Max Verstappen - Sergio Perez - Red Bull - GP Emilia-Romagna 2022 - Imola Red Bull
Carlos Sainz - GP Emilia Romagna - Imola - 2022
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Taktikcheck GP Emilia Romagna: Red Bull zu gut

Taktikcheck GP Emilia Romagna Red Bull einfach besser als Ferrari

GP Imola 2022

Ferrari war gegen Red Bull praktisch chancenlos. Um das Heimspiel in Imola zu gewinnen, hätte der Hausherr alles richtig machen müssen. Es sind aber zu viele Fehler passiert. Große und kleine.

Das Ferrari-Heimspiel in Imola erinnerte an den GP Australien. Nur mit umgekehrter Rollenverteilung. Beim Grand Prix der Emilia Romagna gab Red Bull den Ton an. Weil der Herausforderer praktisch alles besser konnte oder machte als der Hausherr. Der Red Bull war das schnellere Auto, er war besser ausbalanciert und eine Spur netter zu den Reifen.

Max Verstappen und Sergio Perez haben weniger Fehler gemacht als ihre Kollegen von Ferrari. Beim Start, beim Zweikampf, in den schnellsten Runden. Und der Kommandostand von Red Bull reagierte auf alles richtig, was sich Ferrari einfallen ließ. Der zweite Boxenstopp von Charles Leclerc war per se kein Fehler. Er kam nur zum falschen Zeitpunkt. Zwei Runden später hätte den gleichen Effekt gehabt, nur ohne das Risiko hinter Lando Norris zu fallen.

Charles Leclerc - Ferrari - GP Emilia-Romagna 2022 - Imola
xpb
Bei Ferrari stimmte das Timing der Boxenstopps nicht ganz.

Ferraris Eile ohne Not

Ferraris Schachzug hatte nichts mit dem Extrapunkt für die schnellste Runde zu tun. Dafür kam der Boxenstopp in Runde 49 zu früh. Max Verstappen hätte bei einem Vorsprung von 16,2 Sekunden auf Leclerc jederzeit gefahrlos reagieren können. Der Wechsel auf Soft-Reifen war auch keine Reaktion auf Reifenprobleme, die den WM-Spitzenreiter den Sieg im Sprint gekostet hatten. "Die Reifen waren in Ordnung. Wir sahen nur keine Chance mehr, an Perez auf normalem Weg vorbeizukommen", erklärte Ferrari-Teamchef Mattia Binotto.

In Runde 48 betrug der Rückstand von Leclerc auf den Mann auf dem zweiten Platz 2,7 Sekunden. Er hatte nach einem Zwischenspurt den Abstand um vier Zehntel verkürzt und lag damit wieder im Undercut-Fenster von Perez. Trotzdem musste Ferrari keine Angst haben, dass Red Bull einen Undercut vorwegnehmen würde.

Das Risiko, den zweiten Platz wegzuschmeißen, war aus Sicht von Perez viel zu groß. Leclerc wäre auf der Strecke geblieben, und er hätte dann in 14 Runden 28 Sekunden auf Ferrari gutmachen müssen. Ein aussichtsloses Unterfangen. Perez nahm Lando Norris in diesen 14 Runden trotz frischer Soft-Reifen gerade mal 18 Sekunden ab.

Ferrari hätte die Eile gar nicht nötig gehabt. Die Strategen nutzten den ersten Moment, an dem Norris auf dem Papier aus Leclercs Boxenstopp-Fenster verschwand. In der 48. Runde hatte der zweifache Saisonsieger 27,4 Sekunden Vorsprung auf den McLaren. Zwei Runden später wären es knapp 29 Sekunden gewesen. Leclerc war zu dem Zeitpunkt sechs Zehntel pro Runde schneller als Norris.

Sergio Perez - Red Bull - GP Emilia-Romagna 2022 - Imola
Wilhelm
Sergio Perez spielte den Manndecker für Max Verstappen und fuhr souverän auf den zweiten Platz.

