Bei Audi ist die Stimmung gut. Das neue Formel-1-Projekt kann endlich durchstarten. Am Wochenende (8.3.) steht in Melbourne die lange erwartete Rennpremiere unter dem Vier-Ringe-Banner an. In vielen Werken des Autobauers soll es Public-Viewing-Events geben, damit auch die Belegschaft mitfiebern kann. Unternehmenschef Gernot Döllner hat angekündigt, nur für den Renntag nach Down Under zu fliegen, um beim historischen Moment dabei zu sein.
Nach dem ersten Shakedown in Barcelona mit vielen Kinderkrankheiten war die Stimmung im Team noch etwas gedrückt. Doch in Bahrain konnten die Ingenieure ein Problem nach dem anderen ausmerzen. Mit jedem Tag wurden Kilometerleistungen und Pace besser. Die Fahrer fühlten sich immer wohler in ihrem neuen Dienstwagen. Doch so richtig wurden die Karten noch nicht auf den Tisch gelegt.
Während andere Mittelfeld-Teams wie Haas oder Alpine gegen Ende der Testfahrten schon fleißig auf Zeitenjagd gingen und einige schnelle Qualifying-Simulationen absolvierten, blieb der Audi-Tank stets gut gefüllt. Die Teamführung wollte unter allen Umständen vermeiden, dass man in der Zeitentabelle zu weit oben auftaucht und damit Erwartungen weckt.

Nico Hülkenberg wollte sich nicht konkret zu Zielen äußern. Man wolle aber sicher nicht schlechter abschneiden als im Vorjahr.
Internes Ziel: vorderes Mittelfeld
Das Pokerspiel hat in Hinwil Tradition. Auch unter dem alten Sauber-Banner übte man sich bei den Testfahrten meistens in Zurückhaltung. Hört man sich aber mal im Team um, ist die Aufbruchstimmung förmlich zu spüren. Sollte die Technik den Piloten keinen Streich spielen, traut man sich durchaus zu, von der Pace her im vorderen Mittelfeld mitzuschwimmen.
Das aggressive Aerodynamik-Konzept mit den schmalen, vertikal angeordneten Kühleinlässen an den Seitenkästen funktioniert offenbar. Bei den Aufhängungen setzt man wie die meisten anderen Teams auf Pushrod-Systeme vorne und hinten. Und beim Gewicht soll der R26 vom Start weg an das erlaubte Limit kommen. Das können nicht alle Kontrahenten von sich behaupten.
Ein Fragezeichen schwebt noch über der Leistung des ersten selbst konstruierten V6-Antriebs aus dem Entwicklungszentrum in Neuburg. Weil Audi im Gegensatz zu den meisten anderen Motorenherstellern nur ein einziges Auto bei den Testfahrten zum Sammeln von Daten im Einsatz hatte, müssen die Ingenieure beim Power-Output etwas konservativer vorgehen. Erst wenn die Technik standfest ist, kann an der Leistungsschraube gedreht werden.

Wie gut kann der Audi-Motor mithalten, wenn alle die Leistung voll aufdrehen?
Probleme beim Start
Der Punkt, der den Ingenieuren aber am meisten Sorgen bereitet, ist der Start. Bei den Übungen in Bahrain kam der R26 regelmäßig am schlechtesten von der Linie weg. Ob das Problem hardwarebedingt ist oder sich schnell mit einer neuen Software beheben lässt, wissen wir leider nicht. Es ließ sich lediglich feststellen, dass der Motor beim Ladedruck-Aufbau vor der Ampel deutlich unruhiger hochdrehte, als das bei anderen Autos der Fall war.
Unklar ist auch noch, wie gut sich Audi im Entwicklungskampf gegen die anderen Mittelfeld-Teams schlagen kann. In Hinwil wurde zuletzt ordentlich aufgerüstet, was Personal und Infrastruktur angeht. Man sei aber noch längst nicht auf dem Niveau der Top-Teams angekommen, erklärte Teamchef Jonathan Wheatley. Die aufgestockten Abteilungen müssen erst noch lernen, wie eine Einheit zusammenzuspielen.












