Viel wurde an dieser Stelle schon über die neuen Technik-Regeln für die Saison 2026 geschrieben. Im Fokus standen bisher vor allem der neue Antrieb, der sich zu fast 50 Prozent aus elektrischer Energie speist. Dazu kommt noch das Ende der Groundeffect-Philosophie. Der Großteil des Abtriebs wird künftig wieder über die Flügel auf der Oberseite generiert. Um den Luftwiderstand zu reduzieren, werden die Flaps künftig auf allen Geraden flachgestellt.
Ein Element, das bis jetzt nicht im Mittelpunkt stand, sind die Radverkleidungen. Die rundlichen Carbon-Kappen, die zuletzt außen an die 18-Zoll-Felgen montiert wurden, fallen kommende Saison ersatzlos weg. Ihr Look konnte die Fans nie überzeugen. Das Design erinnerte an Stahlfelgen, wie sie hierzulande im Straßenverkehr vor allem bei Winterreifen genutzt werden. Einzig die Sponsorenpartner freuten sich über eine zusätzliche Werbefläche.
Die unförmigen Radkappen wurden von der FIA als Standardteile verpflichtend eingeführt, um die Teams daran zu hindern, die Strömung durch die Felgen hindurch nach außen abzulenken. Die Regelhüter hatten befürchtet, dass die dabei entstehenden Luftwirbel den Dirty-Air-Effekt für hinterherfahrende Autos verstärken. Am Ende schafften es die Ingenieure, die Luft auch mit geschlossenen Felgen nach außen zu lenken, was das Überholen erschwerte.

Das Racing-Bulls-Team präsentierte sein neues Auto mit komplett geschlossenen Felgen. Ist das schon die endgültige Lösung?
Freiheiten beim Felgen-Design
Für 2026 sind die Standard-Radkappen deshalb wieder aus dem Technik-Reglement verschwunden. Das heißt aber nicht, dass die Experten der FIA mit dem Effekt unzufrieden waren. Vielmehr lockerte man die Vorschriften in diesem Bereich, um Kilos zu sparen. Das Mindestgewicht der Autos sinkt bekanntlich um rund 30 Kilogramm. Da freuen sich die Ingenieure über jedes Bauteil, auf das sie verzichten können.
Experten sehen damit aber nicht das Ende der verkleideten Räder. Die Regeln lassen den Teams in puncto Felgen-Design jetzt eine freie Hand. Zuletzt hatte Hersteller BBS einen exklusiven Ausrüstervertrag mit der Formel 1. Künftig dürfen die Teams wieder eigene Lieferanten mit individuellen Designs auswählen. Wie stark die Räder dann verkleidet werden, bleibt jedem selbst überlassen.
Für Technik-Fans wird es spannend zu sehen, wie aggressiv die Ingenieure hier vorgehen. Einige erwarten, dass es wieder so ausarten könnte wie 2009, als die Teams außen angebrachte Radverkleidungen als aerodynamische Hilfsmittel nutzten und immer extremere Formen austüftelten. Besonders McLaren reizte die Regeln bis an die Grenzen aus. Um ein Wettrüsten zu verhindern, schob die FIA dem Treiben 2010 einen Riegel vor und verbot die Radkappen kurzerhand.

Audi verwendete dieses Design beim ersten Rollout in Barcelona. Nur dank Aufhellen in Photoshop werden die einzelnen Speichen sichtbar.
Felge hilft Aerodynamik und den Reifen
Dank Budget-Deckel ist die Gefahr eines Wettrüstens heute gebannt. Trotzdem ist zu erwarten, dass die Aerodynamiker ordentlich Hirnschmalz in die Form der Felgen stecken werden. Eine geschlossene Flanke kann den Luftstrom an der Außenseite der Räder beruhigen. Das Felgen-Design kann aber auch zur Temperaturregulierung der Bremsen und Reifen beitragen. Offene Speichen transportieren Hitze natürlich schneller ab.
In der Galerie geben wir Ihnen einen Vorgeschmack darauf, wie die 2026er-Lösungen von Red Bull, den Racing Bulls und von Audi aussehen könnten. Und wir zeigen Ihnen noch einmal die extremsten Auswüchse vom Radkappen-Krieg 2009.












