Mercedes-Benz Citan Erprobungsfahrt Immendingen März 2021 Dieter Rebmann
Mercedes-Benz Citan Erprobungsfahrt Immendingen März 2021
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Mercedes-Benz Citan Erprobungsfahrt Immendingen März 2021 11 Bilder

Fahrbericht Mercedes Citan 2021: Kangoo mit Stern

Mercedes Citan 2021 Glückwunsch, es ist ein Mercedes

Ein halbes Jahr vor dem Serienstart konnten wir den Citan schon fahren. Was der praktische Renault-Kangoo-Verwandte mit Stern kann.

Beim ersten Citan hatte Mercedes noch den Renault Kangoo nachträglich zum Mercedes hochentwickelt. Bei der zweiten Generation waren die Ingenieure von Beginn an dabei, damit der Neue gleich ein richtiger Mercedes würde.

Ganz sicher war das nicht so, aber die Vorstellung ist so nett, dass wir diese Legende mal in die Welt setzen. Nämlich die, wonach in den frühen 2010er eine Riege von Mercedes-Entwicklungskonstrukteure aufgerufen werden, in der Möhringer Konzernzentrale auf dem Hof anzutreten. Da stehen die Ingenieure, mit frisch gespitzten Bleistiften in den Brusttaschen ihrer gestärkten weißen Kittel und bekommen ihren Auftrag mitgeteilt: Dass sie einen Wagen zum Mercedes emporentwickeln sollen. Sie lächeln, dürfte diese Aufgabe doch Ruhm und Ehre über sie und ihre Abteilung bringen. Doch dann gefriert jedes Lächeln, als ein Renault Kangoo durch die Schranke am Tor karriolt und rumpelnd vor der Truppe zum Stehen kommt.

Mercedes Citan 2021
Dieter Rebmann
auto-motor-und-sport-Redakteur Sebastian Renz durfte den Mercedes Citan vorab fahren.

Wenngleich noch immer keine Einigkeit besteht, wer dabei den größeren Triumph errang – der Kangoo, dieser Barrikadenkämpfer gegen das Auto-Establishment, weil er es schaffte, sich in den ältesten Automobiladel reinzuwanzen. Oder Mercedes, weil es doch gelang, dem widerspenstigen Kastenkombi Manieren anzudaimlern. Wenngleich die Zuneigung in der Allianz zwischen Mercedes und Renault in anderen Bereichen durchaus von Wechselhaftigkeit geprägt scheint, geht die Entwicklung dieses Projekts doch in eine weitere Runde. Der Kleintransporters wird als Kangoo der Dritte, Citan der Zweite und T-Klasse, die Erste, in Maubeuge/Frankreich vom Band laufen. Den Anfang macht dabei der Kangoo, der Citan startet im Herbst, die T-Klasse nächstes Frühjahr.

Zunächst mal der Citan

So ganz in Serientrimm ist der Mercedes daher noch nicht an diesem schneegraupeligen Märzmittwoch, an dem wir ihn im mondäneren Teil von Immendingen fahren können – noch getarnt zwar, wobei all die Verhüttung nicht verbergen kann, dass die Form neben dem Streben nach Raumeffizienz auch jenem nach mercedes-typischer Stilistik geprägt ist – darum hat sich das Team um Designchef Gorden Wagener gekümmert. Komplett baugleich sind die Karosserien der Renault- und Mercedes-Modelle übrigens nicht. Zwar gibt es beide in zwei Radständen. Doch bei geöffneter Schiebe- und Beifahrertür ergibt sich beim Kangoo eine knapp 1,45 Meter breite Öffnung, da Renault rechts auf eine feste B-Säule verzichtet – ein Konstrukt, das den Daimlers doch etwas zu leger erschien.

Mercedes-Benz Citan Erprobungsfahrt Immendingen März 2021
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Entweder ein 1,3 Liter oder ein 1,5 Liter großer Turbodiesel sorgt für den Antrieb.

Die Antriebsstränge dagegen sind gleich – 1,3-Liter Vierzylinder-Turbobenziner und 1,5-Liter Vierzylinder-Turbodiesel in unterschiedlichen Leistungsstufen, dazu mit Sechsgang-Schalt- oder Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Etwas später folgt der eCitan. Den E-Motor verstehe man inzwischen als eine Selbstverständlichkeit, eben einfach eine weitere Antriebvariante, die man von Beginn an mitplane. Der Akku, rund 400 Kilogramm schwer, sitzt dann als integraler Bestandteil der Karosseriestruktur am Boden. Dazu stellt Mercedes die Assistenz- und Infotainmentabteilung des Kastenkombis erheblich breiter auf. So soll der Citan fünf Sterne bei Euro-NCAP erreichen, und bekommt er das MBUX-Bedien- und Infotainment.

