Newey-Team hinkt hinterher: Wer hat Schuld am Aston-Martin-Debakel?

Trotz Adrian Newey hinkt Aston Martin hinterher
Wer hat Schuld am Debakel?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 24.02.2026
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"Geld schießt Tore" lautet ein berühmtes Sprichwort aus dem Fußball. Wer die besten Spieler verpflichtet, hat in der Regel auf lange Sicht Erfolg. In der Formel 1 versucht das seit mehreren Jahren Aston Martin, allerdings ohne die erwünschten Resultate. Die beste Saison gelang noch 2023, als Fernando Alonso insgesamt acht Podestplätze holte. Anschließend ging es jedoch in der Tabelle Saison für Saison nach hinten.

2026 soll alles anders werden – oder besser gesagt "sollte" alles anders werden. Die Testfahrten in Bahrain und die Shakedown-Woche in Barcelona waren ein Debakel für die in Silverstone beheimatete Truppe. Die Köpfe gehen bereits nach unten. Statt guter Rundenzeiten und problemloser Dauerläufe glänzte Aston Martin mit Abwesenheit auf der Piste.

Die aufkommende Krise war bereits in Barcelona zu erahnen. In der ersten Testwoche dieses Jahres ließ das Team den AMR26 erst spät nach Katalonien transportieren. Lance Stroll drehte am vorletzten Tag (29.1.) ein paar Runden, ehe die Session vorbei war. Am Freitag (30.1.) rückte Fernando Alonso mit dem AMR26 aus. Insgesamt 65 Runden schaffte Aston Martin in Barcelona. Das Team befand sich zu diesem Zeitpunkt schon im Rückstand. Die Verantwortlichen mussten zugeben, dass selbst für eine Lackierung keine Zeit blieb.

Verspätung bremst Aston aus

Die Gründe dafür sind vielschichtig. Technik-Chef Adrian Newey erklärte nach dem Shakedown in Spanien die Probleme: "Wir konnten erst Mitte April ein Modell des 2026er-Autos in den Windkanal bringen, während unsere Konkurrenten bereits ab Ende des Aerotest-Verbots Anfang Januar ein Modell im Windkanal hatten. Das hat uns um etwa vier Monate zurückgeworfen und zu einem extrem engen Entwicklungs- und Designzyklus geführt."

Dennoch war die Hoffnung da, den Renner in den zwei Testwochen von Bahrain besser kennenzulernen und auf Tempo zu kommen. Das Unterfangen ging aber in die Hose. Nur 206 Runden schafften Alonso und Stroll in der ersten Woche. Letzterer polterte, dass dem Team 4,5 Sekunden an Performance fehlen würden.

Honda - RA626H - Power Unit - Motor - Formel 1 - 2026
Honda

Honda fing bei Null an

Schnell suchten Journalisten und Fans nach dem Schuldigen. Dabei geriet der neue Motorenpartner Honda ins Visier. Die Japaner sind seit dieser Saison Lieferant von Aston Martin. Zuvor steckten die Power Units bei Red Bull und den Racing Bulls unter der Haube. Auf den ersten Blick erscheint Honda als sichere Bank. Der Hersteller verhalf Max Verstappen zu vier WM-Titeln.

Doch Honda hat ein großes Problem. Am 2. Oktober 2020 gab man den werksseitigen Ausstieg mit Ablauf der 2021er-Saison bekannt. Red Bull stand vor dem Nichts und entschied sich, einen eigenen Antrieb zu entwickeln. Honda hingegen verkündete 2022 die Rückkehr für das neue Reglement 2026. In der Zwischenzeit waren aber alle F1-Ingenieure zu den Gegnern gewechselt. In Sakura musste man ein komplett neues Programm für die Königsklasse aufbauen.

