahrdynamik weiterhin die typische Gewichtsverteilung und Agilität eines Mittelmotor-Sportwagens bieten. Konkrete technische Daten oder einen Präsentationstermin wollte der Manager allerdings nicht nennen.
Batterieprobleme und Lieferketten
Die Entwicklung der elektrischen Sportwagen wurde in den vergangenen Jahren mehrfach ausgebremst. Ein zentrales Problem war die ursprünglich geplante Batterielieferkette. Porsche wollte besonders energiedichte Batteriezellen vom schwedischen Hersteller Northvolt beziehen. Diese sollten vom finnischen Zulieferer Valmet in Baden-Württemberg zu kompletten Batteriepacks montiert werden. Nachdem Northvolt Insolvenz anmeldete und Valmet sich aus dem Projekt zurückzog, stand Porsche plötzlich ohne gesicherte Batterieproduktion für den neuen 718 da.
Ein alternativer Lieferplan wurde bislang nicht öffentlich vorgestellt. Neben der Batterie spielte auch das Gewicht der Fahrzeuge eine entscheidende Rolle. Die Ingenieure mussten über Jahre daran arbeiten, die typische Porsche-Fahrdynamik mit den Anforderungen eines schweren Batteriepakets in Einklang zu bringen. Während die Elektroversion weiterhin entwickelt wird, bleibt offen, ob Porsche zusätzlich wieder Verbrennungsmotoren anbieten wird.
Zukunft des Verbrenners unklar
Porsche hatte bereits im Herbst 2025 die internationalen Bestellungen für die aktuellen Benzinmodelle eingestellt und die Fahrzeuge aus dem Konfigurator genommen. Hierzulande waren die Modelle wegen der Cyber-Security längst nicht mehr erhältlich. Gleichzeitig kamen deutliche Signale aus Stuttgart, die zuvor sehr ambitionierte Elektrifizierungsstrategie zu überdenken. Eine mögliche Lösung wäre, die bisherigen 718-Modelle technisch weiterzuentwickeln und parallel zu den Elektroautos anzubieten. Eine andere Variante wäre, die neue PPE-Sport-Elektroplattform so umzubauen, dass sie auch einen Verbrennungsmotor aufnehmen kann – was allerdings konstruktiv schwierig wäre.
Schmollinger ließ diese Option zumindest offen. Die Konzernzentrale prüfe regelmäßig, welche Möglichkeiten bestünden und welche strategischen Entscheidungen sinnvoll seien. Insider sprechen sogar von einer möglichen Übergangslösung: Demnach könnte Porsche die aktuelle 982-Generation noch einmal modernisieren und mit einem elektrifizierten Sechszylinder-Boxermotor anbieten – ähnlich dem Antrieb des 911 GTS. Damit könnte Porsche weiterhin klassische Sportwagen anbieten, während die Elektroversion weiterentwickelt wird.
Verkaufszahlen zeigen weiterhin Nachfrage
Dass Porsche die Baureihe nicht einfach aufgeben möchte, zeigt auch ein Blick auf die internationalen Verkaufszahlen. Trotz ihres Alters verkaufte sich die 718-Reihe bis zuletzt weiterhin solide:
- 20.518 Fahrzeuge im Jahr 2023
- 23.670 Fahrzeuge im Jahr 2024
- 18.612 Fahrzeuge im Jahr 2025
Zur Erinnerung: Porsche Boxster und Porsche Cayman waren seit Mitte 2024 nicht mehr in Europa verfügbar, nachdem sie die gesetzlich vorgeschriebenen Cybersecurity-Vorschriften nicht erfüllten.
Plattform auch für Audi geplant
Die Technik der elektrischen 718-Modelle spielt zudem eine wichtige Rolle innerhalb des Volkswagen-Konzerns. Audi plant einen neuen elektrischen Sportwagen, der eng mit Boxster und Cayman verwandt sein soll und als Serienversion des Concept C gilt. Nach Aussagen aus Ingolstadt ist die Zusammenarbeit mit Porsche bei der Plattform weiterhin vorgesehen.
Wann die neuen Elektro-Sportwagen tatsächlich auf den Markt kommen, bleibt offen. Einige Berichte gehen davon aus, dass Übergangslösungen mit Verbrennungsmotoren frühestens gegen Ende des Jahrzehnts erscheinen könnten.






