Formel 1: Charles Leclerc: "Risiko in der Qualifikation zahlt sich nicht mehr aus!"

Leclerc schimpft über Software-Eingriffe
„Risiko zahlt sich nicht mehr aus“

ArtikeldatumVeröffentlicht am 28.03.2026
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Charles Leclerc - Ferrari - GP Japan 2026
Foto: xpb

Im Fahrerlager sind sich alle einig: Die Qualifikation ist die Disziplin, bei der noch einmal nachjustiert werden muss. Nach der Zeitenjagd in Suzuka war Frustration bei vielen Fahrern förmlich zu spüren. Statt auf einer schnellen Runde alles kompromisslos reinzuwerfen, sind die Piloten gezwungen, an vielen Stellen zurückhaltend mit dem Gasfuß umzugehen, um Energie für die langen Geraden zu sparen.

Die FIA hatte mit einer Reduzierung des sogenannten Recharge-Limits von neun auf acht Megajoule pro Runde noch versucht, in letzter Minute gegenzusteuern. Die Fahrer durften also nicht mehr so viel Energie in die Batterie laden, was dazu führen sollte, die Lift-and-Coast-Phasen zu verkürzen und das sogenannte Super-Clipping zu begrenzen. Am Ende war es aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Das Energie-Management ist immer noch der entscheidende Faktor. Laut Charles Leclerc müssen die Fahrer damit komplett ihren Ansatz ändern: "Das ist sehr frustrierend. Ich bin die Quali-Sessions schon immer so angegangen, dass ich im letzten Q3-Run neue Dinge ausprobiere und etwas weiter ans Limit gehe als bei den Versuchen zuvor. Aber wenn man das macht, optimiert das System im Hintergrund ständig das Energie-Management während man fährt."

Charles Leclerc - Ferrari - GP Japan 2026
Wilhelm

Schneller in Kurven, langsamer auf den Geraden

In den Freien Trainings loten die Piloten die Grenzen natürlich nicht ganz so weit aus, wie auf der letzten Runde der Qualifikation, wenn es um die Vergabe der besten Startplätze geht. Die Ingenieure wissen also vorher nicht, was die Fahrer wirklich aus ihren Autos herausquetschen können. Und keiner weiß, wie sich die automatische Steuerung der Energieströme genau verhält.

"Das führt komischerweise dazu, dass ich jedes Mal im Q3 Zeit auf den Geraden verliere. Ich werde in den Kurven schneller, aber auf den Geraden langsamer. Das ist so frustrierend, weil man nie eine ganze Runde zusammenbekommt. Man muss immer abwägen und Kompromisse finden", beschreibt Leclerc das hilflose Gefühl im Cockpit.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff kennt das Phänomen. Bei Mercedes bremsen die Ingenieure ihre Fahrer deshalb künstlich ein: "Wir haben Kimi gesagt, er soll die erste Runde auf Sicherheit fahren. In der zweiten hat er dann richtig gepusht. Und schon war es nicht mehr so gut." Der erste Halbgas-Versuch von Antonelli reichte am Ende für die Pole-Position in Suzuka.

Lewis Hamilton wurde dagegen von der Software eingebremst: "Ich war in meinem ersten Run schon zweieinhalb Zehntel schneller und dann habe ich alles wieder auf der Geraden verloren. Mir ist kurz das Heck ausgebrochen. Das hat dazu geführt, dass die Energie-Abgabe geändert wurde. Ohne das Problem hätte ich wohl zwei Plätze weiter vorne gestanden."

Charles Leclerc - Ferrari - GP Japan 2026
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Risiko muss sich wieder auszahlen

Für Charles Leclerc kann es so nicht weitergehen: "Es das Gleiche für alle Fahrer. Ich habe aber das Gefühl, dass wir davon noch etwas mehr betroffen sind als die Piloten mit Mercedes-Motoren. Das müssen wir mal untersuchen. Die FIA sucht bereits nach Ideen, um diese Probleme zu lösen."

Der Ferrari-Pilot befürchtet, dass die Show in der Qualifikation auf Dauer leiden könnte, wenn die Piloten nicht mehr für Risiko belohnt werden: "Es ist momentan kein schönes Gefühl, wenn man ins Q3 geht. Wir wollen mit diesen Autos ans Limit gehen. Und immer, wenn man mit dem Limit spielt, bezahlt man dafür nicht nur einen kleinen Preis in Form eines Rutschers, sondern man bezahlt den dreifachen Preis, weil man auf den Geraden so viel Zeit verliert."

Beim Monegassen wird der Frust immer größer: "Im Qualifying sollte es eigentlich darum gehen, komplett am Limit zu fahren, aber dann wird man auf den Geraden zerstört. Man muss also immer ein Stück darunter bleiben, was natürlich auch eine Kunst ist. Dabei wird man aber nicht so belohnt, wie beim absoluten Ausloten der Grenzen. Früher hat sich das Risiko regelmäßig ausgezahlt. Mit diesen Autos ist das aber leider nicht so."

Fazit