Stillstand bedeutet in der Formel 1 bekanntlich Rückschritt. Die Königsklasse befindet sich stets im Wandel. Wir haben an dieser Stelle schon viel über die Änderungen am Antrieb und der Aerodynamik für die kommende Saison geschrieben. Kurz zusammengefasst: Die Autos werden kleiner und leichter, es gibt mehr Elektro-Power, gefahren wird mit CO₂-neutralem Benzin, die Piloten müssen im Cockpit aktiv Energiemanagement betreiben, das DRS fällt weg, dafür können die Flaps am Front- und Heckflügel künftig auf allen Geraden flachgestellt werden.
Im Schatten der großen Technik-Revolution, die vor allem für mehr Action und mehr Nachhaltigkeit sorgen soll, ist das Thema Sicherheit fast ein wenig untergegangen. Dabei hat die FIA den Reglement-Umbruch wie immer auch dazu genutzt, noch einmal beim Schutz der Piloten nachzubessern. Gleich an mehreren Stellen haben die Experten des Weltverbands das Reglement verschärft, damit Unfälle in Zukunft noch glimpflicher ausgehen.
Kern des Sicherheitskonzepts ist traditionell die Überlebenszelle. Die obligatorischen Crashtests des Monocoques, die jeder Rennstall vor der Homologation eines neuen Autos bestehen muss, wurden an vielen Stellen verschärft. Dabei legten die Regelhüter einen besonderen Wert auf den Seitenaufprallschutz. Vor allem die Verletzungsgefahr bei sogenannten "T-Bone-Unfällen", bei denen ein Auto quer zur Fahrbahn zum Stillstand kommt, konnte verringert werden.

Um ein havariertes Auto besser sichtbar zu machen, werden in den Außenspiegeln Blinklichter verbaut.
Warnblinker für bessere Sichtbarkeit
Hier setzen die FIA-Ingenieure aber nicht nur auf verstärkte Kevlar- und Carbon-Strukturen, sondern auch auf eine bessere Sichtbarkeit. Damit Autos nach qualmenden Drehern oder hinter blinden Kurven bzw. Kuppen für den nachfolgenden Verkehr schneller zu erkennen sind, bekommen sie nun Blinklichter in den Außenspiegeln eingebaut. Ähnlich wie bei Warnblinkern in einem Straßenauto sollen sie frühzeitig auf die Gefahrenstelle aufmerksam machen. Dazu gibt es wie bisher auch noch Blinklichter am Heckflügel und der hinteren Crashstruktur.
Auch im Falle eines Überschlags sind die Piloten künftig besser gesichert. Der Überrollbügel, der schon in den letzten Jahren immer wieder verstärkt wurde, ist nun noch einmal deutlich widerstandsfähiger ausgelegt. Nach offiziellen Angaben kann er 23 Prozent mehr Druck aushalten als bisher, wenn das Auto kopfüber auf den Asphalt kracht. In Verbund mit dem Halo-Bügel wird die traditionelle Schwachstelle offener Formel-Rennwagen somit immer weiter entschärft.

Die Lichter am Heckflügel zeigen den Lademodus an, die LEDs in der Crashstruktur blinken bei Regen dauerhaft.
Mehr Sicherheit, mehr Gewicht
Auch beim Frontal-Aufprallschutz haben sich die FIA-Ingenieure etwas einfallen lassen. Der vordere Teil der Rennwagen beherbergt nun eine zweigeteilte Crashstruktur. Die Nase selbst knautscht sich bei einem kleineren Aufprall zusammen. Wenn es weitere oder heftigere Einschläge gibt, sorgt eine zweite Knautschzone weiter hinten in der Frontpartie für eine zusätzliche Dämpfung. Damit soll die Belastung der Piloten im Cockpit deutlich reduziert werden.
Bei den Ingenieuren der Teams sorgen die verbesserten Sicherheitsmaßnahmen aber immer auch für Kopfschmerzen. Widerstandsfähigere Crashstrukturen sorgen stets für zusätzliches Gewicht. Statt das Limit zu erhöhen, wurde das Mindestgewicht jedoch deutlich, von 800 auf 768 Kilogramm, reduziert. Neben der zusätzlichen Sicherheit sind auch die größeren Batterie-Pakete negativ auf der Waage spürbar. Bei der Entwicklung der neuen Autos stand somit das Thema Gewicht stets ganz oben auf der Prioritätenliste.












