MG EHS Plug-In-Hybrid SUV Fahrbericht 2020 Brian Diehl
MG EHS Plug-In-Hybrid SUV Fahrbericht 2020
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MG EHS Plug-In-Hybrid SUV Fahrbericht 2020 18 Bilder
SUV

MG EHS: Erste Testfahrt mit dem Plug-in-SUV

MG EHS Plug-in-Hybrid Der PHEV-Preisbrecher kommt nach Deutschland

Über den Umweg China kommt MG zurück, als Plug-in-Hybrid zum Kampfpreis. Kein Haken? Mal sehen. Erste Testfahrt mit dem EHS.

Es ist schon verrückt. Wenn man jahrelang Autos testet, kommt man immer wieder an einem gewissen Punkt, an dem man der Meinung ist, dass einen doch jetzt wirklich nichts mehr überraschen kann. Alle aktuellen Modelle stecken fein säuberlich in ihrer Schublade. Ein Porsche 911? Kocht die Konkurrenz trotz Gewichtszunahme ab. Neues Audi-Interieur? Der analoge Lautstärke-Regler bleibt. Erfreuliches Fahrwerk? Das können sie bei Ford einfach. Eine europäische Marke wird von einem chinesischen Konzern übernommen und bringt einen elektrifizierten SUV? Klare Sache: Billige Teile, freudlose Technik, einfache Funktionalität, wenig Chancen in Deutschland. Und dann kommt der MG EHS.

Topversion mit Vollausstattung

Hinter der Marke MG steckt mittlerweile der chinesische Hersteller SAIC. In Großbritannien sind unter dem traditionellen Label mehrere Modelle im Angebot und seit 2019 auch der SUV HS. Dessen Portfolio wurde jüngst um eine Plug-In-Variante ergänzt, die der Hersteller auch für den deutschen Markt angekündigt hat. Und genau der steht jetzt hier. Vorne ein bisschen Mazda, hinten ein bisschen Mercedes – insgesamt eine gefällige Gestalt mit handelsüblichen Kompakt-SUV-Abmessungen (4,75 Meter lang, 1,88 Meter breit und 1,66 Meter hoch). Es glänzt die Topversion "Luxury", eine von lediglich zwei Ausführungen in einem erfrischend schlanken Konfigurator.

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Patrick Lang
Die 18-Zoll "Sportfelgen" sind nicht nur Serie, sondern einzige Option für die Luxury-Ausführung des MG.

Von weitem sehen ja viele ganz gut aus, also Nase ans Blech. Spaltmaße, Lackierung, Scheinwerfer – macht alles einen guten Eindruck. Die 18-Zöller sind in Michelin Pilot Alpin 5 verpackt; der MG steht gut da. Kannste nix sagen. Irgendwo zwischen 32.000 und 35.000 Euro wird das elektrifizierte Modell in Deutschland landen. Als eben jenes Topmodell, wohlgemerkt. Damit ist der chinesische Brite gute 10.000 Euro günstiger als ein VW Tiguan eHybrid. Also muss der Innenraum ja Billig-Murks sein, oder?

Innenraum ist ein Highlight

Ähm. Nein. Der Innenraum ist eigentlich sogar ein Highlight. Die Sportsitze mit Leder und Alcantara bespant – warum da "Trophy" auf der integrierten Kopfstütze steht, wird allerdings ein Rätsel bleiben. Die Flächen und Bedienelemente fühlen sich gut an, das Layout ist gefällig und logisch. Der 10,1 Zoll große Touchscreen zeigt seine Inhalte hochauflösend und androidbasiert, die digitalen Instrumente (12,3 Zoll) sind übersichtlich und ebenfalls gestochen scharf. Okay, das Infotainment ist vielleicht nicht von der reaktionsschnellsten Sorte, dafür ist die Informationsarchitektur der Menüführung leicht zu durchschauen. Da verzeiht man auch den etwas niedlichen Übersetzungsfehler, der statt "schließen" das Wort "nahe" auf die entsprechenden Touch-Buttons pixelt. Kommt vermutlich vom englischen "close", das mit beiden Begriffen übersetzt werden kann. Wer darauf trotzdem keine Lust hat, kann auf Apple Carplay oder Android Auto ausweichen.

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Patrick Lang
Leder, elektrische Sitzverstellung, Sitzheizung, Panoramadach - all das ist im Serienumfang enthalten. Blendwerk? Mitnichten. Funktioniert, sieht gut aus und fasst sich hochwertig an.

Also: Von außen sieht der MG nicht billig aus, innen noch weniger. Wo ist dann der Haken? Nicht auszudenken, wenn das Teil jetzt auch noch gut fährt. Also gut, Startknopf versenken und los geht’s. Erstmal lautlos, denn der EHS startet im Elektro-Betrieb. Die Systemleistung ist mit 258 PS angegeben. Ein 1,5-Liter-Turbobenziner mit vier Zylindern und 160 PS sorgt gemeinsam mit einer 90 kW starken Elektromaschine für flottes Vorankommen. Zumindest auf dem Papier, denn dort heißt es, der Plug-In-SUV beschleunige in 6,9 Sekunden auf 100 km/h. Dafür spräche auch das relativ geringe Leergewicht von 1.775 Kilo. Immerhin fast 200 Kilo leichter als ein Mitsubishi Outlander PHEV.