Aston Martin AMR26 - Formel-1-Test - Bahrain - 2026
ams

Design ist zu extrem

Der neue RA262H leidet an Überhitzung und es fehlt an Power. In der F1-Kommission am Mittwoch während der zweiten Testwoche (18.2.) soll Adrian Newey gesagt haben, dass die Batterie nicht einmal in der Lage sei, die maximale Elektro-Leistung von 350 Kilowatt zu rekuperieren. Man schaffe noch nicht einmal den unteren Wert von 250 kW, was natürlich einen massiven Nachteil darstellt.

Die Probleme nur Honda in die Schuhe zu schieben, greift allerdings zu kurz. Der als Heilsbringer verpflichtete Newey gilt als Mann kompromissloser Designs. Das fiel Beobachtern beim neuen Aston sofort auf. Das Heck ist extrem schmal geschnitten. Während die meisten Teams im warmen Bahrain kaum Öffnungen zur Kühlung benötigten, war der AMR26 nahezu durchlöchert.

Honda selbst soll dem Vernehmen nach Newey aber freie Hand gelassen haben. Ganz nach dem Motto: "Sag uns, wie dein Design wird, wir bauen dann die Power Unit entsprechend zusammen." Der Haken an der Sache ist, dass Newey seine Fahrzeuge notorisch spät fertigstellen lässt. Helmut Marko scherzte einst, dass sich Newey dem Limit immer von oben nähere, was natürlich mit einem gewissen Risiko verbunden ist. Für 2026 geriet Aston Martin auf Chassis- und Motorseite ins Hintertreffen. Zudem bereitet das selbstgebaute Getriebe Kopfschmerzen.

Fernando Alonso - Aston Martin - Bahrain - Test - Formel 1 - 2026
Honda

Alonso verteidigt Newey

Das Team rutschte in der zweiten Testwoche von Bahrain noch tiefer in die Krise. Die Rundenzeiten verbesserten sich kaum, selbst auf Neuling Cadillac fehlten mehrere Zehntel. Gerade einmal 122 Runden gelangen Stroll und Alonso. Am Mittwoch versenkte Lance Stroll den Wagen in Kurve 11 im Kiesbett. Ob es ein Fahrfehler oder ein technischer Defekt war, verkündete das Team nicht.

Tags darauf rollte Stallgefährte Alonso aus. Das Auto war noch elektrisch geladen, die Mechaniker hatten Sicherheitshandschuhe an, um den Renner zu bergen. Nach dem Defekt kommunizierte Honda, dass die Mitarbeiter das Problem in Sakura untersuchen mussten. Am letzten Tag fuhr Stroll deshalb nur noch sechs Runden. Angeblich waren Probleme mit der Batterie und der Ersatzteilmangel Schuld an der Kilometerdiät.

Trotz der Misere verbreitet Alonso (Zweck-)Optimismus: "Vor allem auf der Chassis-Seite bin ich zuversichtlich. Da gibt es für mich keine Fragezeichen. Nachdem Adrian 30 Jahre lang den Sport dominiert hat, vergisst er nicht einfach alles innerhalb eines Jahres", glaubt der Spanier an den Design-Guru. Neweys Autos gewannen in seiner langen F1-Karriere 26 WM-Titel. Dennoch gelangen dem Superhirn nicht immer die ersten Entwürfe bei einem neuen Reglement. Sowohl 2014 als auch 2017 war Red Bull auf Chassis-Seite nicht die Messlatte der Formel 1.

Wie lange bleibt Stroll ruhig?

In Bahrain schlurfte Teambesitzer Lawrence Stroll missmutig durch das Fahrerlager. Er will endlich Siege und Titel mit seinem Rennstall feiern. Ernste Gespräche zwischen dem Kanadier und der Teamführung waren häufiger zu beobachten. Die Frage lautet, wie lange sich der Milliardär den Misserfolg noch ansehen wird und wann er die Geduld verliert. Auf dem Papier waren alle Zutaten für einen Angriff auf die Spitze gegeben.

Doch das ist keine Garantie für Siege. Auch Aston Martin muss die vermeintlich besten Akteure erst zu einer Einheit formen. Das haben die Wintertests eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Bevor es an die Spitze geht, gilt es, zunächst den Rückstand aufzuholen. Das wird hart genug.

Fazit