Red Bull reagierte auf Ferrari

Mit einem Boxenstopp in Runde 51 wäre Leclerc auch mit einem mittelmäßigen Boxenstopp vor Norris ins Rennen zurückgekehrt. Hätte Red Bull mit Perez nicht reagiert, wäre der zweite Platz so oder so verloren gewesen. Auch bei einem Boxenstopp zwei Runden früher. Die Restdistanz war auf jeden Fall zu kurz, um die Zeit eines Boxenstopps mit den Soft-Reifen reinzufahren.

Red Bull machte prompt, worauf Ferrari gehofft hatte. Sie holten Perez eine Runde später an die Box. Hätte Leclerc da nicht den McLaren von Norris vor der Nase gehabt, wäre es für Perez gefährlich geworden. In der Aufwärmphase wäre er bei einem Angriff seines Gegners verwundbar gewesen. Leclerc musste dazu nur vor der Rivazza-Kurve in den DRS-Bereich des Red Bull aufschließen.

Beim Versuch es doch irgendwie zu schaffen, drehte sich der Ferrari-Pilot von der Strecke. Red Bull-Teamchef Christian Horner sah die Aktion so: "Die Variante Alta war die einzige Kurve, in der Ferrari deutlich schneller war als wir. Deshalb musste Charles dort alles riskieren, um zu Checo aufzuschließen."

Start - GP Emilia Romagna - Imola - 2022
Wilhelm
Ein schlechter Start warf Leclerc hinter Perez und den McLaren von Norris.

Ferrari-Starts Geschenk an Red Bull

Ferraris Niederlage wurde eigentlich schon im Sprint besiegelt. Leclerc verlor zwei Runden vor Schluss die Führung, weil bei ihm der rechte Vorderreifen früher zu körnen begann als bei seinem WM-Rivalen. Es war das umgekehrte Bild zu Melbourne. Diesmal fand Red Bull die bessere Fahrzeugbalance. Das Aerodynamik-Upgrade und die Reduzierung des Gewichtsnachteils gegenüber Ferrari gaben Red Bull den kleinen Vorsprung, der sie bei der Fahrzeugabstimmung in eine Position der Stärke versetzte.

Die schlechten Starts der Ferrari-Piloten im Hauptrennen spielten Verstappen einen weiteren Ball zu. Jetzt hatte er Perez als Manndecker in seinem Rücken. Carlos Sainz fiel als Hilfe für Leclerc aus. Der Spanier landete wie im Q2 im Kiesbett. Diesmal unverschuldet. Auch Sainz kam beim Start nicht optimal vom Fleck.

Binotto schob es auf die Startplätze auf der rechten Straßenseite, die nasser war als die linke. Man kann im Rückblick auch so argumentieren: Hätte Leclerc im Sprint die Führung verteidigt und wäre Sainz da nicht wegen seines Fehlers am Freitag von so weit hinten gestartet, wären beide vielleicht auf der besseren Seite gestartet.

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Emilia-Romagna 2022 - Imola
Wilhelm
Lewis Hamilton verzweifelte hinter Pierre Gasly im Alpha Tauri.

Hamilton verlor an den Boxen vier Plätze

Im Verfolgerfeld bestimmten zwei Momente die Reihenfolge. Der Start und das Timing des Boxenstopps von Intermediates auf Medium-Reifen. Die Sieger beim Start waren Kevin Magnussen, George Russell, Sebastian Vettel, Yuki Tsunoda, Lance Stroll und Esteban Ocon. Verloren haben Carlos Sainz, Daniel Ricciardo und Lewis Hamilton. Von den Profiteuren der ersten Runde konnte nur Magnussen seinen Platz nicht halten. Der Haas-Pilot verlor vier Positionen auf der Strecke und einen durch den Boxenstopp.

Der Wechsel auf die Medium-Reifen spielte sich innerhalb drei Runden ab. Daniel Ricciardo machte in Runde 17 den Anfang. Vettel meinte, dass der Australier die richtige Runde erwischte, er sich als Letzter im Feld das Risiko aber auch leisten konnte. Vettel stand als nächster beim Reifen-Service und machte dabei einen Platz gegen Magnussen gut, der eine Runde später dran war.

