Ferrari reiste nicht nur mit 27 Zählern, sondern auch reichlich Zuversicht aus Australien ab. Zwar kostete eine strategische Fehleinschätzung die Chance auf mehr. Insgesamt schien die rote Welt aber sortiert: Die Italiener waren mindestens zweite Kraft und konnten unter besonderen Umständen Mercedes ärgern. Nach dem China-Freitag zog nun plötzlich wieder Frust auf.
Dabei hatte man die Hoffnung, eine Geheimwaffe mitgebracht zu haben. Erstmals zeigte sich der rotierende Heckflügel an einem Rennwochenende. Der Streckencharakter von Melbourne galt wegen nur einer echten Geraden als zu schlechte Referenz für das Konzept. Auf den quasi mit einem Lineal gezogenen Vollgaspassagen des Shanghai International Circuit schien das Aero-Experiment besser zu wirken.
Schnell zeigten sich aber die Schwächen. Ein Dreher von Lewis Hamilton im Training ließ eine gewisse Instabilität vermuten. Der Brite erklärte später: "Der Auftakt war schwierig. Dann zeigte das Team einen fantastischen Job, indem es das Auto in ein viel besseres Fenster brachte. Im Sprint-Qualifying fuhr es sich fantastisch."

Mercedes-Mann George Russell rundete seinen gelungenen Freitag mit der Sprint-Pole-Postion ab.
Beruhigende Hochrechnung
Beim Kampf um die Startplätze war der vermeintliche Wunderflügel bereits abmontiert. Teamchef Frédéric Vasseur machte ihn nicht zum Schuldigen. "Wir haben den Flügel im Training eingesetzt, um zusätzliche Kilometer für eine spätere Einführung zu sammeln." Die doch hohe Schlappe gegen Mercedes und den engen Kampf gegen die McLaren versuchte er einzuordnen.
"Lewis hat nach den Änderungen gute Arbeit im engen Fight gegen McLaren geleistet. Charles stand hingegen im entscheidenden SQ3-Run nicht die volle Energie zur Verfügung." Vasseur versprach eine intensive Daten-Analyse. Dort werden sich die sechs Zehntel Rückstand, die der Vierte Hamilton auf den Mercedes-Pole-Setter George Russell kassierte, dennoch nicht finden lassen.
Dass das Polster trotzdem stärker im Haupt-Qualifying schrumpfen könnte, deutete Leclerc an. "Wegen des Problems verlor ich eine halbe Sekunde auf der Gegengeraden. Rechnet man diese dem Monegassen gutmütig weg, wäre er statt auf dem sechsten auf dem dritten Rang. Und McLaren in Form von Lando Norris nur dritte Kraft. Andrea Kimi Antonelli bliebe außerdem angesichts von zwei Zehnteln in italienischsprachiger Rufweite.

Vize-Chef Jerome d’Ambrosio und Ober-Chef Frédéric Vasseur haben einiges an Hausaufgaben über Nacht.
Wieder Flucht nach vorne
Ganz grundlegende Probleme lassen sich aber nicht durch Wunschdenken wegdiskutieren. Lewis Hamilton hielt fest: "Maranello muss weiterhin daran arbeiten, mehr Leistung auf den Geraden zu finden. Dort liegt unsere Hauptschwäche. Die Kurven sind derweil stark, was Mut macht." Obwohl Mercedes enteilt wirkt, rechnen sich ebenso Kollege Leclerc und Chef Vasseur einen guten ersten Sprint-Tag 2026 aus.
Der rotierende Heckflügel mag zwar (noch) nicht der erhoffte Gamechanger sein, dafür bleibt der kompakte Turbo eine Art Lebensversicherung. Bereits in Melbourne lieferte er ab. Von den Plätzen vier bzw. sieben sprangen Leclerc und Hamilton an die Spitze bzw. Rang drei.
Genau aus diesem Grund verwehrt sich Ferrari gegen die aktuell diskutierten Änderungen der Start-Regeln. Mercedes-Boss Toto Wolff zeigte sich bei der Frage nach dem Vorteil der Ferrari nahezu anerkennend. Trotz des mittelprächtigen Freitags wollen die Roten die Schlappe also schnell verdauen. Vasseur: "Ich bin zuversichtlich, dass wir im Sprint an das Level von vorher anschließen."












