Platz sechs und mehr als 50 Sekunden Rückstand auf den Sieger: Max Verstappen erlebte beim Saisonauftakt in Melbourne (8.3.) ein Rennen, das nicht dem Anspruch des wohl besten Fahrers seiner Generation entspricht. Die Gründe waren allerdings vielschichtig. Nach der Qualifikation ging es bei ihm nur noch um Schadensbegrenzung.
Auf seiner ersten schnellen Runde im Albert Park hatte ihn sein Red Bull abgeworfen. Der RB22 hatte zu stark an der Hinterachse rekuperiert. Die Hinterräder blockierten, das Auto legte eine Pirouette hin und Verstappen schlug in der Bande ein. Das Energiemanagement war zu scharf eingestellt. Den Niederländer traf keine Schuld.
Das bedeutete Startplatz 20 für den Sonntag. Die Aufholjagd endete hinter Weltmeister Lando Norris. Trotz einer besseren Pace biss er sich am McLaren-Piloten die Zähne aus. Das ereignisreiche Rennen und die vielen Überholmanöver stimmten den 28-Jährigen jedoch nicht zufrieden. Die neuen Regeln sind ihm ein Dorn im Auge. Die Elektro-Power kombiniert mit einer zu kleinen Batterie, die nur eine Energiemenge von vier Megajoule erlaubt, erfordert ein ganz anderes Fahren. Ein Auto am Limit zu bewegen, ist momentan nur halb so wichtig wie das Management der kostbaren Elektro-Energie.

In einem Mercedes AMG GT3 startet Max Verstappen 2026 beim 24h-Rennen auf dem Nürburgring.
Nürburgring als Alternative
Bereits vor dem ersten Saisonrennen hatte Max Verstappen bei den Testfahrten in Bahrain die neuen Autos kritisiert. In Melbourne legte er nach. Er flüchtete sich in Sarkasmus. Dem Jahrhunderttalent macht diese Art von Racing keinen Spaß. Schon in der Vergangenheit häuften sich die Stimmen, dass der Red-Bull-Star der Formel 1 früher als viele andere Ausnahmefahrer den Rücken kehren könnte.
Eine Anlaufstelle hat der Familienvater bereits: Am Montag (9.3.) vor dem Großen Preis in China (15.3.) gab Mercedes bekannt, dass Verstappen für das Winward-Team bei dem diesjährigen 24h-Rennen auf dem Nürburgring antreten wird. Im Red-Bull-Verstappen-Look waren bereits seine Teamkollegen mit dem AMG GT3 der Schwaben eifrig am Testen. Dauerhaft dürfte man 71-maligen Grand-Prix-Sieger aber nicht auf der Nordschleife sehen. Nach dem Projekt könnte er sich anderen Klassikern zuwenden.
Die 24 Stunden von Le Mans haben es ihm ebenfalls angetan. "Ich möchte alle großen Langstreckenrennen machen. Ich muss nicht nur ein F1-Fahrer sein. Ich habe schon alles erreicht, was ich hier erreichen wollte. Ich möchte auch andere Dinge entdecken und nicht, wenn ich 40 Jahre alt bin", erklärte Max Verstappen in China.
F1-Boss glaubt an Verbleib
Trotz der Enttäuschung wegen der neuen Regeln glaubt F1-CEO Stefano Domenicali an die Zukunft Verstappens in der Königsklasse: "Ich bin zuversichtlich, was die Formel-1-Zukunft von Max angeht, weil ich ein sehr gutes Verhältnis zu ihm pflege. Ich kenne ihn sehr, sehr gut. Und ich verbringe viel Zeit mit ihm. Das ist der Grund. Er liebt die Formel 1, daran besteht kein Zweifel", sagte der Italiener noch Ende Februar.
Verstappen selbst wurde damit auf der offiziellen Pressekonferenz in Shanghai (12.3.) konfrontiert. "Ich will nicht wirklich weggehen. Wie ich gesagt habe, ich wünschte, ich hätte sicher ein wenig mehr Spaß, aber ich mache auch andere Sachen, die sehr viel Spaß machen", gab der Red-Bull-Pilot Auskunft.
"Ich will nicht weg, aber ich hoffe natürlich, dass es besser wird. Ich hatte Gespräche mit den Leuten der F1 und der FIA. Wir arbeiten auf etwas hin. Hoffentlich wird das alles verbessern und hoffentlich schon für nächstes Jahr", blickte Verstappen bereits nach vorn.

Das Potenzial des RB22 konnten weder Verstappen noch Red Bull bis jetzt vollständig ausschöpfen.
Potenzial bei Red Bull ist da
In der kurzfristigen Zukunft steht aber zunächst das Rennen in China an. Es ist zudem das erste Sprint-Wochenende des Jahres. Mit den neuen Autos und der diffizilen Handhabe der Elektro-Energie könnte das für viel Abwechslung im Feld sorgen. In Australien war Red Bull hinter Mercedes und Ferrari die dritte Kraft.
"Es gibt viel Potenzial. Es wird einfach davon abhängen, wie wir das Verlauf des Jahres herausholen können. Die Lücke war natürlich ziemlich groß. Wir hatten nicht das Tempo der Top 4 und haben sehr unter dem Körnen der Reifen gelitten. Wir werden sehen, ob wir in den kommenden Rennen die Lücke schließen können", sagte Verstappen.
Hoffnung könnte ihm machen, dass Red Bull in der Vergangenheit auch größere technische Rückstände im Verlaufe eines Jahres noch wettgemacht hat. 2022 war der RB18 übergewichtig, Ferrari hatte die Nase zu Saisonbeginn vorn. Dann drehten Red Bull und Verstappen auf. Vergangenes Jahr fehlten nach einem zwischenzeitlichen 104-Punkte-Rückstand nur zwei Zähler im Endklassement zum fünften Titel en suite.












