Beim Formel-1-Wochenende in China hat Aston Martin den nächsten Tiefpunkt in einer ohnehin schwierigen Saison erreicht. Wie schon beim Saisonstart in Melbourne schieden beide Fahrzeuge vorzeitig aus. Vor allem das vorzeitige Ende von Fernando Alonso dürfte für neue Diskussionen sorgen. Dabei geht es nicht nur um mangelnde Performance, sondern um die Sicherheit im Cockpit.
Was zunächst wie ein weiterer enttäuschender Rennsonntag begann, nahm für den zweimaligen Weltmeister eine beunruhigende Wendung. Auslöser waren massive Vibrationen des Honda-Antriebs, die von der Überbelastung der MGU-K stammten. Sie führten irgendwann auch zu körperlichen Ausfallerscheinungen des Piloten.
Alonso schilderte die Situation nach dem Rennen eindringlich: "Ich musste aufgeben, weil die Vibrationen heute extrem waren. Es hat schon ungefähr in Runde 20 begonnen, dass ich das Gefühl in den Händen und Füßen komplett verloren habe."
Onboard-Aufnahmen zeigen, wie Alonso auf der langen Geraden die Hände vom Lenkrad nahm, um die Muskeln und Gelenke zwischenzeitlich etwas zu entspannen. Bei Geschwindigkeiten jenseits der 300 km/h ein alarmierender Zustand. "Unter diesen Umständen weiterzufahren, machte keinen Sinn", berichtete der Spanier. In Runde 32 zog das Team schließlich die Reißleine.

Lance Stroll musste schon nach 9 Runden mit defekter Batterie aufgeben.
Vibrationen werden schlimmer
Auch Teamkollege Lance Stroll musste in China früh aufgeben. Hier gab das Material in Runde 9 schon vor dem Fahrer auf. Die Vibrationen hatten zu einem erneuten Schaden der Batterie geführt. Einsatzleiter Mike Krack hatte eigentlich angekündigt, dass man Gegenmaßnahmen für China geplant hatte, um die Vibrationen zu lindern. Doch das blieb offenbar ohne Erfolg.
Alonso bestätigte, dass sich die Lage im Verlauf des Wochenendes sogar verschärfte. "Die Vibrationen waren im Rennen schlimmer als in den anderen Sessions zuvor", erklärte der Doppel-Weltmeister "Wir lagen aber schon eine Runde hinten, ganz am Ende des Feldes. Es bestand kein Grund noch weiterzumachen. Ich wäre wahrscheinlich sowieso nicht ins Ziel gekommen."
Eine Gegenmaßnahme, die sich die Honda-Verantwortlichen zur Reduzierung der Vibrationen überlegt hatten, bestand offenbar darin, in niedrigeren Drehzahlen zu fahren. "Das funktioniert im Rennen aber nicht. Da muss man den Motor höher drehen, wenn man überholen oder die Batterien aufladen will. Das wird mit der Zeit immer anspruchsvoller und anstrengender", winkte Alonso ab. Was die Hardware angeht, sei der Antriebsstrang im Vergleich zu Melbourne unverändert geblieben.

Alonso wurde 32 Runden lang von seinem Auto malträtiert, bevor er aufgab.
Keine Lösung in Sicht
Krack betonte dennoch, dass man sich weiterentwickelt habe: "Wenn man sieht, wo wir am Anfang der Saison standen, dann ist auf jeden Fall ein Fortschritt zu erkennen, auch wenn es von außen vielleicht nicht so aussieht. Wir konnten deutlich mehr Runden abspulen. Die Zeit auf der Strecke ist wichtig, um Fehler zu erkennen und sie für die Zukunft zu beheben."
Wann bei Aston Martin wieder Normalität einkehrt, konnte Krack noch nicht sagen. "Wir müssen schauen, was wir zusammen mit Honda noch erreichen können und in welcher Zeit. Man kann jetzt aber noch nicht final sagen, wann alle Probleme behoben sind." Beim Honda-Heimspiel in Suzuka (29.3.) droht also direkt die nächste Pleite.

Ist die Fahrt im Aston Martin noch sicher oder ist die Gesundheit der Piloten gefährdet?
Kritische Grenze überschritten?
Die Frage lautet auch, ob nicht irgendwann die FIA eingreift. Was zunächst nur wie ein technisches Detailproblem wirkte, entwickelt sich zunehmend zu einem ernsthaften Sicherheitsrisiko. Wenn die Vibrationen im Cockpit dazu führen, dass die Fahrer die Kontrolle über ihren Körper verlieren, ist eine kritische Grenze überschritten.
Auch Krack hat Mitleid mit seinen Piloten, nicht nur was die Situation im Cockpit angeht: "Die Fahrer sind in der schlimmsten Situation. Sie können gar nichts an der aktuellen Lage ändern. Aber sie müssen sich danach hinstellen und diese schwierige Situation vor den TV-Kameras erklären. Sie stecken so viel Energie rein und bekommen dann Fragen gestellt, die nicht immer angemessen sind. Man kann natürlich sagen, dass sie Profis sind, aber sie sind auch Menschen. Das sollte man nicht vergessen."












