Genesis bringt mit dem GV90 sein bislang größtes und luxuriösestes Modell auf den Markt. Der 5,29 Meter lange Elektro-SUV markiert zugleich einen neuen Anspruch der koreanischen Marke: Der GV90 soll Genesis in das Segment der elektrischen Luxus-SUV führen. Mit Abmessungen auf dem Niveau eines Rolls-Royce Cullinan oder eines langen Bentley Bentayga spielt das neue Modell zumindest bei den äußeren Dimensionen in einer anderen Liga als die bisherigen Genesis-Modelle.
Der Vergleich mit den etablierten Luxusmarken stammt dabei nicht allein aus der schieren Größe. Hyundai-Designchef SangYup Lee, der in seiner früheren Laufbahn unter anderem am Bentley Bentayga beteiligt war, bezeichnet den GV90 als "Status car" und spricht vom möglicherweise ersten echten Luxusauto der Marke. Genesis selbst formuliert zurückhaltender und stellt die koreanische Son-Nim-Philosophie in den Mittelpunkt. Gemeint ist der Anspruch, Passagiere wie besonders geschätzte Gäste zu behandeln.
Fast 5,3 Meter Elektro-SUV
Technische Grundlage ist die für das Flaggschiff entwickelte eMP-Plattform. Der Radstand beträgt 3,245 Meter, der Innenraum bietet einen durchgängig ebenen Boden. Als Antrieb dienen zwei Elektromotoren, die an Vorder- und Hinterachse zusammen bis zu 490 kW/666 PS und 800 Nm leisten. Damit ist der GV90 das bislang leistungsstärkste Elektrofahrzeug aus dem Hyundai-Kia-Konzern.
Die Energie liefert eine 123,5 kWh große Batterie. Genesis nennt für die siebensitzige Ausführung eine voraussichtliche Reichweite von rund 500 Kilometern. Geladen wird mit bis zu 350 kW; von 10 auf 80 Prozent soll die Batterie unter idealen Bedingungen in 22 Minuten gebracht werden können. Für die Kraftübertragung setzt Genesis auf Allradantrieb und erstmals im Konzern auf ein Dual E-LSD (Limited Slip Differential): Je ein elektronisch geregeltes Sperrdifferenzial an Vorder- und Hinterachse soll die Antriebskraft abhängig von den Fahrbedingungen verteilen. Hinzu kommen eine Mehrkammer-Luftfederung mit adaptiven Dämpfern und eine Hinterachslenkung mit bis zu fünf Grad Lenkwinkel. Diese soll den Wendekreis reduzieren und zugleich bei höherem Tempo für zusätzliche Stabilität sorgen.
Neolun mit ungewöhnlichen Türen
Besonders auffällig ist die Variante GV90 Neolun. Sie übernimmt das vom gleichnamigen Concept-Car aus dem Jahr 2024 bekannte Türkonzept. Die vorderen und hinteren Türen öffnen gegenläufig, eine konventionelle B-Säule fehlt. Die hinteren Türen nutzen einen speziellen "Dual-Motion"-Mechanismus und können unabhängig von den vorderen Türen geöffnet werden. Damit soll vor allem der Zugang zur zweiten Sitzreihe erleichtert werden.
Lounge statt klassischer Fond
Der Innenraum folgt konsequent dem Anspruch, den GV90 stärker als mobilen Aufenthaltsraum denn als klassisches SUV zu positionieren. Neben der Siebensitzer-Konfiguration gibt es für den Neolun eine viersitzige Executive Suite. Die Vordersitze lassen sich im Stand elektrisch um 180 Grad drehen und ermöglichen damit eine einander zugewandte Sitzposition.
Zwischen den beiden Einzelsitzen sitzt die "Tower Console", eine extrabreite Mittelkonsole. Integrierte Tische bieten Ablageflächen, während ein Kühlschrank Getränke bereithält. Geräuschtechnisch soll der GV90 möglichst wenig von der Außenwelt in den Innenraum lassen. Die Scheiben sind in mehr als fünf Millimeter starkem Akustikglas ausgeführt. Dazu kommen zusätzliche Dämmmaterialien und aufwendige Dichtungen. Das Bang & Olufsen Premier 3D Soundsystem verfügt über 25 Lautsprecher und Dolby Atmos.
Große Displays
Das Cockpit wird von einem 23,6 Zoll großen OLED-Cinematic-Display dominiert. Im Stand kann es um 90 Millimeter ausgefahren werden und wächst so auf 24,6 Zoll. Ergänzt wird der Bildschirm durch ein ungewöhnlich großes 25-Zoll-Head-up-Display. Das Infotainment läuft auf Pleos Connect, einer auf Android Automotive OS basierenden Plattform. Über einen App-Markt lassen sich Drittanbieter-Anwendungen integrieren. Ein generativer KI-Assistent namens Gleo AI soll die Bedienung in natürlicher Sprache ermöglichen.
Optisch setzt Genesis weniger auf klassische Prunk- und Protz-Gestaltung als auf große, ruhige Flächen. Die Front wird von zwei schmalen, über die Breite gezogenen Lichtleisten geprägt. Die schmalen MLA-Scheinwerfer (Micro Lens Array) nutzen eine Vielzahl kleiner Linsen zur gezielten Lichtverteilung und sind so in die Front integriert, dass sie sich über einen großen Teil der Fahrzeugbreite erstrecken und die für Genesis typische zweigeteilte Lichtgrafik bilden. Am Heck setzt Genesis auf viel Fläche und eine verhältnismäßig kleine Heckscheibe, die Lichtelemente sind als durchgehender Streifen in die Karosserie integriert.
Marktstart und Preis
Preise hat Genesis noch nicht genannt, allerdings darf man sich speziell beim Neolun mit seinem extravaganten Tür- und Lounge-Konzept schon mal in Richtung 150.000-Euro-Marke orientieren. Der Marktstart in Europa ist für die erste Hälfte 2027 vorgesehen, allzu lange werden wir also auf die Tarife nicht warten müssen.