Noch verhängen Folien und Abdeckungen die Leistungen der Raumausstatter. Mal kurz drunterlugen, schaut ja gerade keiner? Guckguck: Da möbliert sich der Citan wirklich daimlerig mit hochwertigen Kunststoffen. Auch die Lüftungsdüsen, Schalter und Tasten bis hin zum Multifunktionshebel – alles wie in den normalen Mercedes-PKW-Modellen.

Variabel wie bisher, komfortabel wie nie zuvor

Bei der Variabilität ist alles wie bisher: Die Rückbank lässt sich geteilt umklappen, taucht dann in den Fondfußraum zu einer Ebene ab. Optional lässt sich der Beifahrersitz umklappen und der lange Citan mit zwei Klappsitzen im Kofferraum möblieren. Die sollen sich aber leichter ein- und ausbauen lassen. Doch schon der kurze Citan dürfte für ambitionierte Gepäcktransporte genügen mit seinem üppigen Standard-Kofferraumvolumen, das wohl wieder um die 650 Liter betragen dürfte. Auf der bequemen Rückbank – auch die hat Mercedes selbst gepolstert und nicht von Renault übernommen – gibt es genug Platz für drei, die zudem durch die weit öffnenden Schiebetüren bequem einsteigen. Die Vordertüren öffnen 90 Grad weit – zum Nutzen des leichten Einstiegs oder eben Einladens.

Mercedes Citan 2021
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Sie benötigen mehr Gepäckraum? Kein Problem. Einfach die Rückbank umklappen.

So und jetzt dürfen wir los. Ein Druck auf den Startknopf, und der 1,5-Liter-Turbodiesel legt los. Es ist der OE 608, der wie der ganze Antriebsstrang von Renault und schon im Vorgänger selbstzündete. Aber damals war er viel rumoriger. Jetzt klingt statt Nageln nur noch ein sachtes Tackern nach innen. Hat der Diesel sein kurzes Anfahrzaudern abgelegt, zieht er homogen und erstaunlich flockig die Drehzahltausender hoch. Erst bei 5.500/min müsste der nächste der präzise, aber etwas langwegig schaltbaren sechs Gänge über den hoch positionierten Schalthebel einsortiert werden – und sogar bei hohen Drehzahlen vergreift sich der Diesel nicht im Ton. Überhaupt ist der ganze Citan für einen Kastenkombi hervorragend gedämmt, selbst der Wind brandet nur leise um den Kasten.

Die Tour führt über verschlungene Landstraßen. Und wie viel besser der Citan da jetzt fährt. Ja, das hat mit dem ungeschickten, permanent vom ESP eingebremsten Herumgekurve des schunkeligen Vorgängers so gar nichts mehr gemein. Mit der elektromechanischen Servolenkung lässt sich der Kastenkombi präzise durch Kurven führen. Sie bietet gute Rückmeldung, und dazu lässt der Citan mit dem klasse abgestimmten Fahrwerk (steifere Stabis, kürzere Federn) nun das Wanken sein. Dabei steckt er trotz des angestrafften Setups Unebenheiten sorgsam weg – viel sanfter und souveräner etwa als das dem neuen VW Caddy mit seiner Starrachse gelingt.

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Die Vordertüren öffnen 90 Grad weit.

Bald auch als Kleincamper?

Die Karriereplanung des Citan könnte noch weiterführen als bis zur T-Klasse, die auch die Rolle des erschwinglichen Einstiegs-Mercedes für Familien übernehmen soll. Ob man sich beim aktuellen Reisemobil-Boom nicht auch eine Campingvariante vorstellen könne – so eine Art Marco Polöchen? Ach, nun ja, also, hm… heißt es dann, aber es klingt nicht gerade so, als habe man die Ingenieure gerade erst auf diese Idee gebracht.

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Mir kommt nur ein Renault Kangoo in die Garage.

Fazit

Nun, mal sehen wohin die Reise des Citan geht. Doch so leise, agil und komfortabel wie er fährt, ist er derzeit ein echtes Ausnahmetalent in seiner Klasse. Oder auch so: Wenn der Citan im zweiten Halbjahr startet gibt es wohl keinen Hochdachkombi, der mehr auf dem Kasten hat.

Mercedes Citan
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