Mangelhafte Längsdynamik

Was vielversprechend klingt, fühlt sich ernüchternd an. Dass es im Elektrobetrieb verhältnismäßig gemütlich vorwärts geht, ist zu verzeihen und obendrein mit Blick auf die Reichweite auch irgendwie nachvollziehbar. Laut WLTP gleitet der MG mit seinem 16,6 kWh-Akku 52 Kilometer weit. Geladen wird übrigens nur per Wechselstrom mit 3,7 kW. Soweit so normal. Viel irritierender ist dagegen der Geräuschpegel, selbst im Elektro-Modus. Das säuselt die Konkurrenz für gewöhnlich praktisch lautlos. Im MG sirrt der Elektromotor ziemlich deutlich in die Kabine und wird zusammen mit Windgeräuschen an den A-Säulen (bereits ab 50 km/h) zu einem undefinierten Klang-Rausch-Teppich gewoben. Auf der Haben-Seite steht eine angenehm dosierte Rekuperation, die sich allerdings nicht variieren lässt.

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Brian Diehl
Nach dem Start geht es erstmal rein elektrisch los. Der Verbrenner steigt per Knopfdruck oder erhöhter Leistungsanforderung ein.

Und was macht der Benziner die ganze Zeit? Bisher eigentlich nur Pause. Zeit für einen Weckruf per Kickdown. Und es passiert eine Weile gar nix – bis es nach sehr langsam verstreichenden Sekunden noch lauter im Auto wird. Das Dröhnen steht in einem, diplomatisch ausgedrückt, ungünstigen Verhältnis zum erlebbaren Vortrieb. Sprich: Es wird laut, aber nicht schnell und der Pegel dürfte auf Dauer doch ziemlich nerven. Ab 1.700 Umdrehungen soll der Turbobenziner sein volles Drehmoment von 250 Newtonmetern an die Vorderachse schicken. Das in Zahlen zu belegen ist schwierig – mangels Drehzahlmesser. Gefühlt dürften gut und gerne 2.500 Umdrehungen pro Minute ins Land gehen, bis hier spürbar etwas passiert.

Gut, der Fairness halber sollte auch erwähnt sein, dass forcierte Beschleunigung im automobilen Alltag nicht die erste Geige spielt. Schließlich preist MG den EHS auch nicht als Dragster an. Dass das Automatikgetriebe seine zehn Stufen nur sehr behäbig zu wechseln bereit ist, fördert die Laune im Cockpit dennoch nicht unbedingt. Eine schwammige Bremse ohne klar definierten Druckpunkt tut ihr Übriges.

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Patrick Lang
Lenkung und Fahrwerk sind im Gegensatz zum Antriebsstrang sehr angenehm abgestimmt.

Erfreuliche Querdynamik

Es gibt aber durchaus erfreuliche Seiten der MG-Fahrdynamik. Da wäre zum Beispiel die Lenkung, die mit sattem Handmoment angenehm straff und gut dosierbar geraten ist. Oder das Fahrwerk, das den Spagat zwischen Komfort und Kurvenkompetenz bravourös meistert. Störende Wankbewegungen gibt es kaum, gleichzeitig dringen Wellen und Rillen trotzdem nur gedämpft ans Gesäß. Da stört es überhaupt nicht, dass es für die Dämpfer keine Einstellmöglichkeiten gibt. Auch flinke Biegungen nimmt der MG ohne Probleme. Untersteuern wird nur mit grober Provokation ein Thema, das Gröbste löscht die elektronisch simulierte Sperre (XDS) an der Vorderachse aus.

Serienmäßig kommt der MG EHS mit einer Fülle von Assistenten an. Per MG Pilot ist der SUV bis 60 km/h teilautonom nach Level 2 unterwegs. Hinten sorgt ein Querverkehrswarner für Sicherheit beim Ausparken – ein Job, den MG auch dem 360 Grad-Kamerasystem zugedacht hat. Dessen Auflösung lässt allerdings auf jedem einzelnen der 360 Grade zu wünschen übrig. Glücklicherweise wird auch eine akustische Warnung ausgegeben, wenn man einem Hindernis zu nahe kommt.

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Brian Diehl
Gute Rundumsicht auf 4,75 Metern Länge. Gut, dass man sich nicht auf das schlecht aufgelöste 360-Grad-Kamerasystem verlassen muss.

Die größte Überraschung bleibt am Ende der Preis. Auch wenn es fahrdynamisch einige Defizite gibt, steht hier immernoch ein Auto mit zeitgemäßer Technik, Vollausstattung, gefälligem Design und sehr sauberer Verarbeitung. Und Vollausstattung meint hier wirklich "voll" – bis hin zum klimatisierten Fach in der Mittelarmlehne. Um nochmal den Vergleich nach Wolfsburg zu bemühen: Mit Optionen auf diesem Niveau liegt der Tiguan eHybrid bei 52.000 Euro und damit schon 20.000 über dem MG. Umweltprämie eingerechnet.

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Der MG EHS ...
... hat für mich nix mehr mit MG zu tun.
... hat eine Chance verdient.

Fazit

Wer einen preisgünstigen SUV mit Technik bis unters Dach sucht, kommt um eine Betrachtung des MG künftig wohl nicht mehr herum. Tolle Materialien, Verarbeitung und Design sehen ganz und gar nicht nach Lowbudget aus. Die Fahrt fühlt sich dagegen nicht so kraftvoll an, wie es knapp 260 PS vermuten lassen. Immerhin: Lenkung und Fahrwerk sind eine Freude.

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