Pierre Gasly kam mit Vettel an die Box und machte ebenfalls eine Position gut. Aber nur, weil Hamilton 4,6 Sekunden stand, bis die neuen Reifen am Auto waren und Alpine Esteban Ocon beim Rausfahren aus der Box in seine Fahrspur schickte. Der Mercedes-Pilot verlor mit dem zu späten Stopp gleich vier Positionen und hing dann 44 Runden lang in einem DRS-Zug hinter Alexander Albon und Pierre Gasly fest, aus dem es kein Entrinnen gab.

Die Mercedes-Strategen bedauerten hinterher, dass sie Hamilton nicht überzeugen konnten, in der gleichen Runde zu stoppen wie Ricciardo. "Lewis meinte, es wäre noch zu nass. Wir hätten mehr insistieren sollen. Das hätte ihm zwei Plätze gebracht, und er wäre nicht in dem DRS-Zug gelandet."

George Russell - Mercedes - GP Emilia-Romagna 2022 - Imola
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Mercedes schaffte es beim Reifenwechsel nicht, den Frontflügel für die Slickreifen umzustellen.

Russell mit falschem Frontflügel-Setup

Auch bei George Russell ging der Boxenstopp schief. Der Mechanismus, mit dem der Frontflügel-Flap für Trockenreifen auf mehr Anstellung getrimmt werden sollte, funktionierte nicht, weil sich die Mechaniker im Weg standen. So kämpfte der Engländer für den Rest des Rennens mit Untersteuern. "Das hat uns zwei Zehntel pro Runde und das Podium gegen Norris gekostet und ihm Bottas in die Fänge gespielt", erklärten die Ingenieure und sparten nicht mit Lob: "Unter den Umständen war es eine herausragende Leistung von George."

Klar war aus Sicht von Mercedes auch, wo das Problem in Imola lag. "Wir haben unsere Chancen im Q2 verspielt, weil wir nicht in der Lage waren, die Reifen schnell anzuzünden und wegen der roten Flaggen nicht die Chance bekamen, mehrere Runden am Stück zu fahren."

Auch bei Alfa-Sauber hatte man nach dem Rennen allen Grund im Konjunktiv zu reden. Valtteri Bottas verlor beim Boxenstopp 11,8 Sekunden, weil rechts vorne die Radmutter verkantete. Der Finne verlor zwar keinen Platz, aber wichtige Rennzeit. Das Malheur ließ den Rückstand auf George Russell von 1,4 auf 11,5 Sekunden anwachsen. Es dauerte 35 Runden, bis die Lücke zum Mercedes wieder geschlossen war. "Wäre Valtteri früher auf Russell aufgelaufen, hätte er ihn auch überholt", ist Sportdirektor Beat Zehnder überzeugt. "Valtteri war zeitweise der Schnellste auf den Medium-Reifen."

Sebastian Vettel - Aston Martin - GP Emilia-Romagna 2022 - Imola
Wilhelm
Sebastian Vettel holte als Achter das Maximum aus seinem Aston Martin AMR22.

Vettel legte Fundament auf nasser Strecke

Sebastian Vettel musste nach dem Wechsel auf Slicks von dem Fundament zehren, das er sich in der nassen Phase aufgebaut hatte. Nach den Boxenstopps lag der Aston-Martin-Pilot an siebter Stelle und hatte genug Luft auf Kollegen in potenziell schnelleren Autos, um sich in den Punkterängen zu halten: 5,1 Sekunden auf Kevin Magnussen, 9,7 Sekunden auf Yuki Tsunoda. Die Gruppe um Teamkollege Lance Stroll lag bereits 10,5 Sekunden zurück. Vor der musste sich Vettel keine Sorgen machen, solange Stroll seine Verfolger hinter sich halten konnte.

Vettel sprach von einem "Überlebenskampf". Auf Magnussen konservierte er 4,3 Sekunden seines Vorsprungs. Gegen Tsunoda war er chancenlos. Der Alpha Tauri ist unter gleichen Bedingungen das schnellere Auto. Tsunodas schnellste Runde lag 0,7 Sekunden unter dem Bestwert von Vettel. Und gegen den späten Angriff von Leclerc war sowieso kein Kraut gewachsen.

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Das Upgrade-Festival hat nicht viel an der Reihenfolge im Feld geändert.

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