Es war ein Trauerspiel, das Aston Martin und Honda bei den Testfahrten in Bahrain abgeliefert hatten. Die vermeintliche Traumehe sollte das ehrgeizige Team aus Silverstone eigentlich zum großen Erfolg führen. Mit Honda als Motorenlieferant ist man erstmals in der Geschichte des Rennstalls ein echtes Werksteam. Die passenden Zutaten auf dem Papier alleine scheinen aber nicht zum Titel zu führen.
Fernando Alonso und Lance Stroll konnten aufgrund von Technik-Dramen nur wenige Runden drehen und waren dazu noch extrem langsam unterwegs. Aktuell scheint Aston Martin das Schlusslicht in der Formel 1 zu sein – noch hinter Neuling Cadillac. Es ist das zweite Mal seit 2015, dass Honda am Anfang eines Reglementzyklus der F1-Konkurrenz hinterherhechelt. Damals war der RA615H im McLaren nicht wettbewerbsfähig.
Auch jetzt schieben Insider einen Großteil der Probleme des neuen AMR26 dem neuen Motorenpartner in die Schuhe. Die Japaner haben das registriert und sind nach dem Bahrain-Frust in die Offensive gegangen. In Japan berief die Honda Racing Corporation (HRC) kurzfristig eine Pressekonferenz ein. HRC wollte den Eindruck einordnen und zugleich erklären, was schiefgelaufen ist.
Honda bleibt zuversichtlich
HRC-Präsident Koji Watanabe sprach dabei von Tagen, die dem Projekt nicht gerecht wurden. "Ehrlich gesagt waren die Vorsaisontests extrem hart für uns. Wir konnten nicht unsere volle Leistung abrufen. Dazu traten eine Reihe von Problemen zutage." Für Honda sei der Test trotzdem nicht wertlos gewesen. "Dieser Test war ein sehr wichtiger Prozess, da er uns die Probleme vor Augen führte."
Jetzt gehe es um das Zusammenspiel mit Aston Martin. "Unsere Ingenieure und Mechaniker arbeiten jetzt enger denn je mit dem Team vor Ort zusammen. Wir arbeiten Tag und Nacht an Verbesserungen", drosch Watanabe beliebte Phrasen in einer sportlichen Krise.
"Wir befinden uns in offenen Gesprächen, um Lösungen für diese Herausforderung zu finden", führte Watanabe aus. "Die Hindernisse, vor denen wir stehen, sind sicherlich hoch, aber wir werden nicht vorzeitig aufgeben", appellierte der Japaner an die Moral seiner Mitarbeiter, die jetzt den Turnaround schaffen müssen.
HRC-Geschäftsführer Ikuo Takeishi sprach ebenfalls auf der Pressekonferenz. "Während der Testfahrten stellten wir einige ungewöhnliche Vibrationen fest", präzisierte Takeishi die technischen Schwierigkeiten. Diese Vibrationen trafen offenbar ein sensibles Bauteil. "Die Hauptursache des Problems war, dass diese ungewöhnlichen Vibrationen das Batteriesystem beschädigten." Aus Hondas Sicht lösten die Schwingungen eine Kettenreaktion aus.

HRC-Geschäftsführer Ikuo Takeishi ist zuversichtlich, dass Honda trotz der aktuellen Probleme wieder Rennen gewinnen wird.
Mechanische Probleme am neuen Motor
Damit sind die Herausforderungen nicht nur die Software oder die Kühlung betreffend, wie es bei den Testfahrten allenthalben vermutet wurde. Es geht auch um die Mechanik des Motors und darum, wie Antriebseinheit und Chassis zusammenarbeiten. "Als Reaktion darauf untersuchen wir selbstverständlich die Ursache bei der Antriebseinheit und werden Maßnahmen ergreifen. Gleichzeitig ergreifen wir auch Maßnahmen auf der Fahrzeugseite", kündigte Takeishi Aktionismus an allen Fronten an.
"Wir nutzen in Sakura einen Prüfstand mit einer Monocoque-Konstruktion, um Schwingungsdämpfungsmaßnahmen und -analysen durchzuführen", erläuterte Takeishi das weitere Vorgehen und weiter: "Wir sind derzeit dabei, Gegenmaßnahmen umzusetzen."
Bis diese greifen, könnte der Zug an der Spitze für diese Saison bereits ohne Aston Martin abgefahren sein. Verwunderlich sind die großen Probleme an der Antriebseinheit zu Beginn des neuen Reglements. Zwar verlor Honda nach dem zwischenzeitlichen Ausstieg wichtige Leute an andere F1-Hersteller, doch als Basis für den neuen Motor hätte der alte Verbrenner dienen können. Mit diesem holte Max Verstappen vier WM-Titel. Der Antrieb zählte zu einem der besten in der Königsklasse.
Mut dürfte Honda ein Blick in die Vergangenheit machen. Nach den drei enttäuschenden Jahren mit McLaren entwickelte man sich nach dem Wechsel zu Red Bull stetig weiter. "Wir werden definitiv gewinnen", verkündete Ikuo Takeishi deshalb vollmundig.












