Nürburgring-Nordschleifen-Zeiten: Was macht wirklich schnell in der Grünen Hölle?

Nürburgring-Nordschleifen-Zeiten
Was macht wirklich schnell in der Grünen Hölle?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 08.06.2026
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Porsche 911 GT3 992.2
Foto: Hans-Dieter Seufert

In jüngster Vergangenheit purzeln sie wieder – die Rekordzeiten auf der Nürburgring-Nordschleife in verschiedenen Kategorien. Ein Ringrekord bringt dem Normalfahrer zwar nichts, lässt sich aber vom Hersteller prestigeträchtig gut verkaufen. Immerhin gilt die Nordschleife mit einer Streckenlänge von 20,832 Kilometern, Steigungen von bis zu 18 Prozent und Gefällstrecken mit bis zu 11 Prozent sowie wechselnden Asphaltflächen und einem Höhenunterschied von 300 Metern als schwierigste und anspruchsvollste Rennstrecke der Welt. Wer es hier drauf hat, hat es überall drauf.

Super-SUV gegen Kompaktsportler

Zu den jüngsten Einträgen in die Rekordlisten zählen beispielsweise der Elektro-SUV Xiaomi YU7 GT. Mit einer Zeit von 7:22,755 Minuten ist er aktuell der schnellste SUV in der Grünen Hölle. Damit der 2,4-Tonnen-Bolide diese Zeit schafft, muss der elektrische Allradantrieb mit 738 kW – also fast 1.000 PS – ranklotzen.

Mit 7:44,523 Minuten ist der VW Golf GTI Edition 50 zwar 22 Sekunden langsamer, aber immer noch der schnellste Fronttriebler. Der Zweilter-Turbobenziner im GTI schiebt aber auch nur mit 325 PS an und sieht sich auch mit nur 1.450 Kilogramm Gewicht konfrontiert. Macht eine Tonne Gewichtsunterschied, 665 PS weniger Leistung, nur zwei angetriebene Räder, aber nur 22 Sekunden Rückstand.

Nachsehen trotz 567 PS Mehrleistung

Wechseln wir in eine andere Zeitenklasse. Im August 2028 schafft die 1.267 PS starke und 1,8 Tonnen schwere Allrad-Corvette ZR1X eine Zeit von 6:49.275 Minuten. Damit sortiert sie sich bei den Seriensportwagen hinter dem rund 1.500 Kilogramm schweren Porsche 911 GT2 RS Manthey (6:43.300 min.) ein. Der kommt auf nur 700 PS und verfügt über nur zwei angetriebene Räder. Trotz 567 PS Mehrleistung bei 300 Kilogramm Mehrgewicht, kann der US-Sportler dem Elfer nicht das Wasser reichen. Gegenüber dem nur 525 PS starken und ebenfalls rund 1.500 Kilogramm schweren Porsche 911 GT3 RS, der mit einer Zeit von 6:49.328 Minuten in der Nürburgring-Rekordbilanz steht, liegt der Vorsprung gerade einmal bei knapp einer Zehntel-Sekunde. Hier liegt das Leistungsplus sogar bei 742 PS, der Gewichtsnachteil unverändert bei 300 Kilogramm.

Darauf kommt es an

Was aber macht wirklich schnell auf der Nordschleife? Die eine einzige Antwort darauf gibt es nicht. Für eine gute Rundenzeit ist man auf ordentlich Power angewiesen. Mehr Zweitgewinn bringt aber meist ein perfekt abgestimmtes Fahrwerk. Zu diesem Punkt zählen hochwertige und haftfreudige Sportreifen, eine optimale Dämpferabstimmung sowie eine präzise Lenkung. Damit lassen sich in den vielen Kurven mehr Sekunden gutmachen, als man mit viel Leistung auf den wenigen Geraden wieder hereinfahren kann.

Enorm wichtig ist auch eine funktionierende Aerodynamik, die hohe Abtriebswerte mit wenig Luftwiderstand kombiniert. So lassen sich Kurven später anbremsen, schneller durchfahren und auch die Beschleunigungsphase kann früher beginnen. Ein weiteres entscheidendes Kriterium ist das Gewicht. Weniger ist hier mehr. Weniger Gewicht hilft beim Bremsen, beim Beschleunigen, beim Einlenken und nicht zuletzt beim Thema Reifenverschleiß.

Wie gut ein perfekt abgestimmtes Paket in der grünen Hölle funktioniert zeigen die oben erwähnten Porsche GT-Modelle, die gemessen an den Konkurrenten mit relativ wenig Leistung beachtliche Rundenzeiten abliefern.

Nicht unterschlagen wollen wir den wohl wichtigsten Faktor. Gemeint ist damit der Fahrer. Wer alle Tücken der Nordschleife kennt, lässt auch unerfahrene Piloten in weit leistungsstärkeren Fahrzeugen deutlich hinter sich.

Rekord für die Ewigkeit

Den absoluten Rundenrekord auf der Nordschleife hält übrigens seit Juni 2018 Timo Bernhard im Porsche 919 Hybrid Evo. Der Nordschleifenprofi scheuchte den knapp 1.200 PS starken und nur 850 Kilogramm schweren Renn-Prototypen, der von Porsche zudem speziell für diese Rekordfahrt präpariert wurde, in nur 5:19.546 Minuten durch die Grüne Hölle. Vermutlich wäre es noch schneller gegangen, aber Andreas Seidl, seinerzeit Porsches LMP1-Teamchef und Leiter des Rekordteams, erklärte, dass eine Hightech-Maschine wie der 919 ist eigentlich viel zu schnell für die Nordschleife ist. "Die Sicherheit stand an oberster Stelle", so Seidl.

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